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Aktuelles aus der Hochschule

Schulsozialarbeit: Ministerium kündigt 22,5 Millionen an

Rund 250 Teilnehmer/innen bei Fachtag an der HAWK / Kultusministerium stellt Konzept vor

Das Interesse ist enorm gewesen am Fachtag „Schulsozialarbeit in Niedersachsen“, die Tagung schon fast fünf Wochen im Voraus ausgebucht. Ziel war es, die Konzeptentwicklung für Schulsozialarbeit in Niedersachsen zu fordern und auch weiter zu fördern. Rund 250 Teilnehmer/innen konnten die Organisator/innen der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit am Check-In vor der Aula am Hohnsen empfangen. Begrüßt wurden Sie von HAWK-Vizepräsidentin Prof. Dr. Annette Probst.

Die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt betonte in ihrem Grußwort, dass  Schulsozialarbeit eine hohe Wertschätzung in den Schulen, in der Öffentlichkeit und auch in der Politik erfahre. Dies sein nicht immer so gewesen. „Inzwischen tragen alle Fraktionen im Landtag die Forderung nach einem Ausbau und einer Verstetigung an niedersächsischen Schulen mit“, sagte Heiligenstadt. Der Zuwachs an Schüler/innen durch die Geflüchtetenkinder habe diese politische Unterstützung sogar noch befördert. „Ohne Ihre Arbeit und Ihr Engagement wären wir nicht bei der Diskussion, bei der wir heute sind“, sagte Heiligenstadt den Teilnehmer/innen.

 

Mit Spannung wurde das neue Konzept des Niedersächsischen Kultusministeriums erwartet. Vorgestellt wurde es von Knuth Erbe, Referent aus dem Ministerium. Er zeichnete die Eckpunkte auf, wie Schulsozialarbeit im Land künftig strukturiert werden soll. „Das Land übernimmt jetzt die Verantwortung für einen großen Teil der Sozialarbeit von Schulen“, sagte Erbe nach dem Vortrag. „Das Personal wird, das gilt nicht für alle Schulsozialarbeiter/innen, vom Land angestellt.“ Die Verantwortung der inhaltlichen Gestaltung werde vom Land wahrgenommen. Dafür werde ein neues, jährliches Volumen von 22,5 Millionen Euro beziffert -  zusätzlich zu der Finanzierung, die  in diesem Bereich schon in Berufsschulen laufe. „Es sind ungefähr 500 Stellen, die jetzt in einem nächsten Schritt nochmal ausgeschrieben werden“, erklärte Erbe. Bisher gab es bereits hundert Stellen in dem Bereich. „Wir sollten danach auch mit weiteren Ausschreibungen wieder warten, bis die Marktsituation sich beruhigt", ergänzte er. Man müsse schauen, dass nach 2017 die Sozialarbeiter/innen zunächst in Ruhe arbeiten können. Dann gebe es ein klareres Konzept, bei dem man sich den Details widmen könne.

 

„Die Erwartungshaltung war bei mir und meinen Kolleginnen hoch“, sagte Prof. Busche-Baumann am Ende der Fachtagung zu dem vorgestellten und anschließend diskutierten Konzept. „Nach genauem Hinhören muss man sagen, das waren Konzeptelemente von einer pädagogischen fachlichen Ausrichtung.“ Es sei eher ein Umsetzungskonzept, an welchen Schulen jetzt Schulsozialarbeit stattfinden soll. „Aber wie dieser Teil dann fachlich ausgestaltet sein wird, das muss noch erarbeitet werden“, so Busche-Baumann.

 

Positiv sei bei dem Konzept, dass nun ein Schwebezustand beendet werde und auch die Fachkräfte sowie Schulen damit eine verlässliche Grundlage für ihre pädagogische Arbeit bekämen, sagte sie weiter zur Umwandlung von befristeten Stellen in unbefristete, was Anfang des kommenden Jahres geschehen soll. „Wir haben heute von einer Zäsur gehört, dass das Kultusministerium Verantwortung übernehmen will - nach fünfzehn Jahren Diskussion.“

 

Es gebe aber auch immer zwei Seiten einer Medaille: „Wo übernimmt nun die Jugendhilfe Verantwortung für die Schulsozialarbeit?“ Denn diese sei ein Arbeitsfeld der Kinder- und Jugendhilfe und bedürfe der fachlichen Begleitung: „Da hätte ich mir mehr Klarheit auch von der Kinder- und Jugendhilfe gewünscht“, so Busche-Baumann.

 

In der Podiumsdiskussion wurde vom Landesschülerrat Niedersachsen darauf hingewiesen, dass vorrangig Ganztagsschulen und kaum Gymnasien berücksichtigt würden. Eine berechtigte Kritik, wie Busche-Baumann sagte: „Bestimmte Schulen bekommen Förderung, andere nicht.“ Ziel sei es,  dass Schulsozialarbeit ein selbstverständliches Angebot an Schulen werde - ohne Bedarfsermittlung von der Anzahl der Schüler/innen, von Flüchtlingskindern oder Schüler/innen mit inklusivem Handlungsbedarf. „Zielrichtung muss sein, dass Schulsozialarbeit ein Regelangebot für alle Schulformen und Schularten wird“, betonte Busche-Baumann. Schulsozialarbeit gehöre zum Recht auf Bildung.

 

Die Teilnehmer/innen kamen aus ganz unterschiedlichen Bereichen: So freute sich Organisatorin Prof. Dr Maria Busche-Baumann neben den Schulsozialarbeiter/innen auch über viele kommunale Vertreter/innen, Lehrer/innen und Schüler/innen. „Die Netzwerkarbeit ist heute gelungen“, zog sie das Gesamtfazit der Veranstaltung. Rückblickend auf den ersten Fachtag 2014 seien damals die Schulsozialarbeiter/innen noch überwiegend unter sich geblieben. „Heute waren sie immer noch die stärkste Gruppe - rund zwei Drittel - aber es gab auch sehr viel mehr Vertreter aus der Jugendhilfe, aus Verbänden, der Elternschaft, den Gewerkschaften und - worauf ich auch besonders Wert gelegt habe -  von den Schüler/innen. Letztere bilden mit rund einer Million in Niedersachsen die größte Gruppe für Schulsozialarbeit.

 

Diskussionen mit lebhaftem Gedankenaustausch gab es in Fragerunden nach Vorträgen, in verschiedenen Workshops am Nachmittag und während einer abschließenden Podiumsdiskussion zum Thema: „Pro & Contra zur Neuausrichtung der Schulsozialarbeit“.

Das Podium:
Diskutierten über Pro und Contra zur Neuausrichtung der Schulsozialarbeit: Olivia Zakrzewski (Vorsitzende niedersächsischer Landesschüler/innen/rat),  Prof. Dr. Anke Spies (Erziehungswissenschaftlerin), Dr. Frank Lammerding (Vorsitzender der AG der Jugendämter Niedersachsen/Bremen), Birgit Wenzel (Niedersächsisches Kultusministerium), Jörn Hannemann (LAG Niedersachsen), Bernhard Eibeck (Referent Jugendhilfe und Sozialarbeit GEW), Judith Edel (AK Schulsozialarbeit Stadt und Landkreis Hildesheim) und Frank Stöber (Vorsitzender des Schulleitungsverbandes Niedersachsen)

Prof. Dr. Maria Busche-Baumann

Erscheinungsdatum: 01.06.2016 

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