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Aktuelles aus der Hochschule

Unter Zeitdruck und oft nicht spannungsfrei

Erstmals "Projektmanagement in der Ausstellungspraxis" für Masterstudierende der HAWK und der Uni Göttingen

"Projektmanagement in der Ausstellungspraxis" als gemeinsames interdisziplinäres Masterseminar der Konservierungs- und Restaurierungswissenschaften der HAWK in Hildesheim und des Kunsthistorischen Seminars der Universität Göttingen

Im professionellen konservatorisch-restauratorischen und kunsthistorischen Leben spielt der Ausstellungsbetrieb oft eine bedeutende Rolle. Dieser Bereich besteht  nicht nur aus Erkenntnisgewinn und ästhetischem Genuss für das Ausstellungspublikum, sondern hinter den Kulissen auch aus viel vor- und nachbereitender Arbeit, welche - meist unter großem Zeitdruck - oft auch nicht spannungsfrei abläuft, da berechtigte, aber gegensätzliche Interessen aufeinanderstoßen. Sinn und Ziel des neuen Masterseminars ist daher, bereits im Studium hierauf vorzubereiten und Verständnis für die Belange der beiden beteiligten Berufsgruppen – Kunsthistoriker/in/Kurator/in und Restaurator/in/Konservator/in - zu wecken.

Unter Anleitung von Prof. Dr. Michael von der Goltz und Prof. Dr. Gerdi Maierbacher-Legl von der HAWK und Dr. Anne Katrin Sors, Leiterin der Göttinger Kunstsammlung, bildeten im Wintersemester 2016/17 Studierende einerseits der Konservierungs- und Restaurierungswissenschaften und andererseits der Kunstgeschichte in der Göttinger Gemäldesammlung Teams und stellten sich einer fingierten Arbeitssituation, die den musealen Alltag beider Seiten entscheidend bestimmen wird: Kunsthistorische Studierende sammelten Argumente, um die Ausleihung bestimmter, in der konservatorischen Obhut der HAWK-Studierenden befindlicher Gemälde für eine fingierte Ausstellung zu erreichen. Die Studierenden der HAWK wiederum beurteilten Zustände und stellten Befunde sowie Bedenken zusammen, die für oder gegen eine Ausleihe oder für besondere Auflagen sprechen.

In Teamarbeit und fiktiver Alltagssituation machten sich die Studierenden beider Fachrichtungen mit Aufgaben, Zielen und Vorgehensweisen der jeweils anderen Seite vertraut, überdachten technisch-logistische Voraussetzungen, entstehende Kosten, notwendige Mitteleinwerbungen und vieles mehr. Darüber hinaus stellten bei einem Besuch der Ethnologischen Sammlung der Universität Göttingen Studierende der Ethnologie ein neues Ausstellungskonzept vor und stellten sich den Fragen der Seminarteilnehmer/innen. Auch im Niedersächsischen Landesmuseum Hannover mit der Sonderausstellung „Heikles Erbe - Koloniale Spuren bis in die Gegenwart“, konnte das zentrale Thema des Seminars, das Zusammenbringen konservatorisch-restauratorischer und kunsthistorischer Denk- und Arbeitsweisen in der Vorbereitung von Ausstellungen im Austausch mit Fachleuten der Museen vertiefend behandelt werden. Am letzten Tag traf man sich schließlich in den Werkstätten der Studienrichtungen Konservierung und Restaurierung von Gefassten Holzobjekten und Gemälden und von Möbeln und Holzobjekten, um noch stärker in das Thema der Materialität und der damit verbundenen Empfindlichkeit einzusteigen.

Seit dem Jahr 2004 besteht die Lehrkooperation zwischen Hildesheimer Restaurator/innen und Göttinger Kunsthistoriker/innen, wobei meist die vornehmlich aus Sammlungen des 18. Jahrhunderts bestehenden Gemälde- und Graphiksammlungen des Göttinger Instituts weiter erforscht und genutzt werden. Studierende beider Fachrichtungen, können so die zukünftig erforderliche Zusammenarbeit einüben und gegenseitig Methoden sowie Denkweisen der anderen Seite kennenlernen – eine Möglichkeit, die in konservatorisch-restauratorischen und kunsthistorischen Ausbildungsgängen andernorts so nicht zu finden ist. Mit diesem neuartigen Masterseminar wurde diese Kooperation fortgesetzt und erweitert.

Erscheinungsdatum: 28.02.2017 

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