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Aktuelles aus der Hochschule

Das Dorf als Wirtschaftsstandort?

Dreijähriges Forschungsvorhaben der HAWK in Göttingen zu wirtschaftlichen Entwicklungsperspektiven in Dörfern bewilligt

Der Landesbeauftragte Matthias Wunderling-Weilbier hat jetzt dem Wissenschaftler/innen/team von der HAWK-Fakultät Ressourcenmanagement den Bewilligungsbescheid für das Forschungsvorhaben „Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Dorf (WiStaDo)“ im Rahmen des Südniedersachsenprogramms überreicht.

Mit insgesamt 439.000 Euro wird das Projekt gefördert.  „Über diese Möglichkeit der Förderung, die durch den Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung für die angewandte Forschung ermöglicht wird, freue ich mich. Es steckt allerdings auch ein großer Anteil niedersächsischer Forschungsmittel in dem Vorhaben, betont Yvonne Begemann vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaften und Kultur.

Projektleiter Prof. Dr. Ulrich Harteisen stellte das Forschungsvorhaben und das Team der interdisziplinären Wissenschaftlergruppe vor. Er plädierte dafür, das Dorf als Wirtschaftsstandort wieder neu in den Blick zu nehmen. Denn bis in die Mitte des 20. Jh. waren Dörfer für ihre Bewohnerinnen und Bewohner nicht nur Lebensraum, sondern sehr häufig auch Arbeitsort. Diese räumliche Einheit von Wohnen und Arbeiten besteht schon lange nicht mehr. Viele der Arbeitsplätze in der Land- und Forstwirtschaft, dem Handwerk und auch im dorftypischen Dienstleistungsbereich sind durch grundlegende wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungsprozesse verloren gegangen.

Mit dem Megatrend „Digitalisierung“ wird sich das Arbeitsleben vermutlich erneut grundlegend verändern. Digitalisierung kann bedeuten, dass der Arbeitsprozess zunehmend von Raum und Zeit entkoppelt wird. „Ein entscheidender Faktor wird sein, die Digitalisierung optimal zu nutzen und damit beispielsweise unveränderliche Standortnachteile zu kompensieren“, betonte Wunderling-Weilbier.

Die Bürgermeister der beteiligten südniedersächsischen Gemeinden Katlenburg-Lindau im Landkreis Northeim, Flecken Bevern im Landkreis Holzminden und Flecken Bovenden im Landkreis Göttingen verbinden mit dem Forschungsvorhaben u.a. auch die Erwartung, dass durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Dorf als Wirtschaftsstandort die Vorteile des Dorfes als Standort für Unternehmen stärker in den Vordergrund gerückt werden und so möglicherweise auch ganz praktische Impulse für die Dorfentwicklung ausgelöst werden können.

 

 

Projektbeschreibung

 

Forschungsvorhaben: Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Dorf (WiStaDo)

Bis in die Mitte des 20. Jh. waren Dörfer für ihre Bewohnerinnen und Bewohner nicht nur Lebensraum, sondern sehr häufig auch Arbeitsort. Arbeitsplätze gab es in der Land- und Forstwirtschaft, dem Handwerk und auch im dorftypischen Dienstleistungsbereich. Das hat sich grundlegend geändert. Einhergehend mit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungsprozessen sind viele Arbeitsplätze in ländlichen Räumen verloren gegangen. Wenn Dörfer aber zukünftig immer weniger Wirtschaftsstandort sind und damit immer weniger Arbeitsplätze bieten, führt dies unweigerlich dazu, dass junge Menschen die Dörfer weiterhin verlassen und oft nicht zurückkehren. Ist diese Entwicklung unumkehrbar oder gibt es nicht schon heute gute Gründe und auch Möglichkeiten, das Dorf als Wirtschaftsstandort wieder neu in den Blick zu nehmen?

 

Dieser Frage wird im Forschungsvorhaben „Perspektiven für den Wirtschaftsstandort Dorf (WiStaDo)“  eine interdisziplinäre Wissenschaftlergruppe der HAWK-Fakultät Ressourcenmanagement in Göttingen in Kooperation mit den südniedersächsischen Gemeinden Katlenburg-Lindau (7 Dörfer) im Landkreis Northeim, Bevern (5 Dörfer) im Landkreis Holzminden und Bovenden (8 Dörfer) im Landkreis Göttingen nachgehen. Das Projekt ist Bestandteil des Südniedersachsenprogramms und wird mit Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und des Landes Niedersachsen mit insgesamt 439.000 EURO gefördert und läuft vom 1. Juli 2017 bis 30. Juni 2020.

 

Ein wichtiger Aspekt ist auch die Digitalisierung, die das Arbeitsleben im 21. Jh. vermutlich grundlegend verändern wird. Digitalisierung kann bedeuten, dass der Arbeitsprozess zunehmend von Raum und Zeit entkoppelt wird. Eine Rückverlegung von Wirtschaft und Arbeit in ländliche Räume scheint vor diesem Hintergrund möglich. Die Digitalisierung ist aber sicherlich nur eine Komponente für die „wirtschaftliche Wiederbelebung der Dörfer“. Für Unternehmerinnen und Unternehmer sind weitere Rahmenbedingungen, wie die Qualität der Infrastruktur, die Verfügbarkeit von Arbeitskräften und nicht zuletzt auch weiche Standortfaktoren, dazu gehört vor allem auch die soziale Infrastruktur vor Ort (Bildungs- und Freizeitangebote, Nahversorgung etc.), entscheidend für die Standortwahl. In diesem Forschungsvorhaben sollen deshalb harte und weiche Standortfaktoren gleichermaßen betrachtet werden.

 

In dem dreijährigen Forschungsprozess sollen dabei folgende Schwerpunkte bearbeitet werden:

Zunächst werden die noch vorhandenen Wirtschaftsstrukturen im primären, sekundären und tertiären Wirtschaftssektor in allen Dörfern vollständig erfasst. Dieser Arbeitsschritt ist erforderlich, da vorliegende Statistiken nicht unbedingt einen vollständigen und differenzierten Überblick über die wirtschaftlichen Aktivitäten und die damit verbunden Arbeitsplätze in den Dörfern liefern.
Es folgt eine Analyse der Rahmenbedingungen, wobei der Fokus auf die Identifizierung von Entwicklungshemmnissen und Entwicklungsvorteilen gerichtet werden soll. Zu den Rahmenbedingungen zählen in diesem Kontext insbesondere die harten und weichen Standortfaktoren. Darüber hinaus sollen die bestehenden Beratungs- und Unterstützungsstrukturen für Unternehmen betrachtet werden.
Abschließend geht es darum, aus den gewonnenen Erkenntnissen konkrete Strategien und Handlungsempfehlungen für die Entwicklung des Wirtschaftsstandortes Dorf in Bezug auf die betrachteten Gemeinden abzuleiten. Auch soll die Übertragbarkeit der Strategien diskutiert werden. In die Untersuchung werden Dörfer der südniedersächsischen Gemeinden Bovenden (Landkreis Göttingen), Katlenburg-Lindau (Landkreis Northeim) und Bevern (Landkreis Holzminden) einbezogen.

Prof. Dr. Ulrich Harteisen

Erscheinungsdatum: 16.06.2017 

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