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Aktuelles aus der Hochschule

Sozialberichterstattung: Cockpit einer Kommune

Hildesheim und Holzminden Praxispartner beim HAWK-Projekt MONIKOM / Werkzeugkasten und Leitfaden geplant

Bisher war sie eher ein Privileg von Großstädten: Die Sozialberichterstattung und eine darauf basierende Sozialplanung. Diese Berichte unterstützen Verwaltungsmitarbeiter/innen und Lokalpolitiker/innen in den Stadtverwaltungen und Kreistagen, sozialen Fehlentwicklungen in den Kommunen entgegenzuwirken und faktenbasierte Entscheidungen zu treffen – zum Beispiel für Strategien gegen negative Auswirkungen des demographischen Wandels. Eigentlich ist so eine Sozialplanung für alle Kommunen wichtig – aber gerade kleinere Städte und Gemeinden tun sich damit oft schwer. Sie haben zwar die notwendigen Daten, aber keine Mitarbeiter/innen oder Ausstattung, um diese auch vernünftig auszuwerten und in einen handlungsorientierten Bericht umzusetzen.

Das neue HAWK-Projekt MONIKOM will genau da ansetzen, erklärt Dr. Annette Harth, Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der HAWK-Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, die die wissenschaftliche Bearbeitung des Projektes übernimmt: „Wir haben drei große Arbeitsschritte“, erklärt sie den weiteren Projektverlauf. Zunächst gebe es eine Bedarfsanalyse. Während dieser Phase werde mit einer Recherche und Onlinebefragung flächendeckend auf Niedersachsen geschaut, wo bereits Sozialberichterstattung durchgeführt wird. Im zweiten Schritt gelte es, ein Modell und eine Struktur zu erstellen, in drei Erprobungskommunen anzuwenden und schrittweise zu optimieren.

Die Praxispartner dieser Tests sind die Landkreise Holzminden und Hildesheim sowie die Stadt Hildesheim.

Ziel sei es am Ende, eine Hilfestellung gerade für die kleinen Städte und Gemeinden bereitzustellen, so Harth: „Wir möchten, dass kleinere oder mittlere Kommunen in Niedersachsen mithilfe des zu entwickelnden Werkzeugkastens und Leitfadens in die Lage versetzt werden, selbstständig eine Sozialberichterstattung für sich anzufertigen, wenn sie es denn wollen.“

Zum Auftaktworkshop des Projekts MONIKOM, das von Prof. Gerhard Litges, Professor für Theorien und Handlungskonzepte Sozialer Arbeit an der HAWK-Fakultät in Holzminden, geleitet wird, kamen Vertreter/innen der Erprobungskommunen und auch Expert/innen aus anderen Teilen Niedersachsens zusammen.

Torsten Haf, Sozialplaner beim Landkreis Gifhorn, kann aus seiner langjährigen Erfahrung im Bereich Sozialplanung berichten. Die Sozialberichterstattung laufe erfolgreich, sagt Haf, da „die politischen Gremien im Landkreis einen Überblick bekommen, wie eigentlich ihre Bevölkerung strukturiert ist, wie hoch bestimmte Altersanteile in der Bevölkerung oder bestimmte  Sozialleistungsempfängerquoten sind.“ Die Daten seien wichtige Grundlagen dafür, um Projekte und Maßnahmen zu entwickeln, die an der einen oder anderen Stelle Gegenbewegungen in Gang setzen sollen.Malte Spitzer, Stadtrat für Soziales in Hildesheim, misst der kommunalen, sozialen Berichterstattung eine große Bedeutung bei: „Sie ist quasi das Cockpit einer Kommune, wenn man die Handlungsfelder gut bearbeiten möchte“, sagt er. Letztlich hänge eine vernünftige Sozialpolitik an einer ebenso vernünftigen Datenaufbereitung und ihrer Auswertung. 

Durch dieses Projekt erhofft sich Spitzer, den Grundstein der kommunalen Sozialberichterstattung in Hildesheim zu legen und zugleich die wesentlichen Eckpunkte zu definieren.

„Das Schöne an einer Kommune ist, dass sie relativ schnell auf die Handlungsebene kommt“, so Spitzer weiter, „und auch in diesem Fall erwarte ich, dass wir die Ergebnisse dieser wichtigen Arbeit mit einem kommunalen Sozialbericht der Stadt und mit nur wenig Verzug umsetzen werden.“

Das HAWK-Projekt MONIKOM hat eine Laufzeit von zwei Jahren, eine Gesamtfinanzierung von rund 212.000 Euro und wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert.

Weitere Informationen zu MONIKOM

Erscheinungsdatum: 05.07.2017 

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