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Aktuelles aus der Hochschule

Dem Denkmal ganz nah

Mitarbeiterinnen der Restaurierung und Konservierung erläutern zum „Tag des offenen Denkmals“ ihre Arbeit

Großes Interesse beim „Tag des offenen Denkmals“ in Hildesheim: Zahlreiche Besucher/innen kamen in die Bernward-Kirche und die Lamberti-Kirche, wo HAWK-Mitarbeiterinnen aus dem Lehrgebiet Restaurierung und Konservierung ihnen Rede und Antwort standen.

Ziel des Tags des offenen Denkmals ist es, die Öffentlichkeit für die Bedeutung des kulturellen Erbes zu sensibilisieren und Interesse für die Belange der Denkmalpflege zu wecken. Dies ist nach Ansicht von Dipl.-Rest. Ina Birkenbeul, Leiterin der Restaurierungswerkstatt für gefasste Holzobjekte und Gemälde an der HAWK sehr gut gelungen: Über hundert Besucher/innen kamen allein in die Lamberti-Kirche und rund 250 in die Bernward-Kirche.

Im weißen, hellen Licht zweier Scheinwerfer stand ein besonderer Altar im Mittelpunkt des Interesses der Kirchenbesucher/innen, den sie sich ganz nah und unter fachkundiger Erläuterung anschauen konnten: Der Peter- und-Paul-Altar aus dem 15. Jahrhundert in der Lamberti-Kirche. Der ursprüngliche, vollständige Flügelaltar zeigte im geschlossenen Zustand Szenen aus den Petrus- und Pauluslegenden – ausgeklappt die Leidensgeschichte Christi.

Erhalten geblieben sind auch 14 der 16 Bildszenen der Flügel. In der Kirche steht nur die Mitteltafel: Anfang des 19. Jahrhunderts wurde der Altar auseinander gebaut, die Flügel zersägt und als einzelne Tafeln verkauft. Die in Hildesheim verbliebene Mitteltafel gehört heute dem Roemer- und Pelizaeus-Museum und steht seit 1952 wieder in der Lamberti-Kirche.

Im Rahmen einer Diplomarbeit im Studiengang Konservierung und Restaurierung an der HAWK wurde Die Mitteltafel technologisch untersucht: Es ging um Fragen zur Herstellungstechnik der Tafel und besonders um die verschiedenen Vergoldungs- und Maltechniken, die hier zum Einsatz kamen.

Aber nicht nur die ikonografische Darstellung an dem Objekt sei interessant, sagt Ina Birkenbeul: „Dieser Altar ist deshalb technologisch interessant, weil verschiedene Kunsttechniken angewendet wurden: Vergoldungen, Trassierungen, Punzierungen, Sgraffito und Schwarzlotmalerei vereinen sich hier.“ Dabei zeige sie auch gerne die Veränderungen des Materials, um die Zeitgeschichte an so einem Kunstobjekt den interessierten Besucher/innen besser zu erörtern.

Denn zur Restaurierungsgeschichte gehören auch schon vorangegangene Versuche, den Zustand des Stücks zu erhalten oder zu verbessern. Dabei sei an einem Detail festzustellen, dass offensichtlich – im Gegensatz zu heutiger Auffassung von Restaurierung - auch inhaltlich gerne verändert wurde: Es fehlen nämlich einige Details. „Hier hat mal ein Vorgänger die Wundmale entfernt“, sagt Birkenbeul und zeigt auf die Jesusdarstellung im rechten oberen Eck. Das habe bei ihren Kollegen und ihr Verwunderung ausgelöst, da sie bei den anderen Jesusdarstellungen auf der Altarfläche erhalten sind. Eine schlüssige Erklärung dazu kann man nicht geben, auch ist nichts über diese Maßnahme dokumentiert worden.

Ebenfalls viele Interessierte fanden ihren Weg in die Bernward-Kirche. Hier wurde ebenfalls ein Altar aus dem frühen 15. Jahrhundert gezeigt: der bisher kaum bekannte „Trinitatis-Altar“ stammte ursprünglich aus dem Hildesheimer Trinitatisspital und war fast ganz vergoldet. Die Restauratorin Roksana Jachim, Absolventin der HAWK Restaurierungs-Studiengänge und zurzeit am Hornemann Institut der HAWK tätig, erklärt den Besucher/inne/n, was für Schäden durch die HAWK festgestellt wurden, wie sie nun damit restauratorisch umgeht und wie der Altar zukünftig umfassend untersucht und restauriert wird. Denn dieses Objekt wird wohl in einer Sonderausstellung des Dommuseums Hildesheim 2019 zu „Hildesheim um 1400“ öffentlich präsentiert werden.

Beide  Altäre sind aus der Zeit von 1420/30 und zeigen das extrem hohe künstlerische Niveau Hildesheims zur Zeit der Spätgotik. Insgesamt sind Jachim und Birkenbeul mit dem Zuspruch beim „Tag des offenen Denkmals“ zufrieden. „Wir Restaurator/innen sind nicht so öffentliche Menschen, und die Arbeit steht auch nicht so oft in der Öffentlichkeit“, sagt Birkenbeul. Die Krux bestehe darin, dass man gute restauratorische Arbeit als Laie nicht bemerke, denn man soll sie ja gerade nicht wahrnehmen. „Wir nutzen solche Möglichkeiten, um Öffentlichkeit herzustellen und um unsere Arbeit darzustellen  - und ihre Bedeutung, weil ohne uns der Kulturguterhalt nicht möglich ist.“

Studiengänge Konservierung und Restaurierung
Hornemann Institut

Erscheinungsdatum: 12.09.2017 

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