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Aktuelles aus der Hochschule

Marte Meo: den Blick auf das Positive gerichtet

Fachtagung der HAWK-Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit mit Maria Aarts

„Sie kam, sah und siegte“. So beschrieb Prof. Dr. Stefan Brée von der HAWK-Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit in Hildesheim seine erste Begegnung mit der Marte Meo-Methode, die ihm von Bärbel Diekgerdes-Arke vor zwei Jahren vorgestellt wurde. Marte Meo kommt aus dem Latein und bedeutet sinngemäß „etwas aus eigener Kraft zu erreichen“ ("mars martis"). Hierbei handelt es sich um eine videogestützte Entwicklungsbegleitung und -beratung. Eingesetzt wird die Methode bereits in 50 Ländern der Welt in unterschiedlichen sozialen Bereichen wie beispielsweise in der Arbeit mit Behinderten, Demenzerkrankten, in der Jugendarbeit, bei Kindern mit Autismus oder ADHS sowie im Bildungswesen an Schulen und zunehmend auch in der Bildungsarbeit mit Kindern in Kindertageseinrichtungen. Unterdessen integriert die Fakultät die Marte Meo- Methode bereits seit zwei Jahren im Rahmen eines Seminars in das Studium der Kindheitspädagogik.

Jetzt hat die Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit zu einer Fachtagung mit Marte Meo-Begründerin Maria Aarts an die HAWK nach Hildesheim eingeladen. Mehr als 280 Studierende sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedenen Kindertageseinrichtungen, Fachberatungen und sozialen Einrichtungen kamen in der Aula am Hohnsen zusammen.

„Gute Arbeit führt dazu, dass Menschen, mit denen man arbeitet, ihre Stärken entfalten und ihre Lebensbedingungen verändern können“, so begrüßte Studiendekanin Prof. Dr. Corinna Ehlers die anwesenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Die Niederländerin Maria Aarts arbeitete im Jahr 1974 in einem kinderpsychiatrischen Heim für Kinder mit Autismus, wo die Entwicklung der Methode ihren Anfang nahm: Im Gespräch mit der Mutter eines Heimkindes erkannte sie, dass die Eltern zwar genügend Zeit und Liebe hatten, um ihre autistischen Kinder zu erziehen, ihnen jedoch die nötigen Informationen zum angemessenen Umgang fehlten. Zu diesem Zweck beobachtete sie mit Hilfe von Videoaufnahmen die Interaktion zwischen Kindern und Eltern in Alltags- oder Spielsituationen. Dabei stellte sich heraus, dass die Verhaltensweisen und Initiativen der Kinder von den Eltern oftmals nicht wahrgenommen und passend beantwortet werden können. Das kann dazu führen, dass für das Kind ungünstige Verhaltensweisen bestehen bleiben und sich negativ für die Entwicklung auswirken. In den nachfolgenden Jahrzehnten konzipierte Aarts in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Spezialisten die Marte Meo- Beratungsmethode, die heute akademisch anerkannt ist und bereits einige Preise gewonnen hat.

Das Besondere an Marte Meo ist, dass die Methode so einfach und verständlich ist, dass die Informationen und das Konzept für alle Menschen zugänglich sind. Sie richtet den Blick auf das Gelingen von Kommunikations- und Interaktionsweisen. Sie macht sensibel dafür, welche Fähigkeiten der Mensch bereits in sich trägt und wie man diese durch entsprechende Reaktionen fördern kann. Für die Beratungssituationen werden dazu Videoaufnahmen in Alltags- und Spielsituationen genutzt, die zeigen, wie Kommunikation und Interaktion entwicklungsfördernd gelingen kann. Mit Hilfe von Videosequenzen wird den Menschen ermöglicht, positive Verhaltensweisen, die die Entwicklung des Kindes unterstützen, wahrzunehmen und zu verstärken. Über die Videosequenzen wird Klient/inn/en ermöglicht, eine andere Sicht auf die Reaktionsweisen der Kinder und das eigene Verhalten zu bekommen. Im Laufe der Zeit setzen die Eltern die sich daraus ergebenen Erkenntnisse über gelingende Interaktionsweisen um und sehen anhand weiterer Beratungsbeispiele die Fortschritte im Umgang mit ihren Kindern. Im Verlauf verbessern sich die Interaktionsmomente, indem man sich nicht auf die Probleme konzentriert, sondern auf die Fähigkeiten, über die die Kinder bereits verfügen. Durch aufmerksames Abwarten, Folgen und Benennen des Verhaltens und der Emotionen durch die Erwachsenen werden die Kinder unterstützt, eigene Potentiale wahrzunehmen und zu erweitern.

Im Laufe der Tagung stellte Maria Aarts auch „das goldene Geschenk“ und den „Zirkel der Liebe“ vor: Beim „goldenen Geschenk“ geht es darum, den Kindern die Gelegenheit zu geben, mit Begleitung ihre Probleme zu lösen. Wenn die Eltern den Kindern diese Freiheit geben, werden die Kinder in ihrer Persönlichkeit gestärkt und entwickeln Lösungsmodelle, auf die sie auch im Laufe ihres Lebens zurückgreifen können. Außerdem geht es darum, dass die Eltern ihre Kinder beobachten und gleichzeitig die Gefühle und Emotionen der Kleinkinder benennen, wodurch diese dann später im Leben ihren Gefühlen mit Worten Ausdruck verleihen können. Der Zirkel der Liebe bezieht alle Menschen ein, von denen jemand umgeben ist. 

„Die Tagung war sehr schnell ausgebucht. Wir freuen uns über diese große Resonanz und das Interesse an diesem spannenden Thema“, waren sich die Tagungsorganisatoren Prof. Dr. Stefan Brée und Bärbel Diekgerdes-Arke, Lizensierte Marte Meo Supervisorin und Lehrbeauftragte an der HAWK, einig.

Erscheinungsdatum: 18.12.2017 

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