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Aktuelles aus der Hochschule

Das Eckige macht es rund

Gründerin und HAWK-Absolventin Frederike Jungkurth stellte ihren "Lieblingsplatz" schon der Kanzlerin vor

Den Moment, als sie es geschafft hatte, die Bundeskanzlerin zum Lächeln zu bewegen, wird Frederike Jungkurth nicht mehr vergessen. „Ich war so aufgeregt“, erinnert sich eine ebenfalls lächelnde Frederike Jungkurth an das Gespräch mit Angela Merkel, damals Anfang September 2016 in Celle. Die Bundeskanzlerin war zur Unterstützung der CDU im Kommunalwahlkampf nach Niedersachsen gereist. Auf der Bühne stand ein bereits erfolgreiches Produkt von Jungkurth, der „Lieblingsplatz“.  „Sie war wirklich sehr interessiert, wie mein Unternehmen läuft“, sagt Jungkurth, „ich hätte ich nicht gedacht, dass ich mit der Bundeskanzlerin für ein paar Minuten so entspannt reden kann.“ Der „Lieblingsplatz“ hatte Merkel ebenfalls sichtlich gefallen. 

Bis zu diesem bisherigen Höhepunkt ihrer Karriere als Gründerin hatte es einige Schlüsselmomente gegeben, die ihr immens weitergeholfen haben. Der folgenreichste fand in der obersten Etage des Panoramahauses in Hildesheim statt. 

Vielleicht lag es einerseits an der glücklichen Fügung von Zeit, Ort und Gelegenheit, die Jungkurths Vorhaben einen großen Schub nach vorne versetzte, sich als Produktdesignerin selbstständig zu machen. Und der guten Vorbereitung und Ausbildung an der HAWK andererseits, die gezielt in die Selbstständigkeit steuern kann.

"Gründer mit Ausblick"
Ein Jahr zuvor, hatte sie bei der Veranstaltung "Gründer mit Ausblick" den Hildesheimer Unternehmer Matthias Mehler, Eigentümer der Werften-Gruppe und Jo-Beach-Pächter, kennengelernt. „Da stand ein kleines Modell von einem Strandkorb auf dem Tisch“, sagt Mehler, „und ich dachte mir: Wer hat das denn gemacht?“. Er war aktuell auf der Suche nach einem geeigneten Ruheplatz für die Rettungsschwimmer am Hildesheimer Jo-Beach. So kam der Kontakt mit Jungkurth zustande: Sie erklärte ihm das Konzept des Lieblingsplatzes, der der äußeren Form nach nicht nur ein Strandkorb ist. Mehler sagte ihr, dass er diese Idee gerne realisiert sehen würde. So begann nicht nur eine unternehmerische Geschäftsbeziehung, sondern auch eine Art nachhaltige Mentorenschaft.

HAWK plus Entrepreneurship
Jungkurth hat Produktdesign an der HAWK studiert und über HAWK plus Entrepreneurship Gründungsseminare bei Prof. Dr. Stephanie Rabbe besucht. Eines der Seminarergebnisse: Sie gründete ihr eigenes Unternehmen. Während des Masterstudiums hatte sie sich bereits vorgenommen, sich ihren eigenen Arbeitsplatz zu schaffen und ein Unternehmen zu gründen. „Während des Studiums ging es noch um eine grobe Idee, bei der noch nicht gleich voraussehbar war, was daraus wird.“  Sie wusste, dass sie als gelernte Tischlerin weiterhin mit Holz zu tun haben möchte. Als Teil ihrer Masterarbeit schrieb sie ihren Business-Plan für eine eigene Design-Firma: Heldenholz. Ein wichtiger Teil, so lernte sie auch in den Seminaren zur Unternehmensgründung, ist auch die Entwicklung von Folgeprodukten: Ein Sideboard mit einem integrierten Setzkasten wurde erdacht, alles nach Kundenwünschen individualisierbar.

"Der Lieblingsplatz"
Das wichtigste Produkt, mit dem Jungkurth auch als Gründerin in der jungen Unternehmerszene in Hildesheim Fuß fasste, war der „Lieblingsplatz“.Das Sitzmöbel verkörpere die Vorlieben des Besitzers und wird quasi auf den Auftraggeber zugeschnitten: „Reist man gerne nach Schweden, dann sieht er aus wie eine Schwedenhütte, oder nach Kalifornien, dann wie ein Lifeguard-Häuschen am Malibu Beach“, erklärt Jungkurth ihre Produktidee.

Als wissenschaftliche Mitarbeiterin arbeitete sie bei Prof. Stephanie Rabbe. Jungkurth als wissenschaftliche Mitarbeiterin, organisierte die Gründer- und Unternehmer/innen-Stammtische „Gründer mit Ausblick“. Nach dem Treffen mit Mehler ergibt sich eine Reihe von Aufträgen, die immer auch wieder zu wichtigen Begegnungen mit potentiellen neuen Auftraggebern oder Netzwerkpartnern führen, vor allem in der Politik. Aber auch im Sport. Mehler, CDU-Politiker und auf Lokal- und Landesebene vernetzt, kennt die Entscheider beim Zweitligahandballverein Eintracht Hildesheim.

Eintracht Hildesheim
So entsteht eine Lieblingsplatz-Ausgabe für Eintracht in Vereinsfarben und mit Logo, die sensationell gut bei Spielern, Mitarbeitern und letztlich auch den Fans ankommt, wie sich Pressesprecher Steffen Kumme erinnert: „Sie hat da wirklich eine kleine Idylle geschaffen, in der man sich gut entspannen kann.“  Die Eintracht-spezifische Ausgabe des Lieblingsplatzes kann zudem für die eigene Social-Media-PR benutzt werden. Es entstehen Facebook-Videos mit Spielern, die ihre Lieblingsplätze in Hildesheim mit Jungkurths Design-Möbel vorstellen. Für Kumme war die Aktion ein voller Erfolg, nicht zuletzt, weil der Sitzplatz auch einen Wiedererkennungswert hatte und damit viele Erinnerungsfotos und Selfies der Fans entstanden: „Das Highlight war dann zu unserem ersten Heimspiel in unserer Arena an der Pappelallee, wo der Lieblingsplatz, den sie gebaut hatte, vor der Halle stand und ihn sich unsere Fans persönlich nochmal anschauen konnten.“

"Toll, junge Gründer zu unterstützen"
Natürlich spielte auch der finanzielle Aspekt bei der Zusammenarbeit eine Rolle, denn ein Zweitligist im Handballbereich müsse immer jeden Cent zweimal umdrehen, um den sportlichen Erfolg maximal herausholen. Das gelte dann genauso für die Eigen-PR: „Wenn man kreative, junge Leute hat, die vielleicht nicht die Preise einer größeren Agentur aufrufen, dann ist das für uns eine tolle Sache.“ Neben der guten Zusammenarbeit mit Stephanie Rabbe findet Kumme auch den ideellen Aspekt der Kooperation sehr wichtig: „Für uns ist es einfach toll, junge Gründer so zu unterstützen, auch weil wir eine junge Mannschaft haben. Für Eintracht ist es ein Credo, das wir verfolgen.“

Für Matthias Mehler ist es keine herkömmliche geschäftliche Beziehung: „Wenn ich mit Gründer/inne/n zu tun habe, weiß ich, dass ich nicht einfach eine Anfrage schicke und erwarte, drei Tage darauf ein Angebot zu bekommen.“  Er habe mit Jungkurth die Produkte gemeinsam entwickelt. Dazu gehörte auch, in seinem Netzwerk einen Lieferanten begeistern zu können, unter besonders günstigen Bedingungen das Rohmaterial für einen Prototypen liefern zu können und generell zu Holz zu beraten. „Das heißt, die Gründer/innen können von denen viel lernen.“

Kreative Lösungen
Was haben aber nun Unternehmer/innen davon, zu helfen? Es sei eine Win-Win-Situation , sagt Mehler. Denn zum einen können die Gründer/innen viel von Unternehmer/inne/n lernen. „Und Unternehmer/innen lernen junge kreative Menschen kennen: Das kann der/die zukünftige Dienstleister/in sein, oder auch der Mitarbeiter/die Mitarbeiterin, den/die er dann später einstellt. Und im Zweifel lösen die Kreativen auch Aufgaben, die man auf dem freien Markt so nicht gelöst bekommt.“

Fünfeckige Litfaßsäule
Eines der Folgeprodukte von Frederike Jungkurth ist eine Litfaßsäule, zusammen mit einem inhaltlichen Nutzungskonzept: Die Litfaßsäule ist nicht rund, sondern fünfeckig, und sie ist nach Kundenwunsch gestaltbar, erklärt Jungkurth: „Sie kann unterschiedlich hoch sein, je nachdem wie der Raum das vorgibt, und mit Klapprahmen oder mit Klebeband plakatiert werden. Auch eine Ecklösung sei grundsätzlich möglich. Warum sie nicht klassisch rund sei? „Das Eckige macht die Litfaßsäule wiedererkennbar“, sagt Jungkurth.

Das Nutzungskonzept sieht eine Art Bannertausch vor: Bei den Institutionen, die sie in Hildesheim aufstellen, werden die Plakate aller anderen Aufsteller auf der Säule gezeigt. So kommt es zu einer größeren Verbreitung der eigenen Werbung.

„Es ist tatsächlich eine Vorzeigegeschichte, dass alle Ansätze, die wir für akademische Gründungsberatung anbieten, so konsequent durchlaufen worden sind und sich dann auch erfolgreich abbilden und darstellen“, resümiert Prof Dr. Stephanie Rabbe den Werdegang von Jungkurth. Insbesondere die Zusammenarbeit mit ihrem Mentor habe Früchte getragen, denn die große Öffentlichkeitswirkung dadurch habe auch geholfen, weitere Produkte zu initiieren: „Gerade damit tun sich Gründer oft schwer, die zweite und dritte Idee zu finden“, so Rabbe. Besonders gut gefalle ihr der Prozess, bei dem Jungkurth Produkte auf Nachfrage entwickelte und nicht aus dem hohlen Bauch heraus auf dem Markt eingeführt habe. 

Karaffe "Knautsch"
Zurzeit hat Jungkurth ein anderes Material für eine neue Produktlinie in Bearbeitung: Für eine scheinbar faltbare und etwas eingedrückte Karaffe verwendet sie Porzellan. Die Karaffe heißt folgerichtig “Knautsch“. Mittlerweile hat sich ihr Lebensmittelpunkt verlagert: Von Hildesheim nach Stuttgart. Dort hat sie seit Februar eine Anstellung in einer Designagentur. „Heldenholz gibt es aber auch weiterhin“, sagt sie. Denn ihre Produkte könne sie von überall aus in Deutschland verkaufen. „Hildesheim ist ideal zum Gründen und böte auf jeden Fall viele Vorteile“, sagt sie rückblickend über ihren Studien- und Firmengründungsort. Hier seien die Netzwerke gut miteinander verwoben, man habe die Möglichkeit, schnell viele gute Kontakte zu knüpfen – anders als in einer Großstadt wie Berlin. Und man treffe auf Menschen, die ansprechbar seien und gerne Ratschläge gäben. Gleichzeitig bekomme man eine tolle fachliche Förderung an der Hochschule: „Mit der spart man als Gründerin auch viel Geld, um sich in solchen Dingen fortzubilden. Ich finde Hildesheim ideal.“

HAWK plus Entrepreneurship

Erscheinungsdatum: 27.03.2018 

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