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Bauen und Erhalten

Forschung an der HAWK in den Studiengängen

Weltweite Innovation in der Papierrestaurierung:

Maschinelle elektrostatische Reinigung und Digitalisierung von Kulturgut in einem Arbeitsgang

An der HAWK Hochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen ist jetzt eine neue, mobile Anlage zur Reinigung von mit Feinstaub und Schimmel kontaminiertem Kulturgut in den Probebetrieb genommen worden. Die ursprünglich an der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha eingesetzte maschinelle Technologie der elektrostatischen Reinigung zur Behandlung der Feinstaub-kontaminierten Karten des Perthes-Bestandes konnte damit erfolgreich weiterentwickelt werden.

Die neue Anlage ist deutlich kleiner als der Prototyp, statt ursprünglich acht Meter lang und zwei Meter breit ist sie nur noch drei Meter lang und 1,30 Meter  breit. Sie bietet die volle Funktionalität des großen Prototyps und übertrifft ihn sogar in der Leistungsfähigkeit. Es können weiterhin Großformate mit einer Breite bis zu 1,10 Meter beidseitig gereinigt und jetzt sogar optional zeitgleich digitalisiert werden. Die in der Praxis bisher getrennten und von unterschiedlichen Abteilungen ausgeführten Arbeiten können nun in einem Arbeitsgang innerhalb weniger Minuten erfolgen. Zudem konnte die elektrostatische Ladung um das fünffache erhöht und damit die Reinigungsleistung erheblich gesteigert werden. Die Anlage ist Stecker fertig konzipiert, kann an das normale Stromnetz angeschlossen werden und ist im laufenden Betrieb angenehm leise, vergleichbar mit einem Kopierer. Sie wird nach erfolgreichem Abschluss der Testläufe und den damit verbundenen Untersuchungen auch auf den Markt kommen.

Das Ziel der nun folgenden Testläufe ist die sichere Anwendung der Anlage für die Reinigung und Digitalisierung der zehn Regalkilometer mikrobiologisch verseuchter Akten des Niedersächsischen Landesarchivs Hannover. In die Testläufe eingebunden sind auch kontaminierte Textilfragmente der Von Veltheim Stiftung Helmstedt sowie  historische Fotografien.

Die weiteren Untersuchungen betreffen den Gesundheits- und Arbeitsschutz, den zu entwickelnden Mengenworkflow für Schimmelschäden sowie die Qualitätskontrolle der Reinigungsmaßnahmen. Ihr Ziel ist die gleichmäßige und vollständige Abnahme der lose aufliegenden, gesundheitsgefährdenden, feinen und überwiegend unsichtbaren Partikel. Darüber hinaus dürfen negative Oberflächeneffekte, wie z.B. Aufrauen der Materialien, Substanz- und Informationsverlust, Verbreitung von Sporen und Stäuben nicht auftreten. Standardisierte Qualitätskontrollen gibt es in der Restaurierung noch nicht. Sie sollen innerhalb dieses und eines Folgeprojektes entwickelt werden. An dieser wichtigen Thematik wird sich auch das Historische Archiv der Stadt Köln für die effektive und zugleich schonende Reinigung der massenhaft durch alkalische Bauschuttfeinstäube geschädigten Archivalien beteiligen. 
 
Von der vielfältigen interdisziplinären Forschungs- und Entwicklungsarbeit profitieren auch die Studierenden der HAWK, denn sie werden aktiv eingebunden und die neuen Erkenntnisse in der Lehre vermittelt.  Die Forschungsergebnisse sowie die neue Anlage werden 2013 den Archiven, Bibliotheken und Museen vorgestellt.

Flyer zum Projekt

 

Projektleitung
Fakultät Bauen und Erhalten:
Prof. Ulrike Hähner
Prof. Dr. Karin Petersen

Entwickler und Konstrukteur:

Dipl. Ing. Ernst Becker
in Kooperation
LTK Lineartechnik Korb
Technologie:
Prof. Dr. Gerhard Banik
Universität für Angewandte Kunst Wien
Praktische Papieruntersuchung:


Rest. Julia Schultz M.A.
Dipl.-Rest. Doreen Weiß M.A.  
Nils Mainusch
Barbara Rittmeier
Beteiligte Einrichtungen:
Niedersächsisches Landesarchiv
Leitung: Dr. Bernd Kappelhoff
  Textilrestaurierungswerkstatt 
Von Veltheim Stiftung Helmstedt 
Mechthild von Veltheim
  Fak.Naturwissenschaft und Technik der HAWK
Prof. Dr. Wolfgang Viöl
   
Staatliche Akademie der Bildenden Künste Stuttgart
Konservierung und Restaurierung von Graphik, Archiv- und Bibliotheksgut
Leitung von Prof. Dr. Irene Brückle
  Historische Archiv der Stadt Köln
Förderung:
 
 Deutschen Bundesstiftung Umwelt Osnabrück (DBU)