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Gestaltung
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Kampf dem großen Plastikfleck

Studierende der HAWK-Fakultät Gestaltung entwerfen Werbekampagnen für "One Earth - One Ocean"

Günther Bonin ist schlichtweg begeistert, und ein größeres Lob kann es für die Studierenden in dem Fall kaum geben: Ihre Semesteraufgabe war, eine Plakatkampagne für eine real existierende Organisation zu entwerfen.  In diesem Fall war es „One Earth - One Ocean e.V.“, eine gemeinnützige Institution, die sich um die Entmüllung der Meere kümmert und deren Vorsitzender Bonin ist. Ein halbes Jahr lang hatten sich die elf Studierenden unter der Leitung des Lehrbeauftragten Horst Guckert mit dem Thema „Plastikmüll im Meer“ auseinandergesetzt. Herausgekommen sind am Ende ganz unterschiedliche Werbeansätze und sogar zwei Kurzfilme.

Die Ergebnisse übertrafen Bonins Erwartungen, wie er hinterher sagte. Vor rund drei Jahren hat er die Umweltorganisation gegründet, nachdem ihm bei verschiedenen Segelturns aufgefallen war, wie verschmutzt die schönsten Gewässer der Erde eigentlich sind: Es gibt in den Ozeanen riesige, schwimmende  Plastikmüllflächen – zum Beispiel ist der sogenannte „Great Pacific Ocean Garbage Patch“, der große Plastikfleck auf dem Pazifik, mittlerweile bis zu doppelt so groß wie die  Landfläche der USA. Da helfe es nur noch, den mittlerweile mikroskopisch kleinen Müll im großen Maßstab abzufischen. Dazu bedarf es aber spezieller Müllsammelschiffe, die aufwendig umgerüstet werden müssen. Einige der sogenannten Seehamster sind bereits im Einsatz.

Die Studierenden griffen die Thematik sehr unterschiedlich auf. Marie Brinkmann zum Beispiel hatte einen kleinen Zeichentrickfilm gedreht. Mit einem Stop-Motion-Cartoon wollte die Advertising-Studentin dem ernsten Thema mit eher niedlichen Schwarz-Weiß-Zeichnungen etwas humorvoller begegnen. Sie erklärt den Plastikmüll-Kreislauf: Der Müll schwimmt zunächst in den Weltmeeren, wird von den Fischen gefressen und im Organismus eingelagert, um am Ende als Filet beim Menschen zu landen. „Das war für mich eine ganz neue Lernerfahrung, es hat viel Arbeit, aber auch viel Spaß gemacht“, so Brinkmann nach der Präsentation.

Ganz andere Wege ging ihre Kommilitonin Danyi Li, die neben Plakat und kleinen Pins auch Geschenkpapier vorschlug. Auf ihren Motiven sind geöffnete Verpackungen  von Meeresfrüchten zu sehen, anstatt des essbaren Inhalts sieht man aber zusammengefalteten oder eingerollten Plastikmüll. Ihre Idee mit dem bedruckten Geschenkpapier war, dass damit leere Kartons eingepackt werden könnten, um so im Supermarktregal zum Beispiel extra Aufmerksamkeit zu erregen.



Tom Bal, der Werbedesign mit Schwerpunkt Fotografie studiert, zeigte einen Zeitrafferfilm: Darin sieht man ihn, wie er an einem mexikanischen Strand Plastikmüll zusammensucht und auf einem großen Haufen ablegt. „Anfangs wollte ich in eine ganz andere Richtung gehen und Aufklärungskampagnen in Städten organisieren. Am Ende habe ich mich dann dabei gefilmt, wie ich die traumhafte karibische Strandkulisse in Südmexiko innerhalb von zwei Stunden von Plastikmüll säubere,“ erzählte Bal von seiner Produktion. Manch Strandbesucher/in hätte ihn auch verwundert darauf angesprochen, einige Am Ende sogar mitgeholfen. Bei ihm habe das Projekt einen sehr nachhaltigen Eindruck hinterlassen: „Ich reise sehr viel und werde ab jetzt regelmäßig an den Stränden angeschwemmten Plastikmüll aufsammeln“, kündigt er an.

„Für die Semesterübung habe ich ganz bewusst nur sehr junge Initiativen gesichtet, die noch keine große Werbekampagne oder PR gemacht haben und mich schließlich für ‚One Earth - One Ocean e.V.‘ entschieden,  beschreibt der Dozent und Lehrbeauftragte Horst Guckert die Intention des Semesterprojekts. „Meine Seminarteilnehmer/innen konnten so ganz unbefangen an die Aufgabe herangehen, ihre eigenen und ungewöhnlichen Advertising-Ideen dafür zu entwickeln.“

Die Ideen der Studierenden wurden während des Semesters immer wieder besprochen und auf ihre Praxistauglichkeit hin abgeklopft. So kamen ganz unterschiedliche Ansätze heraus, wobei die meisten eine Plakatkampagne entwickelten. „Die Aufgabenstellung ‚Plastikmüll im Meer‘ war sehr umfangreich, um daraus eine theoretische Botschaft für Verbraucher/innen zu entwickeln und diese dann auch sprachlich und visuell umzusetzen“, meinte Guckert. „Mit Plakaten kann man so etwas recht gut bündeln, was aber keinesfalls verpflichtend vorgegeben war.“

Günther Bonin geht mit den elf Lösungsvorschlägen zufrieden aus der Präsentation. Zunächst habe er ein Ranking machen wollen, das er aber dann gar nicht mehr brauchte: „Die Kernbotschaft ist, dass man möglichst Plastikmüll vermeiden sollte, weil er wieder in unsere Nahrungskette gelangen kann und sich letztlich auch im menschlichen Körper sammelt – diese Botschaft haben die Studierenden mit ihren Vorschlägen ganz toll umgesetzt. Da sind viele gute Ideen dabei, die ich heute mitnehmen kann.“

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