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Gestaltung

Lighting Design

HAWK beim ersten Lichtcampus in Hamburg

Lighting Design Studierende beeindrucken mit Performance

Vom 15. bis zum 19. Februar 2015 fand an der HAW Hamburg der Lichtcampus statt.

Anlässlich des von der UNESCO initiierten Internationalen Jahres des Lichts stand während dieser Zeit der gesamte Kunst- und Mediencampus im Zeichen des Phänomens Licht. Mehr als 20 Hochschulen aus dem gesamten Bundesgebiet und dem benachbarten Ausland folgten der Einladung der Fakultät Design, Medien und Information (DMI) zu diesem bis jetzt einzigartigen bundesweiten und interdisziplinären Treffen.

Die Expertinnen und Experten aus den Bereichen Architektur, Design, Informatik, Kunst, Technik und Wissenschaft hatten fünf Tage Zeit, um anhand von Vorträgen, Präsentationen und Workshops zu zeigen, wie sie mit Licht arbeiten. Inhaltlich setzte sich die Veranstaltung mit der Lichtarchitektur, dem Lichtdesign sowie der Lichttechnik auseinander. Studierende hatten die Gelegenheit, ihre Arbeiten der interessierten Öffentlichkeit vorzustellen und zu erklären.
Neben Projektionen und Installationen fanden auch Live-Performances statt. Diese rückten nicht nur die technischen, sondern vor allem die körperlichen und sinnlichen Aspekte der Lichtkunst in den Vordergrund. So waren einige Studierende selbst ein Teil ihres Kunstobjekts. Zudem haben auch Unternehmen ihre Licht-Technologien vorgestellt, sodass die Teilnehmenden und Gäste Kontakte knüpfen und Einblicke in die industrielle Arbeit mit Licht gewinnen konnten.

Die Organisatoren

Die Idee zum Lichtcampus hatten Dr. Roland Greule, Professor für Lichttechnik, Lichtdesign und Virtuelle Systeme an der HAW Hamburg, und Bettina Catler-Pelz, Professorin an der Hochschule für Künste in Bremen, bereits vor einem Jahr. Bald darauf stellten sie ein Team an Studierenden zusammen, die das Projekt organisieren sollten. Darunter auch Tülay Özmüs, Master-Studentin der Zeitabhängigen Medien mit dem Schwerpunkt Lightning. Die junge Organisatorin war für das Sponsoring des Projektes zuständig.

„Durch die finanzielle Unterstützung konnten wir den über 120 Studierenden einen völlig kostenfreien Aufenthalt gewährleisten – sogar mit Übernachtungen“, sagt Özmüs stolz. Sponsoren ließen sich schnell finden, denn die Grundidee des Lichtcampus war so simpel, wie attraktiv: Die HAW Hamburg bot zahlreiche Räume an, in denen alle Beteiligten ihre Projekte zum Thema Licht präsentieren konnten. Vor allem für junge Menschen war diese Möglichkeit natürlich interessant. Aber auch die Organisatoren hatten viel Mehrwert.

„Dr. Greule kennt alle Mitarbeiter hier persönlich“, meint Özmüs, „Er vergibt die Aufgaben einfach an uns und niemand sagt nein“. Das hat seine guten Gründe. „Unser Team besteht aus nicht mal 10 Leuten. Manchmal ist die Hölle los. Für uns haben die Tage einfach zu wenig Stunden“, schmunzelt die Studentin, „Doch es macht einfach zu viel Spaß, um aufzuhören. Außerdem macht sich die Beteiligung an einem Projekt wie dem Lichtcampus 2015 gut im Lebenslauf.“ Tatsächlich könnten sich potenzielle Arbeitgeber später für Özmüs‘ Beitrag zu der Veranstaltung interessieren – immerhin verzeichnete der erste Lichtcampus insgesamt ungefähr 350 Gäste. Diese mussten durch das kleine Orga-Team akquiriert werden. „Ich allein war für 100 Gesprächspartner und Kontaktpersonen verantwortlich. 

Aber alle waren sehr nett und begegneten den Studierenden bei persönlichen Gesprächen auf gleicher Ebene“, so Özmüs. Kein Wunder, schließlich wollten die Sponsoren auch Interessenten für Praktika, Jobs und Abschlussarbeiten werben. Doch die gute Zusammenarbeit ist nicht der einzige Grund, wieso die Studentin bei der großen Verantwortung ganz gelassen bleiben konnte. „Wir haben alle viel Erfahrung gesammelt und sind für kommende Veranstaltungen gerüstet.

Unser Ziel war einfach, dass die Besucher in den zahlreichen Workshops und Vorträgen etwas lernen, sich austauschen und Kontakte knüpfen. Somit waren wir mehr als erfolgreich“, resümiert die Studentin überzeugt. Demnächst möchte Tülay Özmüs mit ihrer Master-Arbeit anfangen. Sie interessiert sich insbesondere für den Einfluss des Lichtes auf die Gesundheit. „Lichtdesign ist überall. Man merkt es nur leider normalerweise nicht, da man relativ selten ans Licht denkt. Lichtdesign betrifft nicht nur künstlerische Aspekte. Die falsche Beleuchtung kann zum Beispiel zu Konzentrationsstörungen oder sogar Kopfschmerzen führen.“

Laut Dr. Roland Greule stehen die Berufschancen für Özmüs gut, da sie bereits jetzt schon wichtige Kriterien für einen Job im Lichtdesign oder der Lichttechnik mitbringt. „Wer in diesen Bereichen arbeiten möchte, muss sehr genau die Normen und Vorschriften sowie die technischen Möglichkeiten der unterschiedlichen Leuchtmittel kennen. Außerdem sollte man auch kreativ sein und Projekte managen können“, so der Professor. Seiner Meinung nach können Absolventen der entsprechenden Studiengänge zwei verschiedene Wege einschlagen. „Entweder man beginnt bei einem Lichtplaner beziehungsweise in einem Lichtdesignbüro und lernt dort die generelle Projekt- und Lichtplanung kennen, oder man steigt bei einer der großen Leuchtenfirma ein. In beiden Fällen müssen Lichtplaner oft schnell sehr große Projekte organisieren und umsetzen. Neben dem typischen technischen Wissen sind also die Fähigkeiten der Projektleitung erforderlich. Sind die Absolventen in diesen Bereichen erfolgreich, gründen sie meist ein eigenes Lichtplaner- oder Lichtdesign-Büro.“

Die Teilnehmer/innen

Zu Gast an der HAW Hamburg waren unter anderem Studierende der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim. Diese präsentierten ihre Performance „Sinnesdämmerung“. Die Rauminstallation war 30m² groß und komplett mit schwarzer Folie ausgekleidet. Den „Traumraum“ bildete ein Heptagon aus transparenter Folie, in dessen Mitte die Besucher/innen fünf Fußtaster betätigen konnten, um die Programme zu wechseln.

Für die Performance haben die Studierenden eine Choreographie zu den unterschiedlichen Lichtsequenzen eingeübt. Die Installation sollte eine bewusst steuerbare Traumwelt versinnbildlichen. Durch das Betätigen der Fußtaster am Boden konnten die Besucher/innen verschiedene „Traumbilder“ hinter einem Vorhang in Gang setzen – so wurden je nach Taster jeweils unterschiedliche Klänge, Farben und Bewegungen (in unterschiedlicher Geschwindigkeit) aktiviert.
So ergab sich für alle Träumer/innen ganz individuelle neue Traumwelten im 360° Panorama. Viele der Besucher/innen verweilten einfach schweigend in der ungewohnten Traumumgebung, andere versuchten wortlos Kontakt zu den Initiatoren hinter dem Vorhang aufzunehmen. Doch die fremden Traumwesen blieben gesichtslos in weiße Tücher gehüllt. Der körperliche Einsatz der Performer/innen blieb auf dem Lichtcampus 2015 einzigartig und faszinierte auch die anderen Austeller/innen.

Das Fazit

Der Lichtcampus 2015 hat deutlich gemacht, dass die Arbeit mit Licht nicht nur zu interessanten Projekten und Ausstellungen führt. Es ist auch ein zukunftsweisendes Phänomen, wenn es um Ausbildung und Beruf geht. Nicht zuletzt deshalb waren sich die Organisatoren, die Lehrenden, die Studierenden und die Unternehmensvertreter nach den zahlreichen gemeinsamen Kursen und Referaten einig, dass die Veranstaltung als festes Event etabliert werden sollte. Dr. Roland Greule deutete an, dass die Veranstaltung in ähnlicher Form nun auch für andere Hochschulen angedacht sei. „Dank der positiven Resonanz denkt hier niemand ans Aufhören“, so der Gastgeber. Und auch Bettina Catler-Pelz verabschiedete sich schmunzelnd mit den Worten „Wir sehen uns beim Lichtcampus 2016.“

Text: Ina Rifkin/HAW Hamburg in Zusammenarbeit mit Judith Michael/HAWK Hildesheim
Fotos: Judith Michael

Erscheinungsdatum: 01.06.2015