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Gestaltung

Lighting Design

Dinner mit wechselnder Beleuchtung

HAWK-Studierende testen, wie sich die Lichtfarbe auf den Geschmack auswirkt

Drei Studierende der HAWK-Fakultät Gestaltung wollten herausfinden, wie Menschen den Geschmack von Lebensmitteln wahrnehmen, wenn man das Aussehen der Speisen durch farbiges Licht verfremdet. Um der Frage nachzugehen, luden sie mehrere Freiwillige zu einem Dinner bei wechselnder Beleuchtung ein.

Die angehende Innenarchitektin Aitana Villanova und die Lichtdesigner Paul Matuschok und Karsten Piorr tischten dazu ihren Gästen in der Acku-Galerie des Vereins zur Förderung von Baukultur, Kunst und Kultur bekannte Gerichte in neuem Licht auf. Um das Aussehen der Speisen zu modifizieren, war eine mehrfarbige Lichtleiste an der Decke so geschaltet, dass sich die einzelnen Lebensmittel nicht mehr anhand ihrer Farbe identifizieren ließen. Die Gäste glaubten dadurch etwa Gouda-Würfel zu essen, tatsächlich handelte es sich jedoch um Apfelwürfel, Kartoffelwürfel und Rote Bete.

Kognitive Dissonanz

Unter normalen Lichtbedingungen kennt jeder das satte Rot einer reifen Wassermelone und kann sich mühelos den süßen, saftigen Geschmack in Erinnerung rufen, wenn er die aufgeschnittene Frucht vor sich liegen sieht. Automatisch greift man dann sehr wahrscheinlich nach dem Stück, das am kräftigsten rot gefärbt ist, denn aller Erfahrung nach dürfte dieses am reifsten sein und damit auch am köstlichsten schmecken. Doch was passiert, wenn die Melone plötzlich keine Farbe mehr hat? Wenn die Beleuchtung im Raum so verändert ist, dass der Fruchtwürfel nur noch undefinierbar schwarz und fade aussieht?

Aus gespeicherten Informationen heraus entsteht eine Erwartungshaltung, die alle fünf Sinne in Einklang bringt. Passen die Puzzleteile nicht zusammen, entsteht eine „kognitive Dissonanz“. So auch als die Waldmeister-Limonade eingeschenkt wird und die Farbe nicht erkennbar ist. Erst wenn das Licht wechselt und die quietschgrüne Farbe erkennbar wird, ist schnell klar, was man da zu sich nimmt. Wenn das Auge nicht mehr helfen kann, werden Geschmack und Geruchssinn plötzlich viel stärker gefordert.

Andere Betrachtungsweisen

Fast selbstverständlich gehen wir davon aus, dass alle anderen eine Farbe ebenso sehen und empfinden wie wir selbst. Dabei wissen wir längst, dass viele Tier-Augen auf ein ganz anderes Spektrum eingestellt sind. Fünf Prozent der Menschen sollen sogar in der Lage sein, Farben mit Tönen oder ganzen Melodien zu assoziieren (= Synästhesie, Altgriech. sy-naisthanomai: übersetzt „zugleich wahrnehmen“). Manche verbinden mit Farben bestimmte Temperaturen, andere Gerüche mit speziellen Farben. Viele Menschen scheuen vor blauen Lebensmitteln zurück, empfinden dieselbe Farbe in Badezimmern aber als sehr angenehm und die Umgebung als besonders rein.

Das Fazit für die Gäste der Veranstaltung: Nicht alles ist so wie es scheint!

Erscheinungsdatum: 26.02.2016 

Lichtdinner in der Hildesheimer Acku-Galerie des Vereins zur Förderung von Baukultur, Kunst und Kultur

Lichtdinner
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