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Gestaltung

Design im Diskurs

Hannes Radke - Wenn Gestalter über Gestaltung sprechen

Wie sprechen Gestalter über Gestaltungsaufgaben? Gibt es dabei besondere Tendenzen, die die Produktivität oder Kreativität gefährden? Diese Thesis liefert Grundlagen und Beispiele, um diese Frage empirisch zu beantworten.

Ein Handwerk, eine Kunst und auch das Design braucht Sprache, um in Gruppenarbeit zu funktionieren oder um von Einzelnen bewusst und zuverlässig reproduzierbar zu sein. Wie soll eine Jamsession in der Musik funktionieren, wenn keine Bezeichnung für Noten, Akkorde und Takte existiert? Es wäre eine lange, frustrierende und schlimmstenfalls fruchtlose Angelegenheit.

Allgemein wird wenig bewusst über Design gesprochen. Beiläufig wird erlernt, was besser explizit vermittelt werden sollte. Sporadisch erlernt der Student rhetorische Faustregeln wie „Entschuldige dich nie für dein Design.“ Doch es gibt noch so viel mehr zu lernen, wenn es um die Besprechung der eigenen, oder der Werke anderer geht.
Designer sprechen ineffizient über Design, d.h. nicht zielgerichtet. Der Designer verlässt sich auf sein Bauchgefühl und damit verbundene Heuristiken, weil das schnell und einfach ist. Jedoch kann das effizienzsenkende Wirkungen haben, wenn man andere Menschen einbezieht. Sei dies in Form von Teamwork oder als Präsentation vor dem Kunden. Auch die haben Bauchgefühle und urteilen danach, weil ihnen ein präziser Wortschatz fehlt.
Solche Urteile stoßen schnell auf Unverständnis, da sie auf subjektiven Erfahrungsschätzen beruhen, die von Mensch zu Mensch variieren. Dieses Unverständnis kann zu unterschwelligen oder offenen Konflikten führen. Was als scheinbar effizientes Hilfsmittel zur Urteilsfindung begann ist nun zu einer reinen Geschmacksfrage und Rechthaberei geworden (die immer der Mächtigere gewinnt), ein hemmendes Element wenn es um kreative Prozesse geht.

So lautet meine Hypothese.

Präziser Formuliert:
„Gestalter verwenden in Diskussionen wenige Argumente, die sich ästhetisch fundieren lassen. Stattdessen verwenden sie andere Worte und Mittel, um sich gegenseitig vom eigenen Standpunkt zu überzeugen.“

Um diese scharfzüngig formulierte Hypothese zu überprüfen, untersuche ich in meiner Thesis Gesprächsdaten von der Website „www.designtagebuch.de“ und stelle Probleme der ästhetischen Urteilsfindung durch sprachliche Auseinandersetzung fest. Ich definiere, was es bedeutet ein konstruktives Gespräch über Gestaltung zu führen und schlage einen grafischen Lösungsansatz für Face-To-Face-Kommunikation vor.

Prüfer

Hannes Radke