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Gestaltung

Short Circuited Diaries – Die Ästhetik des Fehlers

Thomas Wahle

Thomas Wahle hat Teppiche entworfen, die beweisen, wie überzeugend das Digitale ist, wenn es Fehler macht.

Digitalität präsentiert sich meist im glattem und perfekten Gewand. Doch bei aller Perfektion ist das Auftreten von Fehlern nicht ausgeschlossen – sogar mehr als wahrscheinlich. Doch die Herkunft der digitalen Fehler sind den meisten von uns unklar: Verpixelte Videostreams, zerhackte Browserfenster, fehlerhafte Datei-Uploads, all diese Phänomene sind wenig wünschenswert. Doch in ästhetischer Hinsicht können sie aber durchaus reizvoll sein.

Der Grafikdesigner Thomas Wahle hat sich im Rahmen seiner Masterthesis auf die Suche nach Ursprüngen dieser Fehlerphänomene begeben, um diese auf ihre ästhetischen Qualitäten zu untersuchen. Hier ist Thomas Wahle aber noch einen Schritt weiter gegangen. Er hat Fehler bewusst provoziert. Über Manipulationstechniken wie Data-Bending (Manipulationen von Daten-Codes) und Data-Moshing (Manipulation komprimierter Video-Dateien) ist er auf das Circuit-Bending gestoßen. Als Circuit-Bending bezeichnet man die Manipulation von elektrischen Schaltkreisen zur Provokation von Fehlerereignissen. Ursprünglich kommt diese Manipulationstechnik eher aus dem Bereich experimenteller elektronischer Musik. Diese Technik hat Thomas Wahle auf Digitalkameras und Scanner angewendet. Beide Geräte dienen der Digitalisierung analoger Information. Die Bildsensoren der Geräte wandeln Licht in elektrische Spannung um, die dann von einem Analog/Digital-Wandler in digitale Information umgewandelt wird. In diesen Prozess hat er manuell eingegriffen, indem er Fehlspannungen und Kurzschlüsse erzeugt hat. Die Folge sind elektrische Fehlinformationen oder besser gesagt, elektrische Überschwemmungen, die sich in Form digitaler Fehlerbilder äußern.

Innerhalb dieser Experimente sind mehr als 3000 Fehlerbilder entstanden, die in Muster-Kategorien eingeordnet wurden. Aus Fehlern wurden so Fehlermuster. Und diese hat er angewandt auf Teppiche. Mit ihnen geht die digitale Welt in eine physische, sinnliche Welt über. Der namhafte Teppichhersteller Vorwerk zeigte sich an dem Projekt höchst interessiert und realisierte 3 dieser Muster als Prototypen im Spritzdruck auf Teppich. Die Teppiche sind 2 x 3 Meter sowie 4 x 3 Meter groß.

Ein Projekt, das zunächst einer künstlerischen Idee entsprang, hat so im angewandten, gestalterischen Bereich konkrete Anwendung gefunden.

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Prüfer:

Thomas Wahle