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Einblicke in Etappen des Projekts LernkulTour an der HAWK

Feuer des Lernens richtig entfachen

Erster "Tag für frische Impulse zum Lehren und Lernen" - organisiert vom Projekt LernkulTour der HAWK  

„Der Geist des Menschen ist kein Gefäß, das gefüllt, sondern ein Feuer, das entfacht werden will“, das Wort von Plutarch vor 2000 Jahren ist auch heute noch aktuell. So sieht es Dr. Dagmar Borchers vom Projekt LernkulTour und nimmt es als passende Einstimmung auf die Premiere: den ersten „Tag für frische Impulse zum Lehren und Lernen“, zu dem das Präsidium nach Hildesheim ins Goschentor eingeladen und den das Projekt LernkulTour organisiert hatte. Unter der Überschrift „Die HAWK trifft sich“ waren rund 200 Lehrende und Studierende aus Hildesheim, Holzminden und Göttingen zu Workshops, Vorträgen und Aktionen gekommen.

Das Lernen sei immer ein Feuer, das entfacht werden wolle, so sehe dies auch die aktuelle Forschung. Ansonsten bleibe es flach, weise wenig Entwicklung auf, wenig Kompetenz und wenig Möglichkeit, das einmal erlernte Wissen auf andere Situationen zu übertragen –  „etwas, was wir Fachleute Transfer nennen“, betonte Borchers.

Rund zwanzig Veranstaltung
Wie der Transfer gut gelingen kann, darum ging es in rund zwanzig Veranstaltungen, die über den Tag verteilt ganz unterschiedliche Aspekte des Lernens und der Lehre zum Inhalt hatten. Eingerahmt von der Improtheatergruppe „Schmidt's Katzen“ konnten sich die Teilnehmer/innen  über aktuelle Entwicklungen und konkrete Methoden in Lehre und Studium informieren. Für viele bot sich zudem die gute Gelegenheit, über die Fakultäts- und Standortgrenzen hinweg ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen.

Kompetenzorientierung
Im thematischen Fokus stand  das „kompetenzorientierte Lernen und Lehren“.  Dr. Dagmar Borchers: „Das sind die Kompetenzen, die das erworbene Wissen im späteren Beruf übertragbar und anwendbar werden lassen: Ich muss das, was ich lerne, beweglich haben und anwenden können, denn es gibt nicht zwei gleiche berufliche Aufgaben. Und wir wissen auch aus lerntheoretischer Sicht, dass kompetenzorientierte Lehre zu einem tieferem Verständnis führt, was immer mehr ist, als nur sich Wissen anzueignen und dann zu reproduzieren.“

Borchers‘ Botschaft an die Lehrenden: Kompetenzorientierung in kleinen Änderungen und Schritten in die Lehre zu integrieren. Beispiele lieferte der Workshop „Methoden für alle“. Hier bekamen die Teilnehmer/innen neben Visualisierungstechniken auch viele Hinweise und Tipps zu Gruppenmethoden und einem interaktiven Workshop-Aufbau. Gleich im Anschlusskurs konnten die Teilnehmerinnen ihre selbst entworfenen Konzepte praktisch ausprobieren.

"Gehirnabholer/innen"
Lerntheoretischer ging es im Vortrag „Zufrieden = Gelernt? Warum Studierende und Lehrende ‚Gerhinabholer‘ sind“ zu, in dem mehr Verständnis für Studierendenorientierte Veranstaltungsdidaktik vermittelt wurde, gleichzeitig aber auch über neu reflektierte Haltungen zur eigene Lehre diskutiert wurde.

Andere Workshops beschäftigten sich mit technischen Möglichkeiten zur Integration von E-Learning in die Lehrveranstaltungen, mit sogenannten „Energizern“ als körperlich aktivierende Methoden. Angeboten wurden auch Reflexionen im World-Cafe-Format oder ein Parcours zur Evaluation der Lehre an der HAWK. Studierende hatten unter anderem die Möglichkeit, an einem Foto-Marathon, einem Beratungsseminar zum Thema Prüfungsangst und einem Workshop zur Präsentationstechnik „Prezi“ teilzunehmen.

Auf Stehtischen im Foyer waren zudem viele Methodenkarten mit konkreten, anwendbaren Beispielen für die Lehrveranstaltungen ausgelegt. Optisch begleitet wurde der Tag von Fenstermaler Welf Schiefer, der an der HAWK Gestaltung studiert hat und die Foyerfenster mit thematisch passenden Fensterzeichnungen bemalte.

"Es hat sich richtig viel getan"
Vor drei Jahren ist das Projekt LernkulTour an der HAWK gestartet. Finanziert wird es aus dem Bund-Länder-Programm Qualitätspakt Lehre. Dr. Martina Oster beschreibt zum Beispiel die Entwicklungen im Bereich Studierenden- und Lehrendenbegleitung: „Es hat sich richtig viel getan. Es gibt mehr Tutor/innen an der HAWK. Wir bieten ihnen Zertifikate an, denn die Studierenden können sich bei Fortbildungen qualifizieren. Wir haben ein riesiges Weiterbildungsangebot geschaffen, man kann fast jeden Monat einen Workshop besuchen zu den unterschiedlichsten Themen des Lehrens und Lernens.“  Hinzu kämen mittlerweile breit angelegte, individuelle Beratungsformate wie Lehrhospitationen und auch individuelles Lehrcoaching.

"Lerngegenstand entwickeln"
Auch Prof. Dr. Annette Probst,  Vizepräsidentin für Studium und Lehre sowie Projektleiterin, sieht das Projekt LernKulTour auf einem guten Weg: „Das Aufeinander zugehen von Studierenden und Lehrenden, um den eigenen Lerngegenstand zu entwickeln, hat sich verbessert. Dass zum Beispiel die Studieneingangsphase von Tutorinnen und Lehrenden über Zusatzangebote wie den Projektslam getragen wird, zeigt, dass wir Menschen in Bewegung gebracht haben, aber auch in Strukturen eingedrungen sind.“ Das sei nach drei Jahren schon ein tolles Ergebnis, denn in Hochschulen sei nicht immer eine so hohe Änderungsbereitschaft anzutreffen wie an der HAWK. Was sich auf jeden Fall positiv verändert habe, betont Probst: Die Studierenden  seien in den Fachschaften und Gremien aktiver geworden. Da habe es bisher eine gewisse Trägheit und einen Mangel an Bereitschaft gegeben, sich für die Hochschule zu engagieren.

Für die Vizepräsidentin, die die Veranstaltung gemeinsam mit Prof. Dr. Wolfgang Viöl, Vizepräsident für Forschung und Transfer, und Kanzler Dr. Marc Hudy eröffnet hatte, steht der „Tag der Lehre“ auch im Zeichen des Kontakteknüpfens: „ Hier kann man sich über die eigene Lehre Gedanken machen, über den Tellerrand hinausschauen und womöglich auch diesen ‚Shift from teaching to learning‘ schaffen, sich also in seiner Rolle als Lehrender eher als ‚Ermöglicher von Bildung‘ zu verstehen.“

"Viele neue Eindrücke"
Bei den Teilnehmer/innen kam der Tag sehr gut an:  Für Johanna Mundt, die Holzingenieurwesen studiert, waren die vielen Workshops sehr interessant und aufschlussreich: „Ich habe viele neue Eindrücke gewonnen und fand es sehr schön, dass die anderen Fakultäten dabei waren.“

Stephanie Schober, Lehrbeauftragte an der Fakultät Gestaltung, lobt das inspirierende Konzept. So ein Tag könne ruhig einmal im Jahr stattfinden: „Für die eigene Lehre konnte ich mir tatsächlich schöne Ideen mitnehmen und habe dabei auch Kontakte geknüpft,  um gewisse Aspekte zu vertiefen. So kann ich ab dem nächsten Semester die Lehre noch viel besser gestalten.“  Für die eine oder andere Lehrveranstaltung sei ihr auch schon eine Idee gekommen: „Gleich morgen werde ich mal versuchen, mich als Coach auf das Spielfeld zu stellen und die Studierenden miteinander spielen zu lassen, anstatt regelmäßig die Vorturnerin zu sein.“

Re-Akkreditierungen im Fokus
Nach dem erfolgreichen „Tag der Lehre“ sind auch für die Zukunft wichtige Projekte in Reichweite, wie Borchers und Oster ankündigen: „Ganz konkret steht die Re-Akkreditierung für die meisten Studiengänge an. In diesem Kontext ist auch das Thema Kompetenzorientierung sehr relevant: Wie kann man Kompetenzen gut beschreiben? Wie stelle ich meine Modulhandbücher dar? Alles, was die Re-Akkreditierung unterstützt, ist gerade sehr gefragt“,  sagt Oster.

Und Borchers sieht in letzter Konsequenz auch eine Umstrukturierung der Studiengänge als ein wichtiges Ziel: „Wenn ich kompetenzorientiert lehre, müssten wir auch kompetenzorientiert prüfen – und dann müssten sich Fächer auch untereinander austauschen, damit die Module entsprechend ineinandergreifen.“

Das Projekt LernkulTour

Erscheinungsdatum: 26.05.2015 

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