Exkursionen
Wie Düsseldorf dem demographischen Wandel trotz
Jetzt bekamen 25 Studierende der Immobilienwirtschaft an der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Holzminden greifbar mit, wie sich die Landeshauptstadt fit für die Zukunft macht. - Mal eher launig, mal knüppelknochenhart formuliert. Die Bevölkerung schrumpft. Das hat Auswirkungen in allen Bereichen. Alle kämpfen oder bereiten sich auf den Kampf vor, um von dem, was es noch zu verteilen gibt, am meisten abzubekommen. Da geht es in erster Linie um Arbeitsplätze und damit um Kaufkraft, die der Einzelhandel als Umsatz am eigenen Standort sichern will.
Direkt zu Beginn der Exkursion lernten die Studierenden ein Immobilienschwergewicht, eine Persönlichkeit kennen, der nicht nur in Düsseldorf als Platzhirsch einen exzellenten Namen hat: Dr. Lutz Aengevelt, einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter von Aengevelt Immobilien. Er zog die Studierenden in seinen Bann als er davon erzählte, wie sein Vater nach dem Krieg mit ihm auf dem Fahrrad durch das zerbombte Düsseldorf fuhr und Visionen entwickelte wo, was, wie (natürlich mit Hilfe des Maklerunternehmens Aengevelt) entstehen wird. Dr. Aengevelt und sein Mitarbeiter Jürgen Sester motivierte die Studierenden über sich hinaus zu wachsen. Er lies aber auch keinen Zweifel daran, dass das nur mit Fleiß funktioniert. Jürgen Sester stellte aus seiner aktuellen Arbeit das Konversionsprojekt „Gartenstadt Reitzenstein“ vor.
Klaus von Zahn, Leiter der Düsseldorfer Stadtentwicklung, erläuterte dann die Leitbildentwicklung von Düsseldorf. Düsseldorf wird wie fast alle großen deutschen Städte im Gegensatz zu den eher ländlich strukturierten Gebieten als Gewinner hervorgehen. Es geht um die Standortsicherung und Ansiedlung großer Unternehmen mit den so begehrten Arbeitsplätzen. Die Beschäftigten brauchen auch Wohnraum. 28.000 Wohneinheiten sollen in den kommenden Jahren geschaffen werden. Derzeit scheinen nur für 20.000 Wohneinheiten Grundstücke in Sicht. Spannend ist dann auch die Frage, wie viel kann die mit fast 580.000 Einwohner zählende Stadt alleine und wie viel muss man gemeinsam mit den Kollegen in den angrenzenden Städten und Kommunen auf die Beine stellen, um in dem abzeichnenden europäischen und internationalen Wettbewerb der Metropolregionen bestehen zu können. Klar wurde, dass die Gemeinsamkeiten endlich sind und Düsseldorf erst einmal auch an sich denkt.
Der nächste Tag wurde mit einer Präsentation der Düsseldorf Arkaden von mfi eröffnet. Düsseldorf hatte sich bisher sehr schwer mit der Ansieldung von Einkaufszentren getan. Entsprechend umstritten war auch das mfi Projekt, das Alwin Lindemann vorstellte.
Auf einer ehemaligen Bahnfläche konnten die Studierenden innovativen Wohnungsbau im gehobenen Segment bewundern. Ralph Schneemann von Aurelis stellte dar, wie die ehemalige Bahntochter das innerstädtische Riesenareal gemeinsam mit Bauträgern wie Interboden sehr erfolgreich vermarktet. Es sind bereits 480 Wohneinheiten errichtet worden. Neben weiteren Wohnungsbauten will man aber auch mit attraktiven Büromieten Unternehmen an den Standort ziehen.
Bronsilaw Wieruchevski zeigte, am Beispiel von e-plus wie Top-Mieter sich in einem dynamischen Vermietungsmarkt wie Düsseldorf positionieren. Nach nur 13 Jahren hat e-plus die Immobilie, die seinerzeit eigens für e-plus errichtet wurde, verlassen und ist in einen größeren Neubau gegenüber dem Headquarter von C&A nahe dem Düsseldorfer Flughafen gezogen. Bronsilaw Wieruchevski stellte eindrucksvoll dar, vor welche großen Herausforderungen das sein Unternehmen stellt. In einem anschließenden Hausrundgang konnten sich die Studierenden dann selbst ein Bild von modernen „open-space“-Arbeitsplätzen machen.
Ludger Katz von der Volksbanken Dachorganisation WGZ stellte die Geschäftsphilosophie seines Hauses vor: „Wir waren vor der Finanzkrise, in der Finanzkrise und sind auch jetzt verlässliche Partner unserer Kunden!“ Der konservativen Aufstellung des Hauses geschuldet, kann die WGZ-Bank für sich in Anspruch nehmen, nach der Krise wie vor der Krise nach klaren Bank- und Immobilienkriterien das zu tun, was einer der Geschäftszwecke ist: Immobilien zu finanzieren.
Auch die Infrastruktur Düsseldorfs bedarf der Renovierung und des zukunftsorientierten Ausbaus. Das war das Thema von Gerd Wittkötter, der als Projektleiter den Bau der „Werhahn-Linie“ betreut. Als ob man einem Menschen ein neues Rückgrat verpasst, so bekommt Düsseldorf eine innerstädtische U-Bahn mitten durch das Zentrum der Stadt. Ganz offensiv geht die Stadt damit um, alle Betroffenen mit ins Boot zu holen statt sie mit dieser gigantischen Bausstelle alleine zu lassen. Und die Bürger und Anlieger ertragen es. Sie wissen, es geht darum, die Aufenthaltsqualität in der Stadt noch weiter drastisch zu erhöhen und die Stadt auch auf dieser Ebene fit für die Zukunft zu machen.
Die Studierenden schnupperten dann im grenznahen niederländischen Roermond internationale Immobilienluft. Das von Angelsachsen entwickelte und betriebe Factory Outlet Center (FOC) wurde ihnen von Pattrick von den Hove vorgestellt. Nicht ohne Grund wurde das FOC im grenznahen Roermond angesiedelt. Denn das FOC zielt natürlich auf die Menschenmassen an Rhein und Ruhr ab. Also auch wieder ein Wettbewerb um Standorte. Was auf deutscher Seite nicht geht, haben die Niederländer nur zu gerne genehmigt. Und Roermond profitiert heftig von den Einkaufstouristen.
Der vorletzte Tag stand dann ganz im Zeichen zweier starker Umlandstädte-: dem linksrheinischen Neuss mit 150.000 Einwohnern und dem rechtsrheinischen nordöstlichen zum Flughafen orientierten Ratingen. In hoch interessanten professionellen Vorträgen „verkauften“ der Neusser Wirtschaftsförderer Frank Wolters und der Ratinger Wirtschaftsförderer Reiner Heinz ihre Städte. Die Studierenden staunten nicht schlecht, wie die kleineren Städte wie Schnellboote den Riesentanker Düsseldorf immer wieder virtuos umschiffen und ihre Chancen nutzen. Große Unternehmensnamen zeigen wie erfolgreich das immer wieder gelingt. Einen guten Überblick gab Jens Hedtke von R + S Immobilien. Nach seinem spannenden Vortrag über die Neuansiedlung der Europazentrale von Coca Cola auf dem ehemaligen Balke Dürr Gelände, hatten die Studierenden Gelegenheit die Entwicklungen Ratingens unter sachkundiger Führung aus dem letzten Geschoss des R + S Verwaltungsgebäudes zu betrachten.
Eine Besichtigung des Europalogistiklagers für Zündkerzen des Weltmarktführers NGK rundete die Ratingen Tour ab. Die Studierenden bekamen von Timo Eisleben einen Einblick in „just-in-time“-Prozesse. Was wie eine schmucklose Lagerhalle, die von oben bis unten mit 10 Millionen Zündkerzen gefüllt ist, aussah, entpuppte sich als High Tec Veranstaltung bei der es auf die Minute ankommt, will man nicht enorme Strafzahlungen an die Kunden riskieren.
Andreas Wilms vom Maklerbüro Catella führte am Freitagmorgen zum Abschluss der Exkursion durch den Medienhafen. In einem Rundgang zeigte er in dem international bekannten Medienhafen exemplarisch einige Bürohäuser. Faith Sen von der Frakonia Eurobau Projektentwicklung empfing die Studierenden und entführte sie in den 19. Stock des „Sign“. So konnten die Studierenden einen eigenen gigantischen Eindruck vom Düsseldorfer Medienhafen gewinnen. Noch einen Blick auf die Gerry Bauten, die heute zum Wahrzeichen Düsseldorfs avanciert sind, dann endete eine Woche mit vielen Immobilienein- und –aussichten.
Wer hart arbeitet, der muss auch feiern können. So lud die Düsseldorfer Altstadt abends zum Bummeln und Verweilen ein. Trotz dieser „Verführung“ waren am nächsten Tag aber immer wieder alle an Deck.
Und am Ende: müde, aber um viele Erkenntnisse reicher kehrten die Studierenden ins Weserbergland zurück. Das war Düsseldorf aus Immobiliensicht in einer Woche. Ein hervorragender Überblick, der einlädt, im Selbststudium das eine oder andere noch zu vertiefen. Beeindruckend wie die Stadt und die Region sich fit für die Zukunft macht. Die Düsseldorfer haben ganz offensichtlich begriffen, dass die Standorte, die sich heute neu positionieren, im Standortwettbewerb vorne liegen werden. Und als Triple A-Strandort will Düsseldorf weiter ganz vorne mitspielen: Düsseldorf weiß, die Menschen sind da, wo Arbeit ist, wo die Menschen eine hohe Aufenthaltsqualität lockt und wo die Altersstruktur ausgeglichen ist. Und schließlich haben die Studierenden einen Eindruck davon, dass der Wettbewerb der Standorte immer in erster Linie ein Wettbewerb der Ideen ist. Dazu braucht es Köpfe, wie wir sie in Holzminden (aus)bilden.
Und ganz am Ende ging es immer um die Frage, wie Düsseldorf die Bürger auf die harte Reise in die Zukunft mitgenommen hat. Wäre den Düsseldorfern das nicht gelungen, dann wäre Düsseldorf Stuttgart.
Professor Dr.-Ing.- Jürgen Erbach
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FOC Roermond www.designer-outlet-roermond.de
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R & S Immobilien www.rs-immobilien-gmbh.de
Wehrhahn-Linie http://www.duesseldorf.de/wehrhahnlinie
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