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Erhaltung
von Kulturgut

Forschung und Projekte


Mittelalterliche Stollentruhen in Siebenbürgen/Rumänien - Erfassen, Erschließen, Erhalten


In der Wehrkirche von Henndorf, einer verlassenen Ansiedlung der Siebenbürger Sachsen im heutigen  Rumänien, hat sich ein spektakulärer Bestand von 120 historischen Truhen erhalten, der als einmalig in der europäischen Möbelüberlieferung gelten darf. Die archaische Bauweise, die professionelle Bemalung und ihr schwer zu deutender Motivkanon sind Gegenstand der interdisziplinär angelegten Studie.

Naturwissenschaftliche Analysen, interkulturelle Vergleiche von Konstruktion und Ikonografie unterstreichen diesen Ansatz. Im Rahmen mehrerer Fachprüfungen von Studierenden wurden hierzu bereits aufschlussreiche Ergebnisse erzielt. Gemeinsam mit dem Institut für Holzforschung der Universität Hamburg, Prof. Dr. Peter Klein, wird am Fallbeispiel des Henndorfer Großzahlensembles mit der Methode der Dendrochronologie weitere Grundlagenforschung zur genaueren Datierbarkeit von Buchenholz betrieben.

Auf der Basis exemplarischer Untersuchungen entstand ein abgesichertes Konservierungskonzept, um den extrem gefährdeten Truhenbestand zu sichern.
Mehrere Dokumentations- und Konservierungskampagnen mit Studierenden aus Hildesheim, Budapest und Hermannstadt/RO haben vor Ort in Siebenbürgen bereits stattgefunden, weitere sind in Vorbereitung. Projektförderung erfolgt aus Forschungsmitteln der Fachhochschule, des deutschen akademischen Austauschdienstes und des Bundesinnenministeriums, Beauftragte für Kultur und Medien.

 

Wissenschaftliche Fachbibliografie zur Kultur-, Technologie- und Restaurierungsgeschichte des Möbels


Das Fehlen von grundlegenden wissenschaftlichen Instrumentarien macht sich besonders in den Restaurierungsrichtungen der angewandten Kunst in Forschung, Lehre und Praxis empfindlich bemerkbar. Die Einrichtung und Erprobung einer kommentierten Literaturdatenbank zum Schrifttum der Möbelforschung berücksichtigt neben den bibliografischen Daten die Eingabe von Fachrezensionen, Inhaltsverzeichnissen, Registern, Literaturverzeichnissen etc. zum jeweiligen Werk. Ein systematisches Schlagwortsystem strukturiert die Abfragemöglichkeiten. Zunächst wurde Wert darauf gelegt, alle unveröffentlichten Fach- und Diplomarbeiten mit einschlägigen Themen, die an den deutschen Hochschulen angefertigt worden sind, aufzunehmen. Damit ist ein wichtiger Teil der aktuellen restaurierungsrelevanten  Grundlagenforschung erfasst und erschlossen. Die ständige Erweiterung und Pflege dieser Internetfähigen Datenbank, die nach Eingabe von 1000 Datensätzen 2008 auch der breiteren Fachöffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden soll, stellt ein Langzeitprojekt der Studienrichtung Möbel und Holzobjekte dar, welches von der Hochschulleitung und der privaten Roentgen-Stiftung  finanziell gefördert wird.  Zur Zeit arbeiten wir die umfangreiche Büchersammlung von Dr. Günther Heine ein, die dem Fachbereich zusammen mit vielen historischen Holzbearbeitungswerkzeugen geschenkt wurde.

 

Schenkung Historischer Holzbearbeitungswerkzeuge Dr. Günther Heine


Der Werkzeughistoriker Dr. Günther Heine (1923-2006) vermachte vor wenigen Jahren   der Studienrichtung Konservierung und Restaurierung von Möbel und Holzobjekten seine bedeutende Werkzeugsammlung nebst dazugehöriger Fachbibliothek, Videokassetten und Intarsienvorlagen. Sein Anliegen – die Kenntnis der historischen Techniken lebendig zu halten – wird nun durch unsere Studierenden und Lehrenden fortgesetzt.

Der international renommierte Werkzeugmacher, Maschinenbauer und Handwerksforscher war ab 1994 Lehrbeauftragter für Werkzeuggeschichte und Intarsientechniken an der HAWK. Sein in über 50 Jahren zusammengetragener Bestand an Werkzeugen wurde bereits im Rahmen einer Diplomarbeit  Julia Schultz  aufbereitet und sowohl fotografisch als auch typologisch erfasst. Die Sammlung besteht aus „alltäglichen“ Werkzeugen sowie einer Vielzahl selbst- und nachgebauter wie auch seltener historischer Werkzeuge. Wegen der Dissertation von Günther Heine über die „Hamburger Hobelmacher im 19. Jahrhundert“ stellen Hobel den Schwerpunkt der Werkzeugsammlung dar.

Seit 2008 hat die Werkstatt Heine im HAWK-Gebäude am Brühl 20 eine getreulich rekonstruierte Aufstellung gefunden. Studierende wie auch die Fachöffentlichkeit haben hier nicht nur reiches Anschauungsmaterial, sondern auch die Möglichkeit, mit den Werkzeugen im Sinne des Stifters zu arbeiten. Gemeinsam mit den eigenen Werkzeugunikaten der Studienrichtung wurde mit dieser Schenkung eine Profilschärfung ermöglicht, wie sie an keiner anderen bundesdeutschen Institution besteht. Und wir haben noch weiteres vor: In Zusammenarbeit mit dem Hornemann Institut der Fakultät werden wir Filme über den Einsatz der Werkzeuge und die damit verbundenen charakteristischen Holzverbindungen entwickeln und mittels E-Learning-Kursen das Verständnis der historischen Handwerkskunst auch außerhalb der Hochschule fördern.

 

Weitere laufende Konservierungsprojekte (Auswahl):

- Schloß Oldenburg: Alte Bibliothek, 1. Hälfte 19. Jahrhundert
- Historisches Museum Hannover: Umzugsvorbereitung für das Depot im Schulkeller
- Landesmuseum Hannover: Bestückung des Völkerkundedepots nach Umzug
- Islamisches Museum Berlin: Untersuchung der Holzobjekte
- Jugendstilensemble Sanatorium Dr. Barner in Braunlage/Harz (Architekt Albin Müller), Anfang 20. Jh.: historische Außentüren, Patientenzimmer-Möblierung, Inlay-- Linoleum-Fußböden, Korbmöbel-Sammlung, sog. Lufthütte, u.a.



Das Beizenbuch von Hans Michaelsen und Ralf Buchholz

2. Auflage wiedererschienen und im Buchhandel oder bei Ralf Buchholz zu erwerben.

Hans Michaelsen, Ralf Buchholz
Vom Färben des Holzes
Holzbeizen von der Antike bis in die Gegenwart
Literatur, Geschichte, Technologie, Rekonstruktion, Rezepturen
22 x 30 cm, 568 S., 680 Abb., davon 418 farbige Abb., Hardcover
2. erweiterte Aufl. mit 2000 historischen Rezepturen auf beiliegender CD, 639 S.
ISBN 978-3-86568-0333-4
89,00 Euro

Das reich bebilderte Buch ist das Standardwerk zum Thema Holzbeizen und erscheint nun in einer um 50 Seiten und 100 Abbildungen erweiterten Neuauflage mit einer beigelegten CD, die eine schnellere Orientierung in den 2000 historischen Rezepturen ermöglicht. Es widmet sich der verloren gegangenen Farbigkeit der Marketerien, Möbel und Holzausstattungen der Vergangenheit sowie der in Vergessenheit geratenen Kunst des Holzbeizens. Die Autoren entwerfen anhand zeitgenössischer Beschreibungen und Untersuchungen an Kunstwerken ein Bild von der historischen Entwicklung dieses bisher noch unerschlossenen kunsttechnologischen Gebietes. Die bibliographische Erfassung von annähernd 200 Quellenschriften führte zu einer Sammlung von über 2000 historischen Rezepturen zum Beizen und Färben von Holz, Elfenbein, Knochen, Horn und Stroh. Zum besseren Verständnis der alten Anweisungen werden die verschiedenen Beiz- und Färbeverfahren erläutert und die Eigenschaften der verwendeten Farbstoffe, Gerbstoffe, Säuren, Laugen und Salze beschrieben. Annähernd 100 Rekonstruktionsversuche lassen die Farbpalette der alten Meister wieder aufleuchten und animieren zu eigenen Experimenten mit den Naturstoffen. Ein unentbehrliches Nachschlagewerk für Restauratoren, Denkmalpfleger, Kunsthistoriker, Tischler, Holzgestalter und technikgeschichtlich Interessierte.

Prof. Hans Michaelsen leitet die Holzrestaurierung an der Fachhochschule Potsdam und weist zahlreiche Publikationen zu Fragen der Möbelrestaurierung auf. Ralf Buchholz arbeitet als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der HAWK in der Fakultät Erhaltung von Kulturgut, Studienrichtung Möbel und Holzobjekte. Das Projekt „Historische Holzbeizen“ entstand 1994 als gefördertes Forschungsprojekt der beiden Autoren an der HAWK.
 

 

 


Siebenbürgen Truhen

Studierende bei der Reinigung einer Truhe

 


Sicherung  Farbfassung

Sicherung der Farbfassung

 


ethnologischem Objekt

Studierende mit ethnologischem Objekt im Depot des Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim

 


Werkzeugsammlung Heine

Bereits beim ersten Blick in die geöffneten Werkzeugschränke zeigt sich die Qualität der Werkzeugsammlung Heine

 


Werkzeugsammlung Heine

Bereits beim ersten Blick in die geöffneten Werkzeugschränke zeigt sich die Qualität der Werkzeugsammlung Heine.

 


Buchttitelblatt

Buchttitelblatt

 


Beizen Färben

Historische Beiz- und Färbemittel wie Krappwurzel, Galläpfel oder Cochenilleläuse

 


Rekonstruktionsversuche

Rekonstruktion der Farbpalette nach historischen Beizrezepturen

 


Hornemann Institut

Eine Liste aller Abschlussarbeiten dieser Studienrichtung finden Sie hier.