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Erhaltung
von Kulturgut

Forschung und Projekte

Forschendes Lernen in der Kunstsammlung der Universität Göttingen


Bereits zum dritten Mal verwandelte sich die Kunstsammlung der Universität  Göttingen für fünf Tage in ein Labor. Studierende der Konservierung -Restaurierung (HAWK Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen) und der Kunstgeschichte (Universität Göttingen) fanden sich unter Leitung von Prof. Dr. Michael von der Goltz und Dr. Gerd Unverfehrt im Rahmen einer Projektwoche zusammen. Dreizehn aus Teilnehmern beider Hochschulen gebildete junge Forscherpaare untersuchten jeweils ein Gemälde der Kunstsammlung. Dabei waren kunstgeschichtliche (Stilkritik, Ikonographie, Biographik), kunsttechnologische und konservatorische Fragen zu klären und Untersuchungen u.A. mittels Infrarot-Reflektographie und im ultravioletten Licht durchzuführen.

Ziel dieser Lehrveranstaltungen ist, die studierenden Kunsthistoriker/innen an Erkenntnismittel der technologisch ausgerichteten Forschung sowie an die restauratorische Arbeit und die angehenden Restaurator/innen an kunstgeschichtliche Denk- und Arbeitsweisen heranzuführen. Insofern dient das Projekt auch zur Vorbereitung auf die berufliche Praxis, in der eine enge Zusammenarbeit zwischen Kunsthistorikern und Restauratoren zwingend ist.

Die bereits im 18. Jahrhundert zum Zwecke der Lehre gestiftete Göttinger Kunstsammlung ist ein Kleinod, dessen Wert für die praxisnahe Lehre und Forschung sowie als Experimentierfeld zukünftiger musealer Ausstellungskonzepte gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

So brachten auch die am letzten Tag vorgetragenen und im Plenum diskutierten Zwischenergebnisse wertvolle Erkenntnisse über den untersuchten Teilbestand der Kunstsammlung, die in die zukünftige Erschließung einfließen werden.

Das von Prof. Dr. Michael von der Goltz und Dr. Gerd Unverfehrt ins Leben gerufene Projekt ist in dieser Form ein in Deutschland vermutlich erstmaliger Versuch praxisorientierter Ausbildung, der nach den jetzt gewonnenen Erfahrungen und in Kooperation der beiden niedersächsischen Hochschulen fortgesetzt werden soll. Auch von Seiten der Studierenden fand das Experiment begeisterte Aufnahme: Trotz hohem und anstrengendem Arbeitseinsatz bezeichneten sie übereinstimmend die intensive Zusammenarbeit als „wundervolle Erfahrung“. Viele bemerkten erstaunt, dass die Studierenden der anderen Studienrichtung „anders auf die Kunstwerke gucken“.

Studierende sichern Reste des alten Hildesheims

Ein fälliger Depotumzug bot Anlass, sich mit einem Teil der Sammlung zu befassen.

Wer kennt heute noch das Hildesheimer Andreasmuseum? Nach dem Abriss vieler Hildesheimer Fachwerkhäuser im 19. Jh. wurde das Museum 1893 gegründet,
um besonders markante geschnitzte und/oder farbig gefasste Teile der Häuser als Kunstdenkmäler zu bewahren. Bereits 1933 wieder geschlossen wurden die gesammelten
Artefakte als Teil der städtischen Sammlung deponiert und halten seitdem, nahezu vergessen, einen Dornröschenschlaf .
Ein fälliger Depotumzug bot Anlass,  sich mit einem Teil der Sammlung zu befassen. Im Rahmen eines von Prof. Dr. Michael von der Goltz durchgeführten Projektes
organisierten Studierende des Masterstudiengangs Konservierung und Restaurierung den zweiwöchigen Einsatz im Depot und leiteten Studierende des Bachelorstudiengangs
Präventive Konservierung bei der Ausübung verschiedener notwendiger Arbeitsschritte an. Zu diesen gehörten zunächst das Untersuchen der Objekte und die Erfassung des Zustands.
Danach wurden sie trocken gereinigt und mögliche lose Fassung/Farbe gesichert. Nachdem sie anschließend von vorne und hinten fotografiert worden waren, erhielten sie eine fachgerechte
Verpackung für den anstehenden Transport. Zudem wurde in den Depoträumen eine Luftkeimmessung durchgeführt um eine mögliche Gefährdung der Bearbeiter/innen und der Objekte durch Schimmel zu vermeiden.
Die Sammlung des Andreasmuseum gewährt einen nahezu einzigartigen Überblick über historische Hildesheimer Fachwerkfassungen seit dem Spätmittelalter bis zum Ende des 19. Jh. und bietet somit für die
Zukunft eine Vielzahl an wissenschaftlichen und praktischen Fragestellungen.  


Göttingen Projektwoche

Infrarot-Untersuchung bei einer gemeinsamen Lehrveranstaltung von Studierenden der Präventiven Konservierung

 


Studierende Göttingen

Studierende der Kunstgeschichte an der Universität Göttingen

 


Luftkeimmessung

Laborleiter Dipl.- Biol. Ulrich Fritz erklaert die Methodik der Luftkeimmessung

 


Oberflächenreinigung Füllbrett

Oberflächenreinigung an einem geschnitzten Füllbrett

 


Sicherungsarbeiten Füllbrett

Sicherungsarbeiten an einem Füllbrett

 


Hornemann Institut

Eine Liste aller Abschlussarbeiten dieser Studienrichtung finden Sie hier.