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Wissenschaftsminister Stratmann würdigt Kolb als kompetenten Hochschulplaner

Präsident der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen in den Ruhestand verabschiedet

(v.l.n.r) Lutz Stratmann, Professor Dr. Johannes Kolb, Professor Dr. Martin Thren und Helga Schuchardt

Rund 250 Gäste waren zur feierlichen Verabschiedung in die Aula der Hochschule in Hildesheim gekommen.
 

Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann hat Professor Dr. Johannes Kolb nach 15 Jahren als Rektor und Präsident der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen, in den Ruhestand verabschiedet. Stratmann würdigte Kolb,  der in diesem Dezember 65 Jahre alt geworden ist, vor rund 250 Festgästen in Hildesheim als kompetenten und hartnäckigen Hochschulplaner.

Der Zuwachs an Studierenden um 80 Prozent in den Jahren seiner Amtszeit spiegele sehr deutlich Kolbs persönliche Erfolgsbilanz wider. Kolb habe schon Anfang der Neunziger Jahre die knappen Mittel innerhalb seiner Hochschule nach Leistungsgesichtspunkten verteilt, habe intern die formelgebundene Mittelzuweisung eingeführt, um neue Studienangebote aus dem eigenen Bestand zu entwickeln. Im Zusammenhang mit den drastischen Auswirkungen, die der Sparzwang und das Hochschuloptimierungskonzept  (HOK) seines Ministeriums auf die niedersächsischen Hochschulen gehabt haben, ging Stratmann in seiner Festrede auch auf die Schließung der HAWK-Fakultät Wirtschaft am Standort Hildesheim ein. Er betonte, dass diese Entscheidung nicht allein vom Präsidenten, sondern auch einstimmig vom Senat der Hochschule gefällt worden sei. Und weil er, Stratmann, der Hochschulautonomie das Wort rede, habe er diese Entscheidung auch nicht „kassiert“.

Als besondere Etappe in der Entwicklung der HAWK hob der Wissenschaftsminister die Zertifizierung der Hochschule zur Familiengerechten Hochschule als erster in Niedersachsen hervor. Die Königsetappe, die Umstellung der Studienabschlüsse auf Bachelor und Master, stehe der Hochschule noch bevor. Aber wenn , wie geplant, alle Umstrukturierungen bis Wintersemester 2006 realisiert seien, dann habe die HAWK wieder eine Vorbildfunktion. Für 15 Jahre erfolgreiches Wirken überbringe er den Dank der Landesregierung, sagte Stratmann.

Stratmann hatte vor dem Festakt zur Verabschiedung Kolbs dessen Nachfolger, Professor Dr. Martin Thren, die Ernennungsurkunde zum neuen HAWK-Präsidenten überreicht. Thren übernimmt die Geschicke der Hochschule Anfang Januar kommenden Jahres. Bisher war der 51-Jährige Dekan an der Göttinger Fakultät Ressourcenmanagement.

Auch Threns Dienstort wird Hildesheim sein, wo die zentrale Verwaltung der HAWK angesiedelt ist. Der promovierte Forstwissenschaftler ist 1953 in Konstanz am Bodensee geboren und hat in Freiburg studiert, wo er 1988 auch promovierte. Von seiner Lehrtätigkeit an der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen war er mehrfach für Forschungs-, Entwicklungs- und Lehraufgaben in Südamerika freigestellt. Der Festakt zur feierlichen Amtseinführung des neuen Präsidenten ist für den 4. Februar 2005 geplant.

 

Bildung ist sein Beruf und seine Berufung

Professor Dr. Johannes Kolb – Vita

Allein schon das Wort Stillstand löst bei ihm Unruhe aus. Die bewusste und zielgerichtete Weiterentwicklung ist sein Weg. Professor Dr. Johannes Kolb, Präsident der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen, geht zum Ende dieses Jahres in den Ruhestand. 15 Jahre hat er die Hochschule zunächst als Rektor, dann als Präsident geleitet und entwickelt. Während seiner Amtszeit hat die Hochschule interne Steuerungsinstrumente geschaffen, die ihr die Möglichkeit geben, wendig auf die Bedürfnisse von jungen Leuten zu reagieren. Die Leitlinie dabei: Keine Stelle, wo sie nicht gebraucht wird, kein Geld, das keinen Nutzen für die Studierenden bringt. Traditionelle Pfründen von Fachbereichen gibt es nicht.

Schon Mitte der 90er Jahre  setzt die Fachhochschule mit Hilfe von Senatsrichtlinien das Geld nach Leistung und im internen Wettbewerb ein und zwar auf allen Ebenen im Sinne einer erstklassigen Ausbildung und eines erstklassigen Angebots.

 

Stellenpool

1994 beschließt der Senat die Einrichtung eines Stellenpools insbesondere für Professuren und installiert korrespondierend zum Pool die interne formelgebundene Mittelverteilung. Der Effekt: Das Studienangebot wird an die Nachfrage angepasst und die sparsame Verwendung von Stellen finanziell belohnt. Das heißt, schwächer ausgelastete Fachbereiche „verkaufen“ nicht benötigte Stellen auf dem „Marktplatz“ Stellenpool und verbessern mit den zusätzlichen Einnahmen ihre eigenen Arbeitsmöglichkeiten. Mit den freigesetzten Stellen werden neuartige Studiengänge entwickelt, wie zum Beispiel Präzisionsfertigungstechnik oder Arboristik in Göttingen oder Soziale Arbeit in Holzminden. Die Hochschule kann so mit denselben Ressourcen mehr und besser ausgelastete Studienplätze anbieten.

 

Hausinterne Leistungsbewertung

Schon 1993 führt der Senat eine systematische Leistungsbewertung per Punktesystem für Professorinnen und Professoren ein. Die Fachbereichsräte verteilen die Punkte. Kriterien sind dabei der Erfolg in der Lehre, der Erfolg in der Forschung und die Mitarbeit in der Selbstverwaltung. Positive Beurteilungen verkürzen die Frist bis zur Übertragung einer höher dotierten Stelle.  Anfang 2003 wird diese Frühform einer leistungsorientierten Bezahlung von Professoren im Zuge der so genannten W-Besoldung ausgeweitet und allgemein eingeführt.

 

Teilzeit-Professuren

Als erste niedersächsische Hochschule hat die HAWK Professuren als Teilzeit-Beschäftigungen besetzt und zudem ein Konzept entwickelt, Stellen mit ungleicher Arbeitszeit im Jahresablauf zu ermöglichen.

 

Der Schlüssel zum Erfolg dieser internen Steuerungsinstrumente war dabei immer, dass die ‚Spielregeln‘ von allen Beteiligten in einem Prozess entwickelt und akzeptiert wurden. Das System ist während der Amtszeit Kolbs gewachsen.

 

Frauenförderung

Dem Präsidium der HAWK gehören zwei Frauen und zwei Männer an und mehr als die Hälfte der Abteilungen, zentralen Einrichtungen und Stabsstellen werden von Frauen geleitet. Bei den Professuren konnte die Hochschule seit mehreren Jahren einen Frauenanteil von 50 Prozent bei den Berufungen realisieren, so dass der Anteil der Professorinnen auf inzwischen 26 Prozent gestiegen ist. Dies ist bedeutend mehr als der Professorinnen-Anteil im Durchschnitt aller Hochschulen.

 

Wichtig bei dieser Entwicklung ist laut Kolb, „dass die HAWK sich nicht darauf beschränkt, Frauen für Studiengänge und Berufsfelder zu werben, die von Männern bevorzugt werden. Wir versuchen vielmehr gleichzeitig, die Hochschule zu öffnen und Studiengänge neu zu entwickeln oder auszubauen, die auf von Frauen bevorzugte Tätigkeitsfelder ausgerichtet sind. Ein herausragendes Beispiel dafür ist der erstmals in Deutschland angebotene Bachelor-Studiengang für Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie - was zwar international längst eine Selbstverständlichkeit ist - aber in Deutschland immer noch eine Ausnahme“. Die Verbesserung der Chancen für Frauen ist ein Beitrag zur Qualitätssiche­rung, Leistungssteigerung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit sowohl der Hochschulen als auch der Gesellschaft und Wirtschaft insgesamt.

 

 

Familiengerechte Hochschule

Im Frühjahr 2003 ist die HAWK als erste niedersächsische und eine von bundesweit vier Hochschulen mit dem Zertifikat „Familiengerechte Hochschule“ der Beruf & Familie gGmbH, einer Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung ausgezeichnet worden. Die Hochschule hat sich zur Aufgabe gesetzt, die Arbeits- und Studienbedingungen so familiengerecht zu gestalten, dass Studierende und Mitarbeiter/innen die Anforderungen in Beruf beziehungsweise Studium und Familie besser miteinander in Einklang bringen können.

 

Ein zentrales Vorhaben ist dabei das wissenschaftlich begleitete Projekt Kleinkindbetreuung. Es soll verbesserte und auf die besonderen Bedürfnisse von Hochschulen ausgerichtete Kinderbetreuungs-Angebote entwickeln, praktisch erproben und bewerten.

Das Vorhaben ist Forschungs- und Praxisprojekt der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit und steht allen Interessierten in der Hochschule offen.

Weitere konkrete Ziele etwa hat die HAWK im Bereich von Studien- und Prüfungsbedingungen, Arbeitszeit- und Arbeitsort-Regelungen und Informations- und Service-Angeboten entwickelt, die innerhalb von drei Jahren umgesetzt werden sollen.

 

Starre Korsetts abgeschafft/Bologna-Prozess

In den vergangenen Jahren hat die HAWK starre Korsetts abgeschafft und öffnet die Prüfungsordnungen. Die Hochschule hat ein für Fachhochschulen außergewöhnlich breit gefächertes Studienangebot, das den Studierenden ermöglicht, ihr spezielles Wissensprofil ergänzend zum ausgewählten Studiengang aus den verschiedenen Angeboten zusammenzustellen– und zwar sowohl Fächer als auch Standort übergreifend.

Die ersten Studienangebote sind vom Diplom- auf den Bachelor- und Master-Abschluss umgestellt. Die anderen folgen, mit Hochdruck arbeiten die Fakultäten an den neuen Studienordnungen.

 

Bittere Pille HOK

Die Sparauflagen der Landesregierung haben die HAWK wie alle anderen Hochschulen schwer getroffen. Sie treffen sie aber in einer spezifisch unglücklichen Weise: Die HAWK hat es durch ihre eigenen Steuerungsinstrumente geschafft, in den vergangenen Jahren und verstärkt im vergangenen Jahr aus eigenen Ressourcen und ohne zusätzliche Zuweisungen des Landes neue Studienangebote zu entwickeln. Die dafür notwendigen Stellen sind durch hausinterne Umschichtungen aufgebracht worden – genauer, durch die Verlagerung.

Die Folge dieser sehr wettbewerbsorientierten Strategie ist, dass es an der Hochschule nirgendwo „Speckpolster“ gibt, dass die Sparauflagen in eine Zeit des besonders knapp kalkulierten Aufbaus fallen.  Nur vor diesem Hintergrund ist zu erklären, dass es in der ganzen Hochschule keine „schwache“ Einheit gibt und die Hochschulleitung bei strukturellen Kürzungen gezwungen war, der Landesregierung als Erfüllung der Einsparauflagen vorzuschlagen, die  gut ausgelastete Fakultät Wirtschaft in Hildesheim mit der der Fachhochschule Hannover zusammen zu legen.  Die Landesregierung hat so beschlossen.

Für Präsident Kolb war dieser Einschnitt am Ende seiner Amtszeit eine sehr bittere Pille.

 

Wünsche / Ziele eines scheidenden Hochschulpräsidenten

Für die weitere Entwicklung der Hochschullandschaft im Allgemeinen und im Speziellen für die HAWK wünscht sich der scheidende Präsident Professor Dr. Johannes Kolb, dass die Landesregierung die Chance ergreift, ohne Kostensteigerungen mehr junge Leute an die Hochschulen zu bringen. Möglich sei dies, indem die  staatlichen Mittel für alle Hochschulen nach der Zahl der Studierenden zugeteilt würden, nicht getrennt nach Hochschularten. Dies werde laut Kolb dazu führen, dass die Hochschulen von sich aus ihr Studienangebot an die Nachfrage der jungen Menschen und den gesellschaftlich-wirtschaftlichen Bedarf anpassen. Eine solche Formelfinanzierung für alle Arten von Hochschulen werde eine wirksamere Modernisierung der Bildungseinrichtungen erzeugen als es Einzelentscheidungen einer Landesregierung jemals könnten.

 

Die Leitidee

„Die Hochschule muss darum kämpfen, ihre Entwicklung frei und eigenverantwortlich selbst gestalten zu können. Sie soll ein Raum sein, in dem Menschen sich zu starken Persönlichkeiten entwickeln, die selbstsicher genug sind, um Vielfalt und Verschiedenartigkeit als Bereicherung wahrzunehmen. Eine Hochschule, die stolz darauf ist, dass ihre Absolventinnen und Absolventen anders und besser sind als die, von denen sie gelernt haben.“

 

(Prof. Dr. Johannes Kolb in seiner Rede zu den Hochschulangehörigen bei einer Informationsveranstaltung zum Thema Stiftung Anfang 2004)

 

 

Professor Dr. Johannes Kolb – Vita

Bildung ist sein Beruf und seine Berufung. Bildungskonzepte und Strategien ihrer Umsetzung zeichnen seine berufliche Laufbahn.

Professor Dr. Johannes Kolb hat 1960 sein Studium  an der Universität Tübingen mit den Fächern Germanistik und Geschichte begonnen, setzte es mit Geschichte und Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München fort und ging 1962 an die Freie Universität Berlin. Dort belegte er die Fächer Geschichte, Germanistik und Philosophie und war unter anderem Institutssprecher am Friedrich-Meinecke-Institut sowie Fakultätssprecher an der Philosophischen Fakultät. 1968 promovierte Kolb in Berlin zum Thema 'Metallgewerkschaften in der Nachkriegszeit' über Entwicklungen im Vorfeld der künftigen Bundesrepublik Deutschland.

Seine berufliche Laufbahn begann 1968 als Jugendreferent für politische Bildung beim Deutschen Volkshochschul-Verband an der Volkshochschule Bochum. Zwei Jahre später beschäftigte er sich mit den Themen Stadtentwicklungsplanung und kommunale Bildungsplanung als Volkshochschul-Leiter der neu gegründeten Stadt Meerbusch (Rheinland).

1971 wurde Kolb als Referent für Bildungsplanung in den Planungsstab des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Alfred Kubel berufen. Er  erarbeitete dort den inhaltlichen Entwurf für die erste Fassung des Niedersächsischen Schulgesetzes und wirkte mit an der Standort- und Fächerplanung für die damals geplanten Fachhochschulen. Zwei Jahre später wurde er Leiter der Planungsgruppe im Niedersächsischen Kultusministerium. Eines seiner Themen dort: die Bund – Länder Bildungsplanung. Bis 1977 verfasste Kolb zudem mehrere Gutachten für den damaligen Verband Großraum Hannover zur Integration von Verband, Stadt und Landkreis, deren Empfehlungen heute im Rahmen der Region Hannover teilweise realisiert sind.

1977 ging Kolb als Professor für Soziale Administration und Planung an die Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen. Am damaligen Fachbereich Sozialpädagogik (heute Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit) bearbeitete er bundesweit Projekte zur Jugendhilfeplanung und zur Schulentwicklungsplanung. Von 1986 bis 1989 war Kolb Dekan des Fachbereichs. Seit 1989 leitet er die Hochschule als Rektor, später als Präsident. Im Dezember dieses Jahres ist er 65 Jahre alt geworden und geht mit Ablauf 2004 in den Ruhestand.

In geringem Umfang wird Kolb der Hochschule weiter zur Verfügung stehen und sich mit der Integration des neuen Standortes Buxtehude beschäftigen, der im Zuge des so genannten Hochschuloptimierungskonzeptes von der HAWK betreut wird, bis die letzten Studierenden ihren Abschluss gemacht haben.

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