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"Vom Umgang mit alten Büchern"

Lehrfilm für Liebhaber und Bibliothekare zum Umgang mit papiernem Kulturgut am Hildesheimer Institut für Restaurierung entstanden

Wann haben Sie das letzte Mal ein Buch in die Hand genommen? Und vor allem: Wie haben Sie es in die Hand genommen? Seltsame Frage? Das findet Prof. Patricia Engel überhaupt nicht. Die Restauratorin unterrichtet an der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen die Studienrichtung Restaurierung von Buch und Papier. Sie hat immer wieder mit Büchern zu tun, die von ihren Benutzern falsch behandelt wurden. "Dabei wird oft übersehen, dass Bücher wertvolle Kulturgüter sind, die es zu bewahren gilt", meint Engel. "Je sorgfältiger die Menschen mit Büchern umgehen, umso weniger müssen wir Restauratoren später in die Originalsubstanz eingreifen, um die Schäden zu beseitigen".

Besonders bedenklich ist, dass manchmal selbst gelernte Bibliothekare mit alten Schriften nicht gerade zimperlich umgehen. "Da werden Bücher übereinandergestapelt, in Kisten geworfen oder sogar ungeschützt durch den Regen getragen", erklärt Engel. Nun haben sich die Restauratoren der Fachhochschule mit dem Hornemann Institut und der Hildesheimer Dombibliothek zusammengetan, um ein 15-minütiges Lehrvideo für Bibliothekare und Bücherliebhaber zu produzieren. Sein Titel: "Vom Umgang mit alten Büchern".

Gedreht wurde unter anderem in den kostbaren Beständen der Dombibliothek, der ältesten Bibliothek in Niedersachsen. Hier, zwischen mittelalterlichen Handschriften, Frühdrucken aus dem späten 15. Jahrhundert und neuzeitlichen Dokumenten, fand Kameramann Max Görgen seine ästhetischen Bilder, die er dann zu reizvollen Sequenzen montiert hat. Der Film erläutert die sichere Aufbewahrung der Bücher und ihre fachgerechte Handhabung. Der Direktor der Dombibliothek, Jochen Bepler, kommt dabei ebenso zu Wort wie Patricia Engel.

Die größten Probleme bei der Aufbewahrung alter Bücher liegen in den Klimaschwankungen, Umwelteinflüssen und dem Befall durch Bücherwürmer und Schimmelpilze. Das Video zeigt, wie die Hildesheimer Dombibliothek diese Probleme in den Griff bekommen hat, nicht zuletzt durch den Neubau am Domhof, den die Bibliothek vor etwa sechs Jahren bezogen hat. Direktor Bepler: "Wir haben beim Bau des Gebäudes absichtsvoll auf eine künstliche Klimatisierung verzichtet und vertrauen stattdessen auf eine konventionelle Ziegelbauweise mit Mauerwerk, das bis zu 90 Zentimeter dick ist und ein Klima gewährleistet, das für die Bücher und auch für die Menschen angenehm ist."

Denn auch das macht der Film deutlich: So wichtig es ist, das Kulturerbe der Menschheit zu bewahren und zu pflegen, so sehr sollen die Bücher auch von Menschen gelesen und studiert werden können. Nur so kann das kulturelle und historische Wissen an kommende Generationen weitergegeben werden.

Bereits in der Ausbildung sollen zukünftige Bibliothekare lernen, wie sie Bücher behandeln sollen. Oft sind es die alltäglichen Handgriffe, die ein Buch vor Schäden bewahren. Dass man ein Buch erst ablegt, bevor man sich an den Schreibtisch setzt, sollte eine Selbstverständlichkeit sein. Möchte man ein Buch aus dem Regal nehmen, so zieht man es nicht etwa an der Oberkante heraus, sondern schiebt erst die nebenstehenden Bücher etwas nach hinten und greift dann das Buch in seiner Mitte. Die hinterbliebene Lücke sollte man mit einer Buchstütze ausfüllen. Solche einfachen Regeln erleichtern den Restauratoren die Arbeit, wie Patricia Engel sagt: "Ich möchte gern, dass unser Film dazu führt, dass mit den Büchern so umgegangen wird, dass sie möglichst wenig Schaden leiden."

Das Videoprojekt ist nicht die einzige Kooperation zwischen dem Hornemann Institut, der Fachhochschule und der Dombibliothek. Als Patricia Engel vor fünf Semestern nach Hildesheim kam, um die neue Studienrichtung "Restaurierung von Buch und Papier" im Institut für Restaurierung aufzubauen, war eins ihrer ersten Anliegen, auf verschiedene Einrichtungen der Region zuzugehen und eine enge Zusammenarbeit vorzuschlagen. Das Hornemann Institut, das für die Erhaltung des Kulturerbes wirbt, war schnell interessiert: Das aktuelle Bücher-Video wurde in seinem Auftrag gedreht. Geplant sind außerdem gemeinsame Publikationen und Computer-Lernkurse, so genannte E-Learning-Module.

Auch zwischen Fachhochschule und Dombibliothek findet seit langem ein reger Austausch statt. Vorlesungen, etwa über das Gotische Buch, werden vor Originalexemplaren in der Bücherei gehalten, Bibliotheksleiter Jochen Bepler gibt sein umfangreiches Fachwissen zu Büchern weiter, die Studierenden kopieren und restaurieren wertvolle Objekte. Die neue Filmproduktion ist ein weiteres Beispiel für die erfolgreiche Zusammenarbeit.

Der Film wird erstmals am Samstag, 17. August, im Rahmen der Veranstaltung "Kultur rund um die Uhr" in der Hildesheimer Dombibliothek, Domhof 30, gezeigt. Nach der Vorführung, die um 17.15 Uhr beginnt, führt Jochen Bepler durch die Bibliothek. Besucher können außerdem Proben verschiedener Buchdruck-Techniken durch Mikroskope betrachten oder sich an einem Computer-Terminal über die Schädigung von Kulturgut durch Mikroben informieren. Das Hornemann Institut bietet den Film als VHS-Videokassette zum Selbstkostenpreis von 7,50 Euro an. Er kann auch im Internet unter http://www.hornemann-institut.de oder unter Tel. 0 51 21 / 40 81 74 bestellt werden. Schließlich richtet er sich nicht nur an Spezialisten. Jeder Leser und Bücherliebhaber kann und soll von der Aufklärung profitieren. Denn wer denkt schon daran, dass man beim Lesen etwas falsch machen kann?

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