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Zu den bundesweit vier Vorreitern gehört die Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen

Familiengerechte Hochschule: Forschungsprojekt Flexible Kleinkindbetreuung

Gemeinnützige Hertie-Stiftung und Beruf & Familie gGmbH haben jetzt in Mainz die ersten Zertifikate verliehen

Die Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen hat jetzt gemeinsam mit der Universität Trier, der Universität Kiel und der Fachhochschule Ludwigshafen das Zertifikat „Familiengerechte Hochschule“ verliehen bekommen. Bei der Feierstunde in der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz sagte Professor Dr. Artur Wollert, der Vorsitzende des unabhängigen Auditrates, der im Auftrag der Beruf & Familie gGmbH über die Vergabe entscheidet: „Die Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/

Göttingen ist durch ihre umfassenden und vor allem sehr konkret formulierten Ziele für die Vereinbarkeit von Familie und Studium/Beruf aufgefallen.“ Marlies Mosiek-Müller, Sprecherin der Geschäftsführung der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung betonte vor VertreterInnen von rund 80 deutschen Hochschulen: „Je höher die Qualifikation der Mütter, desto niedriger die Geburtenrate und desto höher die Kinderlosigkeit. Das wissen wir und darauf möchten wir mit dem Audit Familiengerechte Hochschule reagieren.“ In diesem Zusammenhang konnte Professor Dr. Johannes Kolb, Präsident der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen, ein zentrales Vorhaben der FH vorstellen:

Das „Projekt Studienzeitverkürzung durch Kleinkindbetreuung“

Das wissenschaftlich begleitete Projekt soll verbesserte und auf die besonderen Bedürfnisse von Hochschulen ausgerichtete Kinderbetreuungs-Angebote entwickeln, praktisch erproben und bewerten. Dabei geht es vor allem um drei Ansätze:

  1. Professionelle Betreuungsangebote, angepasst an die im Jahresverlauf stark wechselnden Arbeits- und Prüfungszeiten
  2. Aufbau eines Netzes von Ad-hoc- beziehungsweise Notfall-Betreuungsmöglichkeiten (in Anspruch zu nehmen zum Beispiel bei Krankheit oder Prüfungszeiten der Eltern).
  3. Schaffung einer Infrastruktur (hochschulnahe Räume) als Grundlage für wirksame selbstorganisierte Betreuungs-formen (zu nutzen zum Beispiel durch Gruppen von studierenden Eltern).

Das Vorhaben ist Forschungs- und Praxisprojekt der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit und steht allen Interessierten in der Hochschule offen.

Die Hochschule hat Architekt Professor Dr. Georg Klaus für die Planungen gewonnen und hofft, im Verlauf des Wintersemesters 2003/2004 die ersten Kinder betreuen zu können.

Zielvereinbarungen mit geschulten Auditorinnen

Weitere konkrete Projekte etwa hat die Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen im Bereich von Studien- und Prüfungsbedingungen, Arbeitszeit- und Arbeitsort-Regelungen und Informations- und Service-Angeboten im Form von so genannten Zielvereinbarungen gemeinsam mit geschulten Auditorinnen entwickelt.

Die Hochschulleitung hat sich per Unterschrift verpflichtet, diese Zielvereinbarungen während einer dreijährigen Laufzeit umzusetzen. Auf dieser Grundlage hat der unabhängige Audit-Rat der Fachhochschule das Grundzertifikat „Familiengerechte Hochschule“ zugesprochen und überprüft jährlich den Fortgang der Umsetzung. Die Hochschule muss ebenfalls jährlich Bericht erstatten. Nach drei Jahren wird erneut über die Vergabe des Zertifikats entschieden.

Das Audit will Strukturen schaffen

Das „Audit familiengerechte Hochschule“ ist ein Managementinstrument, das von der Beruf & Familie gGmbH – einer Initiative der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung – gemeinsam mit der Universität Trier entwickelt wurde. Ziel ist es, an den Hochschulen Strukturen zu schaffen, die es sowohl Frauen als auch Männern ermöglichen, sich ihren Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen zu widmen, und dabei gleichzeitig beruflich aktiv zu bleiben oder das Studium fortzusetzen. Das Audit setzt dabei auf eine Win-Win-Strategie: Es geht davon aus, dass auch Hochschulen Interesse an einer familienorientierten Personalpoltik haben, weil sie damit qualifizierte MitarbeiterInnen gewinnen, an sich binden und motivieren können. Ähnliches gilt für den Bereich des Studiums: Etwa zehn Prozent der Studienabbrecher geben familiäre Gründe für den Studienabbruch an. Durch Unterstützung studierender Eltern können Studienabbrüche vermieden und Studienzeiten verkürzt werden.  Eine familiengerecht strukturierte Hochschule eröffnet jungen Menschen mit Kindern oft überhaupt erst die Möglichkeit eines Studiums.

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