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Heizen mit Holz: Entwicklung eines Großhackers zur Waldhackschnitzelerzeugung bringt Durchbruch für erneuerbare Energie

Holz und heizen - diese Kombination ruft bei vielen nur noch das Stichwort Kamin in den Sinn. Holz als erneuerbaren Rohstoff im großen Stil für die Befeuerung von Heizungen und Heizwerken zu nutzen, scheiterte bisher an zu hohen Kosten. Ein Durchbruch auf dem Weg, den Brennstoff Holz konkurrenzfähig zu machen, ist jetzt dem Niedersächsischen Forstlichen Bildungszentrum in Münchehof, der Firma HTM Häckseltechnik in Soltau und der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen gelungen: Die drei Institutionen haben einen Großhacker zur Waldhackschnitzelerzeugung entwickelt und erfolgreich getestet.

Holz war für viele Jahrhunderte die einzige Art der Beheizung von Häusern. Bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts wurden viele Häuser, vor allem auf dem Land mit Holz und Kohle beheizt. Danach kam es zu einem Siegeszug der "bequemeren" Brennstoffe Heizöl und Erdgas. Das Heizen mit diesen Brennstoffen war viel einfacher und komfortabler, da es vollständig automatisierbar und keine schwere Handarbeit mehr nötig war. Nach der ersten und zweiten Ölkrise in den 70er und 80er Jahren wurde der Brennstoff Holz in Süddeutschland und Österreich wieder vermehrt eingeführt. Durch die Verwendung von Hackschnitzeln und Pellets konnten die Heizanlagen automatisiert werden. Heute haben sie eine Bequemlichkeit wie eine Öl- oder Gasheizung. Die Zeiten der "aschebedeckten" Finger und des "Holzschleppens" sind Geschichte.
In Niedersachsen wurden Mitte der 90er Jahre erste Versuche mit Hackschnitzelheizungen gestartet: Inzwischen gibt es Holzheizwerke zum Beispiel in Fuhrberg (Wasserwerke der Enercity Hannover), in der Stadt Verden oder am Niedersächsischen Forstlichen Bildungszentrum in Münchehof. Dort werden unter der Leitung von Forstamtsrat Holger Kuprat in Zusammenarbeit mit Dipl.-Ing. Andreas Neff und Professor Dr. Michael Nelles vom Fachgebiet Technischer Umweltschutz der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/-Göttingen Versuche zur Hackschnitzelproduktion durchgeführt.
Der Hacker spielt in der Hackschnitzelproduktionskette eine zentrale Rolle. Die Kosten für die Hackschnitzel müssen dabei möglichst gering gehalten werden. Genutzt werden nur Hölzer, die sonst im Wald verbleiben, da die Kosten für ihre Aufarbeitung zu Industrieholz (Hackschnitzel für die Papier- und Spanplattenindustrie) zu hoch wären. Die Schritte zum Aufbau einer Hackschnitzelproduktions- und Versorgungslogistik in den Niedersächsischen Landesforsten wurden durch FH - Diplomanden aus der Göttinger Fakultät Ressourcenmanagement, begleitet, dokumentiert und ausgewertet. Den Anfang machte im Jahr 2000 Ingo Mette mit seiner Arbeit. Er erhob den "Status quo" in Niedersachsen, dokumentierte und verglich alle zum damaligen Zeitpunkt existenten "Insellösungen" im Bereich der Hackschnitzelversorgung und machte erste Vorschläge zur weiteren Verfahrensentwicklung.

Im Jahr 2001 folgten Versuchseinsätze mit ersten Maschinen zur Erzeugung von Hackschnitzeln in Bursfelde, Harpsted und Fuhrberg. Die Einsätze wurden vor Ort durch das Niedersächsische Forstliche Bildungszentrum gestartet, begleitet und fortentwickelt sowie intensiv durch die Projektpraxispartner Rainer Uebel (Revierförsterei Bursfelde), Eberhardt Guba (Revierförsterei Harpstedt), sowie Günter Schröder (Forstamt der Stadtwerke Hannover AG) im Weiteren betreut. Eine Dokumentation der Versuchseinsätze und die Erstellung von Kalkulationsprogrammen übernahm Marcus Wenzelides in seiner Diplomarbeit.
Die bis dahin eingesetzten Maschinen stellten jedoch keinesfalls das Optimum für den Einsatz unter Niedersächsischen Mittelgebirgsbedingungen dar. Daher kam es zu dem Projekt "Entwicklung eines Großhackers für die Erzeugung von Waldhackschnitzeln" in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Forstlichen Bildungszentrum in Münchehof, der Firma HTM Häckseltechnik Mittelstendorf GbR in Soltau und der Fachhochschule Hildesheim/Holzminden/Göttingen, Fachgebiet Technischer Umweltschutz. Gefördert wurde der Bau des Großhackers vom Niedersächsischen Ministerium für den ländlichen Raum, Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.
Ziel dieses Projektes war es, einen Hacker zu entwickeln, der in Niedersachsen optimal eingesetzt und gleichzeitig den Anforderungen der Logistikkette gerecht wird. Das heißt, ein selbstfahrender Hacker, der nicht den bisher üblichen Seiteneinzug, sondern einen schwenkbaren Einzug hat und gleichzeitig das Material in den aufgesattelten Hakenabroll-Container verblasen kann. Dadurch müssen keine Container oder Lkw mehr neben dem Hacker stehen, um das Hackgut zu übernehmen. Vor allem im Bergland ist dies ein unschätzbarer Vorteil, da hier die Forststraßen dafür nicht breit genug sind. Als Trägermaschine dient ein Dumper, dessen Vorderwagen um einen Meter verlängert wurde. Auf dem Vorderwagen, sind der Motor, das Getriebe, der Hacker, der Beschickungskran und die Fahrerkabine untergebracht. Der Hinterwagen ist mit einem Hakengerät ausgestattet und dient ausschließlich der Aufnahme von Hakenabrollcontainern, die vom Terex 804 CT befüllt und zu dem Lkw-Übergabeort transportiert werden. Es werden handelsübliche Container (37,7 m³ Fassungsvermögen) verwendet, damit entfallen die Kosten für teure Spezialcontainer. Ein 6-Zyinder-Direkteinspritzer von Caterpillar mit 16.000 cm3 Hubraum und einer Leistung von 470 bis 530 kW (ca. 700 PS) dient dem Fahr- und Hackerbetrieb. Die Aggregate werden nicht direkt sondern über Ölmotoren angetrieben. Die Maschine ist für den Straßenbetrieb bis zu einer Spitzengeschwindigkeit von 46 km/h zugelassen. So kann er also auch selbst zum Einsatzort fahren. Das Hackaggregat Bruks 804 CT ist auf dem Vorderwagen drehbar montiert. Es ist von 0-90°, je nach Vorderwagenstellung, schwenkbar. Es kann Holz bis ca. 60 cm Durchmesser verarbeiten. Die durchschnittliche Hackleistung liegt bei 15 bis 20 Minuten je Abrollcontainer (37,7 m3) Hackschnitzel. Das Fahrzeug wird auf der Straße per Lenkrad gefahren, beim Hackeinsatz erfolgt allerdings die gesamte Steuerung über Joysticks. Rückwärtsfahrten sind über eine Kamera in der Heckstoßstange möglich.
Der Terex 804 CT wurde mehrere Wochen in den Niedersächsischen Forstämtern Hasbruch und Rotenburg erprobt. Die Maschine lief störungsfrei und lieferte einwandfreie Hackschnitzel. Der Großhacker wird in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung der Niedersächsischen Forstwirtschaft in Richtung erneuerbarer Energien leisten. Die Maschine, die der Firma HTM Häckseltechnik gehört, soll jetzt in ganz Norddeutschland eingesetzt werden, um Hackschnitzel kostengünstig zu produzieren. Die beteiligten Insitutionen hoffen, dass bald weitere Großhacker dieser Art angeschafft werden können. Vom Rohstoff Holz ist laut Dipl.-Ing Neff in heimischen Wäldern auch auf die Dauer genug vorhanden: "Ein Drittel mehr Holz als eingeschlagen wird, wächst permanent nach."

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