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Gegen den Terror - "Grüne Herzen" in Casablanca

Interkulturelles Theaterprojekt der HAWK zu internationalem Festival im Juli nach Marokko eingeladen

Die deutsch-marokkanische Thatertruppe beim Empfang an der HAWK.

Erste Szenen werden geprobt.

Auf dem glänzenden Parkett des Theaterraumes der HAWK wird in diesen Tagen für einen ganz besonderen Auftritt im Juli geprobt. Das Theaterlabor Hildesheim von Prof. Dr. Birgit Klosterkötter-Prisor ist zum Internationalen Theaterfestival in Casablanca eingeladen. Klosterkötter-Prisor, Theaterpädagogin an der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, inszeniert für das Festival mit zwölf ihrer Studierenden und zwölf Gästen von der Universität Hassan II-Ain Chock im marokkanischen Casablanca ein interkulturelles Stück, das von Leo Lionnis  Kinderbuch „Das kleine Blau und das kleine Gelb“ inspiriert ist.

Wir möchten Sie einladen zum

Empfang der marokkanischen Gäste
Montag, 8. Mai, um 13.45 Uhr
Hohnsen 1, Theaterraum 116, 1. Etage
in Hildesheim

und zu den

Proben für das Stück „Les Bleues es les Jaunes“
Mittwoch, 10. Mai, ab 14.30 Uhr
Hohnsen 1, Theaterraum 116, 1. Etage
in Hildesheim


Wider den Terror
In diesem interkulturellen Multimediaprojekt geht es um eine wechselseitige Annäherung und einen Austausch über die deutsche und marokkanische Kultur. „Verbunden damit ist das Ziel eines besseren Verständnisses füreinander in Bezug auf die jeweiligen politischen Realitäten, die Wertvorstellungen, den Glauben, das Selbstverständnis als Männer und Frauen, die Situation der Jugendliche in ihren Ländern, den Abbau von Vorurteilen durch die intensive Begegnung miteinander im Theaterprojekt“, beschreibt Birgit Klosterkötter-Prisor. Das Projekt verstehe sich als Beitrag zu dem Ideal eines friedlicheren Zusammenlebens beider Kulturen zwischen Okzident und Orient vor dem Hintergrund von Gewalt und Terror.

Die Inszenierung
Das Stück „Les Bleues et Les Jaunes“ – „Die Blauen und die Gelben“ will Lebenswelten annähern: Die Blauen und die Gelben leben zunächst jeweils in ihrer eigenen Welt, ihrem Land nebeneinander her ihr eigenes Leben. Auf deutscher Seite werden verschiedene Szenen der deutschen Gesellschaft gezeigt:
Das hektische Leben in einer Bahnhofshalle, das Großstadtleben in der deutschen City, Einzelschicksale deutscher Jugendlicher, ihre Sexualität, ihre Geselligkeit beim Feiern, ihre Musik, ihre Lieder und Songs, ihr Alltag, ihr Umgang mit Fremden, ihre Beziehung zum Geld und zu ihrem nationalen, politischen Selbstbewusstsein.

Auf der anderen Seite zeigen die marokkanischen Jugendlichen ihre Welt auf ihre Weise. Dann kommt es zu einer Begegnung. Einige Blaue gehen zu den Gelben.  Nach und nach verlieren sie ihr Fremdsein, ihre Unwissenheit voneinander und befreunden sich.

Zurück bei Ihresgleichen sehen sie die Vorurteile und Vorwürfe gegenüber den Fremden mit ganz anderen Augen. Als die Blauen und die Gelben erneut zusammenkommen, machen sie die Vorurteile und Ängste ihrer jeweiligen Gruppe zum Thema und lernen sich so im Dialog, in Auseinandersetzung mit ihrem Anderssein intensiver kennen. Dies vollzieht sich in inhaltlicher Arbeit im szenischen Spiel, im Musizieren, Tanzen und Singen.

Am Ende werden durch diesen Austausch aus den Blauen und den Gelben die Grünen.  Allerdings werden sie nur in ihrer Mitte, ihrem Herzen „grün“.  Außen behalten sie ihre eigene Farbe.
Dies soll zum Beispiel durch die Verschmelzung westlicher und orientalischer Musik in der Weltmusik, dem Jazz, musikalisch dargestellt werden.

Die Szenen spielen auf der Bühne mit SchauspielerInnen, TänzerInnen, MusikerInnen während im Hintergrund auf der Leinwand Gewaltszenen laufen, die das unversöhnliche Gegeneinander in unserer Welt zeigen: den Kampf der Rassen, der Religionen, der Geschlechter, der Generationen.

Das Projekt
Die Hildesheimer und die marokkanische Theatergruppe haben  zunächst getrennt voneinander - aber im Kontakt über das Internet -  ihre Szenen erarbeitet. Jetzt sind die marokkanischen Studierenden für eine Woche nach Deutschland an die HAWK in Hildesheim gekommen (Ankunft Sonnabend, 6. Mai 2006), um gemeinsam mit den deutschen Studierenden an dem Stück zu arbeiten und die Szenen beider Seiten zu einer Inszenierung zusammen zu fügen.

Danach arbeiten beide Gruppen in ihren Ländern getrennt weiter, bevor sie dem Stück Mitte Juli an der Universität in Casablanca gemeinsam den letzten Schliff geben. Vom 21. bis zum 29. Juli 2006 nimmt die gesamte Theatergruppe dann an dem Internationalen Theaterfestival der Universität von Casablanca, dem „Festival International De Theatre Universitaire de Casablanca du 21 au 29 Juillet 2006“ teil.

Förderung
Finanziell gefördert wird das ehrgeizige interkulturelle Projekt von der Bundesarbeitsgemeinschaft Spiel & Theater, dem Zentrum für interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der HAWK und der Uni Hildesheim, vom Goethe-Institut und der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Der Anfang
Prof. Dr. Birgit Klosterkötter-Prisor hat sich in Kooperation  mit der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) Spiel & Theater schon seit zwei Jahren für den deutsch-marokkanischen Dialog engagiert. Im April 2004 hat sie an einer Fachtheater-Reise nach Marokko teilgenommen. Im November 2005 besuchte eine Delegation von marokkanischen TheaterstudentInnen aus Casablanca das von ihr geleitete Theaterseminar „Kultur und Identität“. Im Dezember 2005 schließlich war Klosterkötter-Prisor Delegationsmitglied eines Austausches deutscher und marokkanischer Theaterfachkräfte aus Casablanca und Rabbat in Marokko. Aus diesen Kontakten ist das Theaterprojekt für Casablanca entstanden.

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