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"Man arbeitet keine Nächte durch, wenn man sich nicht zutiefst interessiert"

Hildesheimer HAWK-Absolvent Sven Peters baut Wolkenkratzer in New York

Der „Bank of America Tower at One Bryant Park“ als Computergrafik.

HAWK-Absolvent Sven Peters

Wer als Architekt hoch hinaus will, baut Wolkenkratzer? Das muss nicht sein, kann aber – wie das Beispiel Sven Peters’ aus Hildesheim zeigt. Wobei Sven Peters mit Wolkenkratzern zunächst wirklich gar nichts im Sinn hatte. Genau genommen wusste er nicht einmal, wohin sein Weg ihn führen sollte.

Sven Peters hat an der HAWK-Fakultät Bauwesen in Hildesheim Architektur studiert und 2002 sein Diplom gemacht. Bis heute sind sechs Jahre verstrichen und der 32-Jährige kann schon eine außerordentliche Vita vorweisen, die von zwei besonderen Eigenschaften erzählt: Erkenntnishunger gepaart mit Durchhaltevermögen.

Auf den ersten Blick ist dem großen, schlanken Mann die Energie nicht anzusehen. Nur die braunen Augen leuchten leidenschaftlich. Erzählt er dann mit sanfter Stimme und bescheidenen Worten seine faszinierende Geschichte, dann entwickelt sich das Bild einer ganz besonderen Persönlichkeit.

Mit den Besonderheiten fing es bei Sven Peters schon während des Studiums in Hildesheim an. Im Rahmen des Studiums hatte er wie alle Kommilitonen ein Praxissemester zu absolvieren. Sven Peters entschied sich für das Architekturbüro Marquardt in Hildesheim. So weit, so normal. Seine Arbeit dort war lehr- und erfolgreich und hätte unbedingt schon zur Diplom-Zulassung gereicht. Peters aber befand, dass er eigentlich noch mehr Erfahrungen sammeln wolle und sich doch ein wenig Zeit lassen könne. Ein weiteres, freiwilliges Praxissemester im Ausland schwebte ihm vor.

Amerika war sein Ziel. Er suchte Kontakt zur Architekturbüros in New York, San Francisco und Los Angeles. Telefonieren musste er wegen der Zeitverschiebung des Nachts. Erfolgreich waren seine vielen Versuche jedoch vorerst nicht. Eines Nachts schlief er sogar ein. Als er gegen Mitternacht wieder aufwachte, reichte es ihm.  Kurzerhand rief er das amerikanisches Branchenbuch im Internet auf, tippte auf ein Architekturbüro auf Hawaii, rief an, bekam Kontakt und die Zusage.

Sven Peters ging nach Hawaii und seine Zeit dort widersprach so ziemlich jedem bekannten Klischee von dolce Vita: „Ich arbeitete vornehmlich als Zeichner für Luxus-Residenzen. Oft zeichnete ich Tag und Nacht. Die Sonne habe ich höchstens am Wochenende gesehen. „Es war hart.“ Er hat durchgehalten. Wieder zuhause in Hildesheim hat er das Diplom mit „Sehr gut“ bestanden. Doch die Stellensituation für Architekten 2002 war denkbar schlecht. Außerdem hatte Sven Peters noch eine andere Rechnung offen.
„Ich hatte die besten Grundlagen, die ich bekommen konnte, jetzt wollte ich noch die Theorie vertiefen.“ Wie das geht? Bewerbung um ein Stipendium. Exzellente Noten und eine offensichtlich überzeugende Auswahlprüfung brachten die Zusage für das weltweit renommierte Fulbright-Stipendium am privaten und ebenso ehrwürdigen Pratt Institute im Herzen von Brooklyn. Rund 13.000 Dollar kostet das Studium dort pro Semester.

Im August 2003 ging Sven Peters nach New York. In einer der in jeder Hinsicht aufregendsten Städte der Welt arbeitete der Hildesheimer wieder fast Tag und Nacht. Sein Kommentar: „Es war hart.“ Denn seine Aufgabe war neben den Projekten, französische Philosophen auf Englisch zu lesen, zu verstehen, Architektur-Philosphie zu durchdringen, darüber auf Englisch zu diskutieren und schließlich eine vierzigseitige Thesis zu verfassen. Er hat durchgehalten. Wie? „Ich hatte einen riesigen Wissensdurst, die Architektur zu verstehen. Man kann gar keine Nächte durcharbeiten, wenn man sich nicht zutiefst interessiert.“

Zwei Semester hatte das Fulbright-Stipendium finanziell getragen. Für das Abschlusssemester haben die Eltern aus Hildesheim einen Kredit für ihn aufgenommen, den er selbst abbezahlt. Im Frühjahr 2005 erhielt Sven Peters seinen „Master of Architecture – Post professional“ vom Pratt Institute. Seine Arbeit hat den Titel: „ Flux in Architecture - Sustainable Design and the Logics of Flow“ (Nachhaltiges Design und die Logik des Fließens“).

Doch die Rückkehr nach Hildesheim war einfach noch kein Thema und Sven Peters nutzte eine Chance, die Aufenthaltserlaubnis zu verlängern. Fulbright lässt nach dem Abschluss noch ein 18-monatiges „academic training“ vor Ort zu . Auf Empfehlung eines Vorgänger-Stipendiaten kam er zu „Cook+Fox Architects“. Dort stellte man ihn zum „academic training“ ein. Trainingsthema: einer der höchsten Wolkenkratzer New Yorks, der Bau des „Bank of America Tower at One Bryant Park“.
„Das war unglaublich, dass ausgerechnet ich daran mitwirken durfte. Meine Aufgabe war, die Lobby zu entwerfen“, beschreibt Peters immer noch völlig begeistert.

Der Bank of America Tower ist mit 288 Metern und 55 Stockwerken eines der höchsten Gebäude New York Citys. Es ist der erste Wolkenkratzer der Stadt, der für seine energetische und umweltschonende Bauweise mit dem so genannten „LEED Platinum“, der höchsten Auszeichnung des „US Green Buildung Council“ ausgezeichnet werden soll.

Eigentlich war Sven Peters unterdessen selbst ein New Yorker. Er hatte eine Freundin und liebte auch die Stadt leidenschaftlich. Doch dann war wirklich Schluss. Das Stipendium hat die unabänderliche Bedingung, für mindestens zwei Jahre nach Hause zurückzukehren zu müssen. „Im September 2006 musste ich gehen. Es fiel mir  schwer. Von New York zurück ins Kinderzimmer bei den Eltern.“

Mit neuer Arbeit in Hildesheim gab’s keine Probleme. Sein alter Freund und Kommilitone Sven Hirsch hat ein eigenes Büro, „Hirsch Architekten“, nahm ihn sofort unter Vertrag und so arbeitet Sven Peters jetzt an Projekten wie „Neues Wohnen am Steinberg“ in Hildesheim-Ochtersum. Bei dem Architektenwettbewerb gehörte das Büro Hirsch übrigens als einziges ortsansässiges zu den Ausgezeichneten. Sogar an die HAWK ist Sven Peters zurückgekehrt. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe  „Architekturwerkstatt“ an der Fakultät Bauwesen hat er jetzt einen Vortrag gehalten. Sein Thema: „Wohnen in New York / Skizzen“.
Er war auch viel in New York in den letzten eineinhalb Jahren. Die Sache mit der Freundin ist auseinander gegangen, die mit der Stadt nicht. Eines Tages wird Sven Peters dort leben und von Hildesheim erzählen – und nicht umgekehrt. Die Stelle bei „Cook+Fox Architects“ bleibt bis dahin für ihn frei. Das ist versprochen.

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