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"Ein Korsett, das wir unseren Kindern nicht zumuten sollten"

HAWK-Fakultät Naturwissenschaften und Technik zeigt interaktive Ausstellung "Technik im Korsett"

Studiendekanin Prof. Dr. Gisela Ohms blickt in die Männerwelt der Ausstellung „Technik im Korsett“. Was sie sieht, wird nicht verraten.

Eröffnung der Ausstellung „Technik im Korsett“ an der HAWK-Fakultät Naturwissenschaften und Technik

„Wir schnüren uns ein, was die Innovationsfähigkeit des Landes anbelangt“, betonte Brigitte Doetsch, Gleichstellungsbeauftragte der TU Braunschweig, die die Wanderausstellung „Technik im Korsett“ mitkonzipiert hat. Es sei bekannt, dass gemischte Forscherteams sehr viel kreativer seien. Wir dürfen das Potenzial von jungen Frauen nicht mehr ignorieren.“

Die Ausstellung „Technik im Korsett“ an der Göttinger HAWK-Fakultät Naturwissenschaften und Technik geht der Bedeutung des Technikbegriffs nach, der Frage woher die Gleichsetzung von Technik mit Männlichkeit kommt und der Frage warum Frauen in den Ingenieurwissenschaften nach wie vor stark unterrepräsentiert sind. Sieben interaktive Ausstellungsmodule führen die historisch-kulturelle Doppelbedeutung des Technikbegriffs vor Augen, zeigen ein Kaleidoskop von Techniken aus dem Alltag und bieten einen Überblick über den heutigen Stand der Ingenieurausbildung.

Ingrid Haasper, die HAWK-Gleichstellungsbeauftragte und Projektleiterin Familiengerechte Hochschule, hatte die Ausstellung nach Göttingen geholt. Sie hob den doppelten Gewinn für Gesellschaft und Wirtschaft hervor, wenn die Technik nicht mehr auf die Kompetenzen von Frauen verzichtete und die Frauen ihre Fähigkeiten in technischen Berufen entdeckten.

„Bei einem Korsett fällt mir zunächst ein, dass es sehr eng ist und nicht viel Raum für Bewegung gestattet. Technik hingegen benötigt Freiräume, Kreativität und Inspiration, um sich sinnvoll zu entwickeln“, sagte Prof. Dr. Manfred Bußmann, Dekan der Fakultät Naturwissenschaften und Technik, und füllte bei seiner Begrüßungsrede den Ausstellungstitel mit Geschichte: „Wenn wir Menschen den Versuch gestartet haben, technische Entwicklungen einzuschränken, in ein Korsett zu zwängen, war das Ergebnis meistens nicht von Erfolg gekrönt. Ich denke dabei zum Beispiel an die politische Entscheidung in der DDR, dem Zweitaktmotor bei der technischen Entwicklung gegenüber dem Viertaktmotor den Vorrang zu geben. Das Ergebnis war, dass über lange Zeit nur der Trabbi fuhr, obwohl es schon längst technisch und ökologisch bessere Lösungen gab.“

„Wir sollen und dürfen unseren Kindern kein Korsett anlegen, wenn es um so wichtige Entscheidungen wie den Beruf geht“, forderte Bußmann. Gerade als Vater von zwei Töchtern und einem Sohn sei er sehr daran interessiert, dass Kinder die Möglichkeit bekämen, sich frei zu entscheiden. „Haben unsere Kinder aber tatsächlich die freie Wahl? Oder sind sie vielleicht schon eingeschränkt, weil wir ihnen nur einen Ausschnitt der umfassenden Möglichkeiten vor Augen führen?“ Bussmann betonte: „Noch immer leben wir in festgefahrenen, geschlechtsspezifischen Rollen und haben Mühe, diese zu durchbrechen. Dies ist ein Korsett, das wir unseren Kindern nicht zumuten sollten.  Noch immer werden Naturwissenschaften und Technik geschlechtsspezifisch als typische Männerdomäne dargestellt.“

Allerdings liege ihm auch am Herzen, den Alltag in Industrie und Hochschule auch realistisch darzustellen. So seien beispielsweise hier an der Fakultät Naturwissenschaften und Technik nicht nur Ingenieure, sondern auch Ingenieurinnen beschäftigt. Es gebe an der Fakultät junge Mütter im Vollzeitjob einer Professorin, während der Mann die Familienphase in Anspruch nehme und ein allein erziehender Kollege reduziere gerade seinen Vollzeitjob auf einen Teilzeitjob, weil er mehr Zeit mit seiner Tochter verbringen wolle.  An der HAWK als familiengerechter Hochschule bewege sich also etwas.


Die Ausstellung „Technik im Korsett“ ist bis zum 4. Juni an der HAWK-Fakultät Naturwissenschaften und Technik, Von-Ossietzky-Straße 99, 37085 Göttingen, zu sehen. Geöffnet ist sie werktags von 9 bis 18 Uhr.

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