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Klaus: "Hochschulen brauchen weniger Belehrungskultur und mehr Lernkultur"

HAWK gründet Institut für interdisziplinäre Wissenschaften (IIW) mit einem Festakt in Hildesheim

Die Gründungsmannschaft des IIW: (v.l.n.r.) Kolbeck, Bringmann,  Borbe,  Scholz-Bürig,  Bauer,  Siebrecht, Tröder, Gottlieb, Klaus, Roser und Teichmann

Im Rahmen eines Festaktes hat die HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaften und Kunst das Institut für interdisziplinäre Wissenschaften gegründet. Das Institut bietet künftig intern wie extern Lehr- und Fortbildungsveranstaltungen im Bereich Schlüsselqualifikationen an. Als zentrale und landesweit in dieser Form einmalige Einrichtung wird das IIW der HAWK ein besonderes Profil geben. Das Institut hat ein Finanzvolumen von rund zwei Millionen Euro.

 

„Unter Schlüsselkompetenz verstehen wir alle Kompetenzen, die über rein fachliche Kenntnisse und Fähigkeiten hinaus Türen aufschließen, Zugänge eröffnen und gesellschaftliche Teilhabe in einem umfassenden Sinne ermöglichen;
dies beinhaltet sowohl Orientierungswissen im Sinne eines Studiums Generale als auch die Fähigkeit zur Selbstreflexion. Es geht darum, fachübergreifendes und interdisziplinäres in den Curricula so mit fachlichen Inhalten zu verbinden, dass kein oberflächliches und mechanisches Ausbildungskonzept entsteht“, sagte HAWK-Vizepräsident Prof. Dr. Georg Klaus und zitierte damit den Stifterverband für die deutsche Wissenschaft.

Für die HAWK sei Bildung ein Teil von Ausbildung, ein kulturelles Kapital, das in bestimmten Kontexten Zugang zu Führungspositionen ermögliche, sagte Klaus und verwies auf die Aktualität des von Wilhelm von Humboldt im 19. Jahrhundert geprägten Bildungsbegriffes, der im Wesentlichen drei Aspekte beinhaltet: Wissen zu vermitteln, die Urteilskraft des Menschen zu stärken und ihn zur Selbstständigkeit zu befähigen, um damit auch   Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. An diesem Dreiklang - Wissen, Urteilskraft und Selbstständigkeit – werde sich auch in Zukunft nichts ändern. Es sei jedoch zu erwarten, dass insbesondere die Aspekte Urteilskraft und Selbstständigkeit  erheblich an Bedeutung gewinnen werden. Dies führe zwangsläufig zu einem Umdenken in den Hochschulen, zu weniger Belehrungskultur und mehr Lernkultur, betonte Klaus.

Er wies in seiner Rede auch auf einen weiteren Punkt hin: der wachsende Bedarf an wissenschaftlicher Weiterbildung.Der wissenschaftliche und technologische Fortschritt verändere die Arbeits- und Berufswelt rasant. Als Folge davon wachse überall im Beschäftigungssystem der Anteil der Arbeitsplätze, die eine Qualifikation auf dem Niveau wissenschaftlicher Aus- und Weiterbildung erfordere.

Klaus: „Zudem stehen die Unternehmen vor der Herausforderung, ihre Mitarbeiter angesichts der rasanten technischen und wissenschaftlichen Entwicklung verstärkt auf Hochschulniveau zu qualifizieren. Diese Entwicklung wird außerdem durch den sich abzeichnenden demographischen Wandel überlagert und verstärkt. Wir müssen erkennen: Ein Studium ist nicht eine für die gesamte berufliche Karriere ausreichende und in sich geschlossene Ausbildung.

Mit wachsender Spezialisierung im Laufe des Berufslebens und mit den sich stetig verändernden Anforderungen, sagte Klaus, entstehe ein Bedarf an wissenschaftlicher Weiterbildung, der sich auf einzelne Module bis hin zu (berufsbegleitenden) Master-Studiengängen erstrecken könne. Es entstehe somit quasi ein unsichtbares Gummiband zwischen den Studierenden und der HAWK. Mit der Einrichtung eines eigenen Instituts für interdisziplinäre Wissenschaften setze die HAWK Hildesheim / Holzminden / Göttingen ein deutliches Signal, das der zunehmenden Bedeutung dieser Lehrgebiete Rechnung trage.


Das Institut für interdisziplinäre Wissenschaften versteht sich als zentrale, multiprofessionelle Organisationseinheit für die hier angesiedelte, interdisziplinäre Lehre und Forschung an der HAWK. Klaus betonte: "Das IIW hat eine Brücken- und Integrationsfunktion:

- Es stärkt die Interdisziplinarität der Studiengänge an der HAWK durch
  ein fakultätsübergreifendes Studienangebot; das spezifische Fachwissen
  wird durch übergreifendes Zusatzwissen erweitert,

- es  fördert die Erweiterung des Fachwissens durch Vernetzung und
  Grenzüberschreitung von Wissensgebieten,

- es intensiviert den fächerübergreifenden Dialog bzw. die interdisziplinäre    
  Zusammenarbeit in den Lehrveranstaltungen und leistet damit einen   
  Wichtigen Beitrag zur Integration Studierender unterschiedlicher  
  Fakultäten,                                                                                                                               

- es fördert die Entwicklung von kultureller, sozialer und ethischer
  Kompetenz,

- es intensiviert den Austausch zwischen aktueller Forschung und Lehre;
  es aktualisiert laufend sein Studienangebot und reagiert unmittelbar auf
  sich wandelnde Rahmenbedingungen in Wissenschaft und Gesellschaft,

- es vermittelt fächerübergreifende, internationale Reflexions- und 
  Handlungskompetenz und fördert den wissenschaftlichen und kulturellen
  Austausch und

- es fördert die Interaktion zwischen Hochschule und Gesellschaft, auch in
  ihrem regionalen Kontext."


Die Arbeitsfelder der neuen Einrichtung stellte der Leiter des IIW, Prof. Heinz-Dieter Gottlieb, vor: „Als zentrale Einrichtung der HAWK ist es Aufgabe des IIW, neue Lern- und Lehrformen einzuführen,  die spezifische Lehre der Fakultäten  zu ergänzen und  interdisziplinär zu vertiefen sowie ein wissenschaftliches Weiterbildungsangebot unter Vernetzung der Lernorte  für alle Interessierten zu entwickeln und regional anzubieten.

Hierzu gliedert sich das IIW in vier Säulen:

- Service und Kommunikation 
- Lernort HAWK 
- Lebenslanges  Lernen
- HAWK Sprachenzentrum.“

 

Service und Kommunikation beinhaltet die Themen Campusmanagementsystem (StudIP) und die Einführung neuer Lern- und Lehrformen. Verw.-Prof. Dr. Maria Kuhl führte die Festgäste in aktuelle und in zukünftige Formen des E-Learning und des so genannten Blended Learning ein. Blended Learning bedeutet eine Mischung aus E-Learning und Präsenzzeiten an der Hochschule. Fazit der Expertin: Die neuen internetgestützten Lernformen werden bisherige nicht ersetzen, aber ergänzen müssen und können.

Zum Bereich Lernort HAWK gehören die Schlüsselkompetenzen. Im kommenden Wintersemester reicht die Bandbreite der vom IIW angebotenen Veranstaltungen von Fragen der Verantwortungskompetenz und Ethik, Basiswissen z. B. in den Bereichen Wirtschaft und Recht, über das Innovationsmanagement und interdisziplinäre Kommunikation, E-Commerce und E-Publishing bis zu Präsentation und Gender sowie fast selbstverständlich der Bereich der Existenzgründung. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang besonders neue fakultäts- und standortübergreifend gestaltete und durchgeführte Veranstaltungen, nämlich „Bauen, Wohnen und Gesundheit“ sowie „In Bewegung bleiben“. Derartige Veranstaltungen sind für das IIW richtungweisend.


Unter Lebenslangem Lernen versteht die HAWK Weiterbildungsangebot für Ehemalige wie für extern Interessierte.
Das HAWK Sprachenzentrum, nimmt in Kürze seine Arbeit im ersten Schritt mit einem gestuften online-Angebot in Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch für alle Studierenden sowie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf, das zu jeder Zeit,  an allen Standorten und (sofern ein Internetanschluss vorhanden ist) auch von außerhalb zugänglich sein wird. In einer launigen Präsentation führte Anke Tröder durch das Sprachenprogramm und stellte der Runde auch gleich Tim vor. Tim ist der virtuelle Betreuer und Begleiter der Englisch Lernenden.

Prof. Dr. Christoph Gerlach  ließ sich in seiner Ansprache einen Rückblick auf die Ursprünge und Ideale der Universität nicht nehmen. Wilhelm und Alexander von Humboldt seien Gelehrte, deren Werke aktueller denn je seien und deren universelle Gedankenwelt heute noch beispielhaft sein sollten. Gerlachs Geschenk an das IIW: Eine Ausgabe des Humboldtschen Werkes „Der Kosmos“.

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