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"Technik und Ethik" war zunächst ein Geheimtipp

HAWK-Präsident Thren beruft Dr. Marion Pusch zur Honorarprofessorin

(v.l.n.r.) Präsident Prof. Dr. Martin Thren, Honorarprofessorin Dr. Marion Pusch, Laudator Prof. Dr. Axel Stödter und Dekan Prof. Dr. Alfred Breukelman

„Wir möchten Sie für Ihr bisheriges Engagement auszeichnen, aber auch für Ihre Bereitschaft, sich weiterhin für die HAWK einzusetzen und gemeinsam mit uns die Entwicklung der Hochschule voranzutreiben.“ Mit diesen Worten hat HAWK-Präsident Prof. Dr. Martin Thren jetzt Dr. Marion Pusch zur Honorarprofessorin berufen. Pusch lehrt das Modul „Verantwortungskompetenz, Ethik und Interdisziplinäre Kommunikation“ an der Fakultät Bauwesen in Hildesheim. Sie ist seit elf Jahren als Lehrbeauftragte an der HAWK tätig.

Alles begann 1997, wie Prof. Dr. Axel Stödter in seiner launigen Laudatio beschrieb: Zu dieser Zeit  „wurde an unserer Fachhochschule von mehreren Angehörigen des ehemaligen Fachbereiches Bauingenieurwesen die Einführung von philosophischen und dort besonders Fragen an der Schnittstelle von Technik und Ethik in den Lehrplan erwogen“. Es habe sich – in alphabetischer Reihenfolge – auf jeden Fall um die Professoren Bretschneider, Ostkamp und Toepfer gehandelt. „Technik und Ethik“ hieß denn auch tatsächlich der erste Lehrauftrag für Marion Pusch. „Dieses Seminar war zunächst der Geheimtipp unter den Wahlpflichtveranstaltungen, dann bald sehr beliebt, sogar Wartelisten existierten“, berichtete Stödter den Gästen der Feierstunde im Senatssaal am Goschentor.

Stödter schilderte den Werdegang von Marion Pusch. Sie „wird in Hannover geboren und erwirbt nach einer Ausbildung zur Floristin die Hochschulzugangsberechtigung über eine Immaturenprüfung. Sie studiert an der Universität Hannover in elf Semestern Gartenbau, der akademische Grad lautet ‚Diplom-Agraringenieurin’. Nach einem guten Jahr als Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Lehr-und Versuchsanstalt für Gartenbau tritt sie ihre erste Stelle in der Wirtschaft in der Verkaufs- und Personalleitung an. Weitere Stellen als Key-Account-Managerin, Content-Managerin und als stellvertretende Geschäftsführerin folgen, bevor sie sich als Unternehmens- und Management-Trainerin selbstständig macht und inzwischen für kleine wie große Firmen bis hin zu Continental und VW Coaching arbeitet.

Doch was tut sie? Zur Beantwortung dieser Frage hilft ein Blick auf ihre wissenschaftlichen Aktivitäten. Sie fertigt am Institut für Landschaftspflege und Naturschutz der Universität Hannover in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl II für Philosophie der Universität Bamberg eine Dissertation an zum Thema ‚Revision des Mensch – Natur – Verhältnisses – Ethische und ganzheitliche Ansätze für die universitäre Lehre’ und wird 1997 zum Doktor rerum horticulturarum, also der Gartenbauwissenschaften, promoviert. So stellt sich neben die naturwissenschaftliche Ausbildung die philosophische mit dem Schwerpunkt auf ethische Fragen. Dass alle Prüfungen mit ausgezeichneten Ergebnissen abgelegt werden, ist nicht verwunderlich, soll aber hier erwähnt werden.

Schon 1998 ist Dr. Pusch als Dozentin an der Hermann-Knoblauch-Akademie in Hannover im Bereich Ethik und Interdisziplinarität tätig. Später kommen die Fachhochschule und die Universität Hannover hinzu, hier zu den Themen „Werteorientierte Führungs- und Unternehmenskultur“, „Design und Ethik“; „Umwelt und Ethik“. Sie
übernimmt Ehrenämter als Mitglied im „Deutschen Netzwerk Wirtschaftsethik“ mit dem Veranstaltungsforum „Wertesalon“ und als stellvertretende Vorstandsvorsitzende des
„Netzwerkes für interdisziplinäre Ursachenforschung e. V.“. Fachveröffentlichungen und viele Vorträge runden das wissenschaftliche Profil von Dr. Marion Pusch ab.“

Provokant fragte Laudator Stödter dann in die Runde: „Aber brauchen wir eine Auseinandersetzung mit solchen Themen bei uns an der HAWK? Ich sage: Nein!
Wenn keine weltweite Finanzkrise aufgrund menschlichen Fehlverhaltens zustande käme, wenn es kein ökologisches Tontaubenschießen auf unseren Globus aus reinem Gewinnstreben gäbe, wenn wir keine Bestechungsskandale in der nationalen und internationalen Bauindustrie hätten, wenn Manager sich weniger um ihre persönliche Bereicherung kümmerten als viel mehr um das Wohlergehen von Unternehmen und Mitarbeitern, wenn wir keine Ellenbogen bei Team-Aufgaben spürten –  dann wäre die Arbeit von Marion Pusch an unserer HAWK überflüssig. So aber erhalten unsere Studierenden nicht nur eine fachlich fundierte Aufgabe, sie setzen sich mit persönlichen und gesellschaftlichen Werten auseinander, sie lernen, miteinander zu sprechen und zusammenzuarbeiten.“

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