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Vor 50 Jahren: Eine Woche täglich acht Stunden Prüfung zum Bauingenieur

Sieben Absolventen besuchen zum 50. Zeugnisjubiläum die HAWK-Fakultät Bauwesen in Hildesheim

Geballte Erfahrung im Video-Interview

v.l.n.r.: Hinten: Axel Geilenberg, Heinz Knöchelmann, Dieter Hagemeier - Vorne: Bernhard Schulz, Hans-Jürgen Geitner, Alfred Breukelman, Carl Mohwinkel, Günter Kasten

HAWK-Radio - Die Sendung bei Radio Tonkuhle

Vor fünfzig Jahren hieß die HAWK-Fakultät Bauwesen am Hohnsen noch Staatsbauschule Hildesheim. Unter anderem sieben heute sehr gestandene Herren bekamen damals ihr Zeugnis ausgehändigt und starteten in die Berufswelt. Es war das Jahr 1959, in dem Heinrich Lübke Präsident der gerade zehn Jahre alten Bundesrepublik und Fidel Castro kubanischer Ministerpräsident wurde, das Jahr, in dem die damalige Sowjetunion mit der ersten unbemannten Raumsonde auf dem Mond landete. Vieles war damals ganz anders als heute. Carl Mohwinkel und Hans-Jürgen Geitner aus Hildesheim, Axel Geilenberg aus Braunschweig, Günter Kasten und Heinz Knöchelmann aus Hannover, Dieter Hagemeier aus Gehrden und Bernhard Schulz aus Wolfenbüttel – alle rund ein dreiviertel Jahrhundert alt,  sind zur Feier ihres 50. Zeugnisjubiläums an die Fakultät Bauwesen gekommen und haben von alten Zeiten erzählt.

Das Studium teilte sich auf in Hoch- und Tiefbau. Wer in Hildesheim graduierter Bauingenieur werden wollte, musste vorher schwierige Aufnahmeprüfungen bestehen und bereits über grundlegende Kenntnisse des Bauwesens verfügen. Eine handwerkliche Ausbildung als Maurer, Tischler oder Zimmermann sowie ein handschriftlicher Lebenslauf waren nur einige der vielen Vorraussetzungen, um sich überhaupt für dieses Studium anmelden zu dürfen.
Fünf Semester waren 1959 die Regelstudienzeit. Bei den schriftlichen Prüfungen saßen die Prüflinge eine Woche lang täglich acht Stunden in der Aula am Hohnsen.

So staunt Prof. Dr.-Ing. Alfred Breukelman, Dekan der Fakultät Bauwesen, nicht schlecht, als er die Prüfungsakten von 1959 studiert. „Was damals gefordert wurde, war anspruchsvoll, kompakt und intensiv“, sagt der im Jahr 1959 Geborene mit hochgezogenen Augenbrauen.
Entsprechend groß ist Breukelmans Respekt vor seinen heutigen Gästen. Alle sieben Anwesenden haben im Frühjahr 1959 genau diese Prüfungsleistungen erbracht.

Fröhlich ergänzen sie Breukelmans Begrüßungsrede: „1959, das war eines der besten Weinjahre überhaupt“ und „als Bauingenieur haben wir monatlich 555  Deutsche Mark verdient!“ Sie alle erinnern sich an ihr Studium, als wäre es gestern gewesen. „Das war ganz eindeutig die schönste Zeit meines Lebens“, versichert Hans-Jürgen Geitner. „Wir haben viel gearbeitet, aber auch ordentlich gefeiert. Nach dem Unterricht sind wir immer zu Winkelhoff (so hieß eine Kneipe gegenüber) gegangen. Das haben wir dann auch richtig durchgezogen“, berichten er und seine ehemaligen Kommilitonen und lachen.

Auch heute interessieren sie sich noch für die Ausbildung und die Veränderungen, die stattgefunden haben. Sie lassen sich von Professor Breukelman erklären, warum und wieso Schlüsselqualifikationen und interdisziplinäres Lernen so wichtige Fähigleiten neben dem Fachwissen geworden sind.
Heute würden sie alle wieder an der HAWK studieren. Viele ihrer Kinder und Enkel haben ebenfalls hier ihren Abschluss gemacht. „Ich habe in meinem Leben die Erfahrung gemacht, dass viele Chefs gerne auf Absolventen von der HAWK zurückgreifen. Gerade wegen der vielen praktischen Erfahrungen, die vor und während des Studiums gesammelt werden“, erklärt Günter Kasten. Ob sie selbst gut vorbereitet waren auf das Berufsleben, bejahen sie ohne zu zögern. „Ich habe über 400 Einfamilienhäuser geplant und umgesetzt“, resümiert Geitner. „Ich denke, diese Zahlen sprechen für sich.“
Die Ehemaligen schätzen ihren damaligen Klassenverband. In Verbindung mit der strikten Ausbildung hätte das sehr zusammengeschweißt. Jedes Jahr treffen sie sich aufs Neue, und jedes Mal wird ein anderer gewählt, der das Programm dafür organisiert. Zum fünfzigsten Jubiläum hatten sie allesamt den Wunsch geäußert, ihre alte Ausbildungsstätte zu besichtigen.
Dann stöbern alle durch ihre Prüfungsakte. Null Grad Celsius kalt war es an einem Tag in der Aula. „Die Gebäude der Hochschule waren noch im Aufbau. Die Heizungsanlage musste noch eingebaut werden. Wir wurden deshalb in unser Klassenzimmer verlegt“, erklärt Carl Mohwinkel und fügt grinsend hinzu: „Das war gut, denn dort konnte man leichter zu seinem Nachbarn schauen.“

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