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Wie Wohnen in hundert Jahren aussehen könnte

Ideenwettbewerb des Verbandes der Wohnungswirtschaft, der gbg Hildesheim und der Kreiswohnbau Hildesheim lässt HAWK-Studierende in die Zukunft blicken

Wie Wohnen in hundert Jahren aussehen könnte, zeigt die Grafik des Conifer-Towers der HAWK-Studierenden Beatrice Sikora, Andreas Meyer und Thomas Weber

Alle Wettbewerbsteilnehmer und die Wettbewerbsauslober auf einen Blick

Es werden zwar nur die wenigsten unter uns erleben, wie, wo und unter welchen Bedingungen die Menschheit in 100 Jahren wohnen wird. Umso spannender sind deshalb die Ergebnisse des studentischen Ideenwettbewerbs „Wohnen in der Zukunft 2109“. Insgesamt 23 Studierende wagten den Blick in die ferne Zukunft. Die Preise wurden jetzt in der Glashalle der Sparkasse Hildesheim in einem feierlichen Rahmen übergeben.

Ausgeschrieben wurde der ungewöhnliche Wettbewerb vom Verband der Wohnungswirtschaft (vdw) zusammen mit der gbg Hildesheim, der Kreiswohnbau Hildesheim und den HAWK-Fakultäten Bauwesen und Gestaltung anlässlich des hundertjährigen Jubiläums des vdw. „Wie begeht man ein solches Jubiläum“, fragte vdw-Verbandsdirektor Bernd Meyer in die große Runde und erklärte, dass der Vorstand sich eindeutig dagegen entschieden hatte, den Blick in die Vergangenheit zu werfen. Viel interessanter wäre es doch, auf die Herausforderungen der Zukunft zu blicken.

So lautete die Aufgabe, einen gebauten Lebensraum für vier Personen zu entwerfen, wie er in 100 Jahren aussehen könnte. In die Überlegungen einbezogen wurden Wertungskriterien wie die allgemeine Organisation des Lebens, Medien, Öffentlichkeit, Bevölkerungsentwicklung, neue Materialien und Konstruktionen, Möglichkeiten der Aufhebung der Schwerkraft, Klimawandel, energiesparendes Bauen und Wohnen sowie Ökologie und Ökonomie.

Die Vorraussetzung zur Teilnahme am Wettbewerb war die gemeinsame Arbeit an einem Workshop im Mai. In fünf Tagen stellten sieben Gruppen ihre Vorschläge zusammen. Die besondere Herausforderung war, dass jede Gruppe sich aus unterschiedlichen Studiengängen und Kompetenzfeldern des Bauwesens und der Gestaltung zusammensetzen musste. Eine willkommene Arbeitssituation für die Studierenden der HAWK. „Schließlich hat die interdisziplinäre Arbeit bei uns eine lange Tradition“, erklärt Professor Günter Weber von der Fakultät Gestaltung, der bereits viele andere Projekte, wie zum Beispiel die Konzeption der Bunsenfactory im Fahrenheitviertel, erfolgreich mit Professor Hans Lamb und dem wissenschaftlichen Mitarbeiter Thomas Kauertz realisieren konnte. 

Erstaunlich findet Weber, dass alle Entwürfe ähnliche Ansätze verfolgen. „Dabei hatten wir dazu angeregt, dass die Studierenden sich mal wieder richtig austoben können.“ Die Jury, bestehend aus Oberbürgermeister Kurt Machens, Stadtbaurat Dr. Kay Brummer, Baudezernent Dipl-Ing. Eckehard Speer, HAWK-Vizepräsident Prof. Dr. Georg Klaus, gbg-Vorstand Jens Mahnken, Kreiswohnbau Geschäftsaführer Dipl.-Ing. Matthias Kaufmann und Prof. Werner Sauer, Dekan der HAWK-Fakultät Gestaltung, hatte sich einstimmig dafür ausgesprochen, keinen der Teilnehmer ohne Preisgeld nach Hause gehen zu lassen. Denn laut dem Gesamturteil war jeder Entwurf in sich stimmig und könnte vielleicht eines Tages auch tatsächlich als Blaupause für das Bauen in der Zukunft zum Einsatz kommen.

Gerade die Berücksichtigung des Klimawandels, der Umgang mit umweltfreundlicher Energiegewinnung und die demografische Entwicklung waren in jeder Idee zu entdecken. Auch ein wichtiges Kriterium der Jury war, dass die Vorschläge glaubwürdig sein sollten.So wurde das Preisgeld von insgesamt 2800 Euro in vier vierte Preise zu je 200 Euro verteilt. Für den dritten Platz gab es 400, den zweiten 600 und den ersten Platz ganze 1000 Euro.

Sieger sind die Innenarchitekturstudentin Beatrice Sikora und Architekturstudent Andreas Mayer, die ihren Erfolg kaum fassen können. Sie sind bei der Preisübergabe nur zu zweit da, der dritte im Bunde, der Architekturstudent Thomas Weber, befindet sich gerade bei seinem Auslandsstudium in Krakau. Ihr gemeinsamer Entwurf heißt „Conifer-Tower“ und ist nach dem Vorbild eines Tannenzapfens (englisch: Conifer) gebaut. Zu seinen Besonderheiten zählt die Oberfläche, bestehend aus einer modernen Photovoltaikhaut, die laut Plan mehr Energie aus Sonnenlicht umwandelt, als das mehr als hundert Meter hohe Gebäude überhaupt jemals verbrauchen könnte. Der besondere Clou sind aber die flexiblen Wohnparzellen, die regelrecht, ganz nach Bedarf, in den überdimensionalen Zapfen eingeschoben werden können. Mit wenig Aufwand können die einzelnen Elemente untereinander nach links, rechts, oben und unten verbunden werden. Auf diese Weise könnte eine Nachbarschaft zwischen einem Ölscheich mit zwanzig Parzellen über drei Etagen neben einem Singe mit einer Parzelle durchaus möglich sein.


Doch nicht nur in den Teams hat das Miteinander gut funktioniert, wie Mahnken abschließend ausdrücklich betont. „Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten war hervorragend. Nur so ist zu erklären, warum die Entwürfe allesamt begeistern konnten. Es war für alle Beteiligten ein ganz toller Wettbewerb.“

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