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Ausstellung der HAWK-Fakultät Gestaltung zeigt Trends der Zukunft

Abschlussarbeiten aus allen Kompetenzfeldern faszinieren die Besucher

Trickfilm-Storyboard von Rafael Gómez-Calcerrada

Die Tooldoll von Nina Fischer

Was haben ein runder Computer für die Hosentasche, ein Trickfilm über Körpersprache und ein Trendsportgerät für Stadt und Wald gemeinsam? Auf den ersten Blick: nichts. Außer, dass sie Teil der Ausstellung der HAWK-Fakultät Gestaltung sind. Hier gab es sämtliche Diplom-, Bachelor- und Master-Abschlussarbeiten des vergangenen Semesters zu sehen. Abwechslung konnte vorausgesetzt werden, denn alle Kompetenzfelder von Advertising Design, Corporate Identity/Corporate Design, Farbdesign, Grafikdesign, Interior-Architecture/Interior-Design, Lighting Design, Metallgestaltung bis Produktdesign sowie kompetenzfeldübergreifende Abschlussarbeiten aus dem Master-Studiengang waren vertreten.  

Familie Hielscher schlendert gerade über die Gänge des Fakultätsgebäudes an der Kaiserstraße. „Wir sind aus purem Interesse hierher gekommen“, erklärt das Trio fröhlich. Jetzt schaut es sich gerade den Trickfilm von Rafael Gómez-Calcerrada an. Der frisch gebackene Bachelor im Bereich Advertising Design liefert gerne Hintergrundinformationen. Es ist eine Auftragsarbeit, die der 31-Jährige mit und für eine Management- und Kommunikationstrainerin erarbeitet hat. Er zeigt die Grundregeln der Körpersprache und fasst wie ein Vokabelheft die Lektionen eines vorausgegangenen Seminars für junge Führungskräfte zusammen. „Das ist meine erste Auftragsarbeit, aber die nächste habe ich schon in der Hand“, freut sich Gómez-Calcerrada. Am liebsten möchte er nun in Agenturen Erfahrungen sammeln. Wenn allerdings genug Aufträge folgen, zieht er die Option als Freiberufler zu arbeiten genauso gerne in Betracht.

Bereits selbständig ist Benjamin Corcelius. Der 26-jährige Diplom-Designer hat sich in seinem Studium auf Fotografie spezialisiert. Für seine Abschlussarbeit im Kompetenzfeld Grafikdesign überzeugt er mit dokumentarischen Fotoserien, die mittig im Raum auf langen Bannern von der Decke bis knapp über den Boden hängend ausgestellt sind. Sie zeigen eine Schauspielerin, einen Rentner, eine berufstätige Mutter, einen Metalldesigner sowie einen Arbeitslosen. Allesamt hat Cornelius in ihrem Alltag mit der Kamera begleitet. „Ich wollte damit eine Art Gegenpol zu allgemein bekannten Netzwerken wie Twitter, Facebook oder Flickr schaffen. Allerdings nicht im „Big-Brother-Stil“, sondern ganz neutral. Keine Situation ist gestellt“, erläutert Corcelius seine selbst gewählte Aufgabenstellung.

Nina Fischer hat ihre Arbeit genau dort angesetzt, wo sie in ihrem ersten Semester noch anfängliche Probleme hatte. Nämlich im Umgang mit dem Fotobearbeitungsprogramm Photoshop. Ihre „Tool Dolls“ beweisen, dass diese Schwierigkeiten nach der Regelstudienzeit von sechs Semestern längst der Vergangenheit angehören. Es handelt sich um spezielle Werkzeugpuppen, die Käufer des Programms zu Übungszwecken zur Verfügung stehen könnten. Sind alle Tutorials gemeistert, können die vormals virtuellen Puppen als handgenähte Fan-Artikel erworben werden. „Als nächstes will ich der Firma Adobe meine Idee präsentieren“, erzählt die 24-Jährige. Außerdem bewirbt sie sich bei Wettbewerben, um sich in der Designerszene einen Namen zu machen.

Besonders großer Andrang herrscht bei den Produktdesignern. Kein Wunder, denn schließlich stehen hier die potentiellen „Must Haves“ der kommenden Saison. „Round One“ heißt nur eines davon. Es ist ein runder Computer im Miniaturformat, passend für die Hosentasche. Darin enthalten sind unter anderem ein Handy, eine Universalfernbedienung sowie drei Kameras mit HDR-Technik. Für Verwunderung sorgen fehlende Anschlussbuchsen. „Musik aus dem Radio oder einem integrierten Player kann mit Round One über kabellose Kopfhörer per Funk konsumiert werden“, grinst Produktdesigner Lorenz Koseck, während er seine Abschlussarbeit vorstellt. Das runde Display erlaubt eine größere Anzeige als bei den meisten handelsüblichen Mobiltelefonen. Statt Reglern und Knöpfen funktioniert die Bedienung bequem mit einer Hand über einen Touchscreen am Rand. Ein weiterer Höhepunkt ist der ökologische Aspekt. Round One benötigt keinen Strom aus der Steckdose. Ist der Akku leer, legt der Nutzer Round One in eine Schale, in der der Mini-Computer per Induktion, also innerhalb eines Magnetfeldes, aufgeladen wird. Die Reaktionen der vielen Besucher sind viel versprechend. „Was soll es kosten, wann kommt es auf den Markt“, seien laut Koseck die meist gestellten Fragen gewesen.

Viele hoffen auch auf die Produkteinführung von Wolfgang-Alexander Lüchows „Urban-Board“. Hier handelt es sich um einen Zwitter aus Snow- und Skateboard. „Ich habe einfach zwei Trendsportarten miteinander kombiniert. Das Urban-Board ist konzipiert zum Befahren von verschneiten Stadtwäldern und kleinen Hängen. Es erlaubt also Snowboarden im urbanen Raum. Um es zu fahren, braucht es keine speziellen Schuhe oder sonstige Ausrüstung“, erläutert Lüchow, der selbst beide Sportarten betreibt und damit über ausreichende Kenntnisse über seine Zielgruppe verfügt. Zwar bedarf es bis zur Einführung noch einiger Verbesserungen. Erste Kontakte zu entsprechenden Firmen sind bereits geknüpft. So ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis mit der richtigen Körpersprache und dem Round One in der Tasche die Städte akrobatisch bezwungen werden. Da werden die Fotografen sicher nicht weit entfernt sein. Und wenn jemand stürzt? Dann gibt es zum Trost eine echte Tool Doll.

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