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Restauratorin Julia Spies bekommt den Hildesheimer Lions-Preis für ihre Arbeit über Ikonenfälschung

1. Lions-Vizepräsident Hans-Christian Kluttig würdigt die wissenschaftliche Leistung der HAWK-Absolventin

Hans-Christian Kluttig (links) ,1. Vizepräsident des Hildesheimer Lions-Clubs, mit der Preisträgerin Julia Spies und HAWK-Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Thren.

Für ihre Diplomarbeit „Ikonenfälschung. Eine historische, ethische und materialkundliche Betrachtung“  ist die HAWK-Absolventin Julia Spies jetzt mit dem Hildesheimer Lions-Preis ausgezeichnet worden. Julia Spies hat die Arbeit an der Fakultät Erhaltung von Kulturgut der HAWK zum Abschluss ihres Studiums im Diplom-Studiengang Restaurierung vorgelegt.

Bei der feierlichen Preisverleihung an der HAWK würdigte der 1. Vizepräsident des Hildesheimer Lions-Clubs, Hans-Christian Kluttig, die besondere wissenschaftliche Leistung von Julia Spies, die sich in ihrer Arbeit sehr fachkompetent und mutig einem heiklen Thema gewidmet habe. Es sei ein Thema, über das der Kunstmarkt lieber den Mantel des Schweigens ausbreite, weil es bei Käufern verständlicherweise Irritationen hervorrufe. Wer wolle schon eine gefälschte Ikone für teures Geld erwerben, oder, noch schlimmer, wer wolle entdecken, dass sich in der eigenen Ikonensammlung auch Fälschungen befänden? Gerade hier sei Aufklärung erforderlich: Käufer und Sammler sollten besser darüber informiert werden, welche Ikonen überhaupt als Fälschungen zu bezeichnen sind und wie man diese identifizieren könne.

Julia Spies definiert in ihrer Arbeit die vielfältigen Formen der Kunstfälschung im Allgemeinen und der Ikonenfälschung im Speziellen, mit den ethischen und religiösen Fragestellungen, welche die bewusste arglistige Fälschung eines Kultbildes mit sich bringt. Mit großer Sachkundigkeit und Sensibilität geht sie auf die unterschiedlichen religiösen und künstlerischen Auffassungen in der westlichen Kunst und in der byzantinischen Kunst ein und analysiert auf dieser Grundlage die vielschichtigen ethischen Aspekte der Ikonenfälschung.

Schwerpunkt der Arbeit ist das Kapitel über die Identifizierung von Ikonenfälschungen mittels kunsthistorischer, naturwissenschaftlicher und restauratorischer Untersuchungen. Dabei wird sehr anschaulich vermittelt, dass eine erfolgreiche Identifizierung von Fälschungen nur in interdisziplinärer Zusammenarbeit möglich ist. Dem Restaurator bezieungsweise der Restauratorin, die die Untersuchungen am Gemälde durchführen und somit die besten Kenner der Materie des Bildes sind, kommt dabei eine besonders wichtige Rolle zu. Julia Spies stellt anhand der von ihr untersuchten Ikonenfälschungen ausführlich und präzise dar, mit welchen naturwissenschaftlichen und restauratorischen Untersuchungsmethoden verbindliche Aussagen über Fälschungen und die dabei angewandten Methoden und Techniken gewonnen werden können. Dabei werden zum Beispiel die verschiedenen betrügerisch eingesetzten Methoden künstlicher Alterung von Ikonen vorgestellt und mit vielen Detailbildern veranschaulicht. Abschließend analysiert Julia Spies, wie Ikonenfälschungen aus kulturhistorischer und ethischer Sicht zu bewerten sind.

Die Arbeit wurde von HAWK-Professorin Dr. Ursula Schädler-Saub und  dem Leiter des Ikonen-Museums der Stadt Frankfurt, Dr. Richard Zacharuk, betreut. Mit der Preisträgerin freute sich der Präsident der HAWK, Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Thren, der in einem Grußwort die besondere Bedeutung des Hildesheimer Lions-Preises für die HAWK hervorhob. Die zahlreich erschienenen Mitglieder des Hildesheimer Lions-Clubs sowie Lehrende und Studierende der Fakultät Erhaltung von Kulturgut hatten bei einem anschließenden Imbiss Gelegenheit, auf die Preisträgerin anzustoßen und mit ihr über ihre Arbeit zu sprechen.  

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