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"Knirschen im Netzwerk": Eine gute Kommunikation bringt konstruktive Ergebnisse

Abschlusstagung des nationalen Verbundprojektes "Grünes Band - Modellregion für Nachhaltigkeit" in Göttingen

Förderregion am Grünen Band: Der Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal in Thüringen, hier mit Blick von der Teufelskanzel

Leistet die Naturschutzförderung am Grünen Band auch einen Beitrag zur Entwicklung regionaler Nachhaltigkeit? Mit dieser Frage haben sich im Rahmen der Abschlusstagung des vom Bundesforschungsministerium geförderten  Verbundprojekts „Grünes Band – Modellregion für Nachhaltigkeit“ jetzt rund 60 Wissenschaftler und Experten in Göttingen beschäftigt. 

Die Vertreter der praktischen Regionalentwicklung und des Tourismus sowie von Naturschutzverbänden, des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Naturschutz sowie interessierte regionale Akteure aus den Untersuchungsregionen kamen im Tagungszentrum der Historischen Sternwarte unter anderem zu einem Schluss: Förderprojekte sollten gemeinsam mit bestehenden regionalen Netzwerken entwickelt werden – dann werden sie auch nachhaltiger Erfolg haben.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens waren unter der Leitung von Prof. Dr. Ulrich Harteisen (HAWK) und Prof. Dr. Kilian Bizer (Universität Göttingen) jeweils zwei vom Bundesministerium für Umwelt geförderte Regionen des Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens (E+E) „Erlebnis Grünes Band“ sowie Naturschutzgroßprojekte (NGP) am Grünen Band mit einer gemeinsamen Fragestellung untersucht worden. Netzwerkforschung wurde mit Nachhaltigkeitsforschung verknüpft.

Mit Naturschutzgroßprojekten (NGP) und dem Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E) “Erlebnis Grünes Band“ setzt sich der Bund beispielhaft für Schutz, Pflege und Entwicklung von großräumigen Landschaftsräumen am Grünen Band ein. Damit wird der Bund dem Ziel der Bewahrung des einzigartigen Naturerbes am Grünen Band gerecht.

Viele Kommunen und Landkreise in den strukturschwachen ländlichen Regionen im ehemaligen innerdeutschen Grenzraum verbinden mit den geförderten Naturschutzprojekten am Grünen Band neben den Naturschutzzielen auch die Hoffnung einer positiven wirtschaftlichen und sozialen Ent¬wicklung.  Auch angeregt durch diese Erwartungshaltung zentraler regionaler Akteure am Grünen Band wurde die Ausgangsfrage für das Forschungsvorhaben formuliert: Welchen Beitrag können die Naturschutzförderprogramme zur regionalen Nachhaltigkeit am Grünen Band leisten?“

Um Antworten auf diese Frage zu finden wurden  zum einen die Akteursnetzwerke analysiert, die möglichen „Stellschrauben“ für den Erfolg regionaler Entwicklung, und zum anderen die möglichen Wirkungen von Maßnahmen im Rahmen der Fördertitel auf die regionale Nachhaltigkeit untersucht.

Die Abschlusstagung fand jetzt unter dem Titel „Naturschutzförderprojekte und Nachhaltigkeit“ statt, denn Naturschutzförderung ist im Sinne regionaler Nachhaltigkeit als Chance für regionalspezifische Projekte und Initiativen zu begreifen, die einen Einklang von Schutz und Entwicklung schaffen.

Mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Tagung wurden wissenschaftliche Erkenntnisse und praktisches Erfahrungswissen aus unterschiedlichen Perspektiven diskutiert. So waren sich Dr. Marcus Leibenath und Dr. Gérard Hutter vom Leibniz-Institut für Ökologische Raumentwicklung (IÖR) der TU Dresden einig: Es müssen die „richtigen Leute“ zusammenkommen – motiviert, führungsfähig, fachkompetent und vertrauenswürdig – um eine Region in die Lage zu versetzen, ein strategisches sowie ein politisches Konzept zu entwickeln. Dieses Konzept muss das Leitbild Nachhaltigkeit in einen regionalen Handlungsleitfaden „übersetzen“, den auch einzelne Förderprojekte nutzen können.

Während dieser „Übersetzung“ könne es auch mal im Netzwerk „knirschen“, denn gemeinsame Interessen und Ziele auszuhandeln, sei mit Kompromissen verbunden. Josef Bühler von „neuland“ bestätigt: Nur Kommunikation in Netzwerken könne die Verfestigung von Positionen und Konflikten verhindern, so dass man das „Knirschen“ brauche, um zu einem konstruktiven Ergebnis zu gelangen: regionale Nachhaltigkeit.

Diese Diskussion bestätigt die Ergebnisse der HAWK und Universität Göttingen: Die untersuchten Förderprojekte tragen bereits zur regionalen Nachhaltigkeit bei – jedoch eher zufällig und unbemerkt. Die Arbeit in allen betrachteten Projektnetzwerken war professionell organisiert, doch es zeigten sich auch Lücken in der Kommunikation, so dass beispielsweise Nutzungsinteressen nicht abschließend geklärt wurden oder Synergiepotenziale zwischen Naturschutz und sanftem Tourismus ungenutzt blieben.

Das Forscherteam empfiehlt, bei der Konzeption der Förderprojekte die Netzwerke vor Ort stärker zu berücksichtigen, um dem Ziel der regionalen Nachhaltigkeit näher zu kommen.  Die Tagung wird in einem Tagungsband dokumentiert und die Forschungsergebnisse der HAWK und Universität in einem Abschlussbericht zusammengefasst.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Ulrich Harteisen
E-Mail: harteisen@hawk-hhg.de
Silke Neumeyer
E-Mail: neumeyer@hawk-hhg.de

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