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Ungewohnte Grenzenlosigkeit: Auch Scheitern kann zum Erfolg führen

HAWK-Studierende zeigen Ergebnisse freier Formgestaltung aus einem Seminar unter Leitung von Prof. Hans Lamb

"Wespe" von Corian Siedentopf ist Zeuge einer aufwändigen Form der 3-D-Gestaltung, ähnlich wie man es vom Origami kennt.

Tim Rogasch hat bei der Suche nach der richtigen Form zunächst in die Menge produziert, um abschließend die besten Stücke seiner Reihe "Russland" auszustellen.

Sind hier Außerirdische gelandet? Oder warum stehen, hängen und liegen zunächst seltsam anzuschauende Skulpturen aller Art in der AcKU-Galerie verteilt? Grund für diese regelrechte Armada an Exponaten ist die Ausstellung „Gedanke-Spiel-Form“ der HAWK-Fakultät Gestaltung. Es handelt sich, wie der Titel schon sagt, um freie Formen – allesamt Ergebnisse aus dem vergangenen Wintersemester.

Die dafür gestellte Aufgabe klingt einfach, hatte es aber in sich. „Macht mal, tobt euch aus, findet eine Form“, instruierte Prof. Hans Lamb seine Studierenden. Ungewohnte Grenzenlosigkeit, denn an sich ist es für Gestalter üblich, eine klar definierte Aufgabe zu bekommen,  konkrete Produkte zu entwerfen, die zu funktionieren haben. Mit dieser vollkommenen Freiheit muss man jedoch auch erst einmal den Umgang lernen.

„Es war vollkommen gleichgültig, aus welchem Material sich die Form entwickelt“, erinnert sich der angehende Produktdesigner Tim Rogasch. Er zeigt rund gepresste Furniere mit gewellten Kanten. Einige hängen an Nylonfäden frei in der Luft. Andere ruhen auf Ständern aus Plexiglas. Rogasch hat bei seiner Forschung nach einer funktionierenden Form zunächst in die Menge produziert. Nur, um abschließend die schönsten Stücke für die Ausstellung auszuwählen.

Anne-Kathrin Bennecke, Innenarchitekturstudentin im 4. Semester, ist ganz anders vorgegangen. Sie hat mit Polyurethan-Platten gearbeitet. Die werden normalerweise im Innenausbau als Dämmstoff verwendet. Mit einer eigens entwickelten Technik hat sie es geschafft, den Schaumstoff zu verhärten. Nachdem dadurch die richtige Form gefunden war, beklebte sie ihre komplette Skulptur mit Celluloseflocken. Heraus kommt „Grau-Rau I“. Sie liegt für das Auge schwer im Raum. Als ob sie aus Beton wäre. Tatsächlich ist sie jedoch federleicht. „Das ist sehr von Vorteil, ich wohne schließlich im vierten Stock“, scherzt die Studentin.

Noch ganz andere Endprodukte hat Corian Siedentopf entworfen. Je nach Materialwahl sind ganz unterschiedliche Werke entstanden. So hat der zukünftige Produktdesigner einerseits ganz klassisch mit Gips schwungvolle Ornamente gefertigt. Während er mit dem Ziel, eine Wespe darzustellen, Tonpapier wie beim Origami gefaltet und geklebt hat. Eine wahnsinnig aufwändige Form der 3-D-Gestaltung, wie auch die dazu ausgestellte Konstruktionszeichnung erzählt.

„Es ist wie eine Sprache zu lernen. Dabei darf man sich auch Scheitern als einen Weg zum Erfolg erlauben. Wichtig ist jedoch, weiter zu experimentieren, um zu einem Ergebnis zu gelangen“, erklärt Prof. Lamb, der bei der Vernissage durch die Ausstellung führt. Von sämtlichen Stücken kennt er die Entstehungsgeschichte. Die hilft oft, sich besser in das jeweilige Exponat hinein zu denken.
Das Erstaunliche ist, dass trotz der erheblichen Unterschiedlichkeit der Skulpturen eine tatsächliche Einheit entsteht. AcKU-Vorstandsmitglied Walter Notdurfth findet die Gemeinsamkeit: „Kunst darf heute endlich wieder schön sein, nachdem lange Zeit vornehmlich Hässlichkeit dargestellt  wurde. Und diese Formen sind halt einfach nur schön.“


Die Ausstellung „Gedanke-Spiel-Form“ im Kontor 13 in der Bahnhofsallee ist noch bis zum 24. März geöffnet. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen und Öffnungszeiten unter www.architektur-hildesheim.de.

 

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