English Version | Intranet | Schnellzugriff

Publikumsmagnet: Mittelalterliche HAWK-Baustelle an der Michaeliskirche

14 Studierende des Master-Studiengangs Baudenkmalpflege arbeiten wie vor tausend Jahren

Markus Kleine (links) erklärt, den Studierenden Mona Jelinski, Sebastian Jaming, Dirk Scharf und Sabine Logsch,  wie vor 1000 Jahren Glasfenster hergestellt wurden

„Mich persönlich fasziniert der Kirchenbau an sich“, erklärt Renate Tackmann. Sie ist extra aus Hannoversch-Münden angereist, um zu sehen, mit welchen Mitteln solche riesigen Bauwerke wie St. Michaelis realisiert werden konnten. „Wir hatten sogar Besucher aus Hong Kong in China. Wobei das Paar bei einer Führung durch Hildesheim auf uns gestoßen ist“, freuen sich die HAWK-Professoren. Dr. Christoph Gerlach, und Dr. Tillman Kohnert, Leiter der „Bauhütte-Schauhütte“. So nennt sich die Baustelle, auf der exakt so gearbeitet wurde wie vor tausend Jahren. Es ist eine ganz besondere Lehrveranstaltung der HAWK-Fakultät Erhaltung von Kulturgut – denn sie fand öffentlich neben der Michaeliskirche statt.

14 Studierende des HAWK-Master-Studiengangs Baudenkmalpflege hatten sich vorab intensiv mit den Holz-, Schmiede-, Glas-, Kalk-, Mauer-, und Farbengewerken des Mittelalters auseinander gesetzt. Jetzt wurde das im Seminar erarbeitete Wissen in der Praxis angewendet.
„Die erste Woche sind wir regelrecht untergegangen“, erinnert sich Kohnert. Einen Tag regnete es sogar so stark, dass die Baustelle stillgelegt werden musste. „Aber auch das war wirklich realistisch. Schon im Mittelalter wurde bei sehr schlechtem Wetter die Arbeit niedergelegt“, weiß Gerlach. Jetzt kann er schon wieder darüber lachen. Aber mit der Sonne kamen dann auch die Besucher. Tatsächlich war die Schauhütte ein Publikumsmagnet.

Zum Beispiel das Thema Glas. Wer hat noch nicht bei Kirchen die schönen, bunten Verglasungen bewundert. Und sich gefragt, wie die denn wirklich hergestellt wurden? Dafür ist ein ganz besonderer Gast vor Ort. Markus Kleine ist diplomierter Restaurator und Leiter der Restaurierungsabteilung der Glasmalereifirma Peters. 2002 absolvierte er sein Diplom bei Gerlach über die Glasfenster vom Altenberger Dom in der Gemeinde Odenthal in Nordrhein-Westfalen. Hier zeigte er den Studierenden und zahlreichen Zuschauern, wie eine Scheibe im Maßstab 1 : 1 mit einem historischen Muster geschnitten wurde.

„Wir wissen bis heute zwar nicht, was sich Bischof Bernward für Fenster in der Michaeliskriche gedacht hat. Belegt ist aber, dass in einer Kirche in Walbeck im heutigen Sachsen-Anhalt Holzfenster sind, die man zur gleichen Zeit mit Glasfenstern verschlossen hat“, erklärt Gerlach. Master-Student Daniel Hasse, angehender Baudenkmalpfleger, ist begeistert, und zwar nicht nur von der Kunst des Verglasens: „Wir haben ja sämtliche Inhalte vorab im Unterricht erarbeitet. Doch was hier geschieht, ist ein Unterschied wie Tag und Nacht. Ob wir nun einen Balken besäumen, schmieden oder einen Stein bearbeiten – das alles tatsächlich selber zu machen, ist viel aufschlussreicher in Verbindung mit dem theoretischen Fachwissen.“

 

Zurück zur letzten Seite