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Einladung zum historischen Meisterumzug und "Freiwerfen" an der Weser

Freitag, 2. Juli 2010: Die HAWK in Holzminden pflegt eine besondere Tradition, die Absolventinnen und Absolventen zu entlassen

Freiwerfen an der Weser - eine alte Tradtion der HAWK in Holzminden

Zum traditionellen Meisterumzug am Reichspräsidentenhaus und zum „Freiwerfen“ an der Weserbrücke lädt die HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst in Holzminden für Freitag, 2. Juli 2010, ein. Der Meiserumzug gehört zu den Bräuchen der von Baukondukteur Friedrich Ludwig Haarmann im Winter 1830/1831 gründeten Baugewerkschule.

Nach der feierlichen Zeugnisübergabe an 120 Absolventinnen und Absolventen aus allen Bachelor- und Master-Studiengängen der  heutigen Fakultät Management, Soziale Arbeit, Bauen zieht eine kostümierte Karawane am Freitag, 2. Juli, ab 14 Uhr durch die Stadt.

Das Programm finden Sie unter der Überschrift „Sommernachtstraum“ auf hier.

Wir möchten Sie einladen, über die schillernden Holzmindener Sitten zu berichten, denen traditionell auch die Professoren zum Opfer fallen. Einer, der weiß, was einem Professor an so einem Tag blühen kann, hat ein paar launige Zeilen zu dem festlichen Ereignis verfasst:

 

von Prof. Dr. Jürgen Erbach

Wassertaufe

Den sprichwörtlichen „begossenen Pudel“ kennen Sie. Aber haben Sie auch schon einmal von einem „begossenen Professor“ gehört, geschweige denn einen gesehen? Wenn nein, dann sollten Sie jetzt, wenn die Absolventinnen und Absolventen der HAWK ihre Abschlusszeugnisse erhalten, einmal nach Holzminden ins Weserbergland fahren. Nach sechs Semestern oder drei Jahren erfolgreichen Studiums darf man auch gebührend feiern. Nachdem Holzminden konsequent von jeder Autobahn eine Stunde entfernt ist, haben sich die Studierenden darauf eingestellt, ihre Freizeitgestaltung selbst in die Hand zu nehmen. Und so wundert es nicht, dass sich nach vielen Jahrzehnten des Bestehens der früheren Bauschule, eine moderne Hochschule entwickelt hat, die eine besondere Tradition entwickelt hat,  diesen Tag zu würdigen und zugleich ausgelassen zu feiern.

Am Abschlusstag der Prüfungen findet sich morgens um 10.00 Uhr die Festgemeinschaft, die Absolventen mit Eltern, im Lichthof der Hochschule ein. Die üblichen Festreden von den „üblichen Verdächtigen“, die Übergabe der Zeugnisse, bis zum ultimativen Absolventen-Gruppenfoto folgen. Um 14.00 Uhr kommt es dann zu einem sonderbaren Menschenauflauf: Weißbekittelte junge Menschen, mit aus Tonpappe in verschiedenen Farben selbstgebastelten Hüten, versammeln sich am Reichspräsidentenhaus. Eine Dixieband sorgt für die gute Laune der Truppe. Schließlich stoßen noch zwei gesetzte Personen dazu. Beide im Talar und mit Doktorhut. Eine Parodie auf den „Muff unter den Talaren“. Die Weißbekittelten entpuppen sich als Absolventen. Die Farben der Tonkappen verraten die Studienrichtung.

„Beschützt“ von einem Polizeibeamten und der Kapelle setzt sich langsam die mit Getränken versorgte Menge in Bewegung. Überall dort, wo man noch bis gestern Gast oder Kunde war, wird man freundlich empfangen und erhält als Dankeschön eine Wegzehrung. So geht es dann immer besser gelaunt durch das kleine beschauliche Weserstädtchen. Schließlich kommt es auf der Weserbrücke zum Zwischenstopp. Unter Absingen schmutziger Lieder werden mitgebrachte Lehrmaterialien – vom Buch bis zum Zeichenblock – in die Weser geworfen. Das Technische Hilfswerk hat sich darauf eingestellt. Aus der Not hat man eine Tugend gemacht – mit einem Motorboot werden die „Umweltsünden“ später wieder aufgefischt.

Langsam steigt die Stimmung. Die Menge zieht weiter zum Marktplatz. Die  frischgebackenen Bachelors lassen nun all ihren Gefühlen freien Lauf. Die Stimmung ist auf dem Siedepunkt. Der Marktbrunnen wird zum Bad gestürmt. Die Stadt hat sich längst auf diesen Event eingestellt und das abgestandene Wasser am Vorabend gegen frisches ersetzt. Aber dieses Massenbad wäre nur halb so lustig, wenn man nicht auch ein paar umherstehende Professoren identifizieren und „freundlich zum Bad bitten würde“. Uneinsichtige Lehrkörper freilich, die nicht mehr oder weniger freiwillig dem Angebot der Studierenden folgen, droht Jagd und zwangsweise Wässerung. Je mehr sich der Lehrkörper wehrt, umso höher steigt die Stimmung. Denn was soll schließlich jetzt noch passieren? Mit den Zeugnissen in der Tasche ist jetzt nichts mehr zu befürchten. Und an wen soll man sich in dem Tohuwabohu erinnern?

Einige Professoren sind dabei nicht lebensfremd: Mit Badehose unter den Shorts, Turnschuhen und ohne Geldbörse und Uhr haben sie sich nicht nur gedanklich auf das Bad mit den Studierenden eingestellt. Nach diesem Bad auf dem Marktplatz wird noch kurz die Gelegenheit genutzt, sich wieder herzurichten. Dann endet dieser Abschlusstag mit einem Ball, so wie die meisten solcher Tage. Auf den ersten Blick – so wie überall – auf den zweiten Blick so nur in Holzminden.

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