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Master-Studentinnen der HAWK untersuchen zwei besondere Barock-Gemälde im RPM

Museumsverein finanziert erste konservatorische Maßnahmen für Werke des deutschen Barockmalers Johann Melchior Roos

Silke Adam bei der Durchführung von Reinigungsversuchen mit Wattestäbchen und destilliertem Wasser.

Ramona Vinke legt Probefelder zur Firnisabnahme mit unterschiedlichen Lösemitteln an.

Verborgene Schätze im Roemer- und Pelizaeus-Museum: Zwei Gemälde des bedeutenden deutschen Barockmalers Johann Melchior Roos werden jetzt von zwei Studentinnen der HAWK – Fakultät Erhaltung von Kulturgut in Hildesheim – unter die Lupe genommen worden.

 

Im vergangenen Jahr konnte das Roemer- und Pelizaeus-Museum dank der Finanzierung der Hildesheimer Weinhagen Stiftung und unter Leitung der Kunsthistorikerin Britta Georgi eine umfangreiche Sichtung und Dokumentation des Gemäldebestandes durchführen. Zu den dabei als restaurierungsbedürftig eingestuften Objekten gehörten auch zwei Kunstwerke mit der Größe von 2,20 x 2,50 Metern, von denen die beiden angehenden Master-Restauratorinnen Silke Adam und Ramona Vinke sofort angetan waren. Zeigen diese doch zwei dramatische Tierkampfszenen, in denen sich zwei Pferde und ein Löwe sowie ein Stier und zwei Bären gegenüberstehen.

Die beiden Gemälde wurden 1847 vom Hildesheimer Museumsverein erworben, um die Lehrsammlung des Museums zu erweitern. Sie gehören damit zu einem der ersten Ankäufe des Roemer- und Pelizaeus-Museums. Da das Museum heute keine Gemäldegalerie mehr besitzt, ist der Bestand in einem Gemäldedepot eingelagert. „Interessant ist, dass der Künstler Johann Melchior Roos (1663 – 1731) einer berühmten deutschen Künstlerfamilie des 17./18. Jahrhunderts angehörte, die sich über vier Generationen der Tiermalerei verpflichtet fühlte“, erzählen die Studentinnen. Weitere Werke des Künstlers befinden sich in zahlreichen, bekannten Museen. Jedoch ist das Ensemble aus dem Roemer- und Pelizaeus-Museum durch die Motivwahl und die Größe der Gemälde einzigartig für Johann Melchior Roos.

Derzeit werden die beiden Leinwandgemälde von Silke Adam und Ramona Vinke im Rahmen ihrer Abschlussarbeit untersucht – bei Prof. Dr. Michael von der Goltz und Dipl.-Rest. Ina Birkenbeul als Prüfer. Dabei sind bisher schon spannende Ergebnisse zu Tage gekommen. Der Künstler verwendete beispielsweise eine rote Grundierung, auf der die, in dunklen Erdfarben gehaltene, Ölmalerei liegt. Dieses war, so das Urteil der Restauratorinnen, eine übliche Technik im 17. und 18. Jahrhundert. Neben der Technik werden auch der Zustand und die Schäden der Gemälde erfasst. Die Malerei ist relativ gut erhalten, bedenklich sind jedoch vereinzelte Bereiche, in denen die Farbe abblättert. Auffällig ist zudem der einst transparente Firnis, der heute stark vergilbt und verbräunt ist. „Der Firnis hat die Funktion eines Schutzüberzuges und soll die Farben brillanter erscheinen lassen.

„Schadet der Firnis dem Gemälde, zum Beispiel durch starke Spannungen oder Verfälschung der Farben, wie es bei diesen Gemälden von Roos der Fall ist, sollte er abgenommen werden. Dieser Eingriff muss jedoch gut überlegt und vorbereitet werden“, erläutert Silke Adam.

Die erste konservatorische Behandlung soll nach Abschluss des Master-Studiums durch die beiden Studentinnen im Herbst 2010 erfolgen. Diese Maßnahmen werden vom Hildesheimer Museumsverein finanziert, der sich tatkräftig für den Erhalt der Gemälde einsetzt. „Ohne die großzügige Kostenübernahme durch den Museumsverein, der die konservatorischen Maßnahmen ermöglicht, würde sich der Zustand der Gemälde weiter verschlechtern“, sagt Ramona Vinke.

Weitaus umfangreicher gestaltet sich eine vollständige Restaurierung der Kunstwerke. Diese Maßnahmen sind notwendig, um das heute stark beeinträchtigte, dunkle Erscheinungsbild der Gemälde zu verbessern und so die Darstellung wieder ablesbar zu machen. Erst dann können die Gemälde den Besuchern des Museums in einer Sonderausstellung präsentiert werden. Die Restaurierung kann allerdings erst erfolgen, wenn die Finanzierung gesichert ist.

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