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Warum so manches Bett ehedem noch Seile hatte

HAWK ernennt Kunstreferent der Landeskirche, Dr. Thorsten Albrecht, zum Honorarprofessor

Überreichung der Ehrenurkunde: HAWK-Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Thren (rechts) ernennt Dr. Thorsten Albrecht zum Honorarprofessor der HAWK

Es ist eines der wichtigsten Alltagsmöbel eines Jeden, dient es doch der Erholung des erschöpften Leibes. Wie es kunst- und kulturhistorisch um das Bett an sich steht, darüber hat Dr. Thorsten Albrecht in seiner Antrittsvorlesung zum Honorarprofessor an der HAWK-Fakultät Erhaltung von Kulturgut jetzt referiert.

 

Der Beitrag von HAWK Radio für Radio Tonkuhle

Seit zehn Jahren ist der Kunstreferent der Ev-Luth. Landeskirche – er leitet dort die Abteilung Kunstdenkmalpflege  – als Lehrbeauftragter an der HAWK tätig. Nun ist er im feierlichen Rahmen zum Honorarprofessor der Fakultät Erhaltung von Kulturgut ernannt worden.  Damit stärkt er als Kunsthistoriker und Kulturwissenschaftler die kunstwissenschaftlichen Fächer innerhalb der Fakultät, worüber sich Prof. Dr. Ursula Schädler-Saub besonders freut, die das Lehrgebiet „Geschichte und Theorie der Restaurierung, Kunstgeschichte“ vertritt.

Albrechts Thema war ebenso unterhaltsam wie auch aufschlussreich gestaltet: „Wie man sich bettet – so liegt man. Kulturhistorische Aspekte des Bettes.“ Dieser ist alles andere als einschläfernd.

„Ich habe ja so manches süffisante Lächeln vorher beobachten können“, leitet Albrecht seinen Vortrag ein. Hier beweisen sich die Worte der Laudatio von HAWK-Professorin Schädler-Saub, die unter anderem „seine norddeutschen, trockenen und leicht ironischen Anmerkungen“ zu fachlichen Themen hervorhebt. Vor allem aber weist sie auf „sein großes Netzwerk im Museum- und Denkmalbereich“ hin ebenso wie seine stets „sehr guten Anregungen für studentische Abschlussarbeiten“. Hinzu kämen zahlreiche Vermittlungen von Projektarbeiten, Forscherdrang und das stetige Interesse an inhaltlichen Fragen im wissenschaftlichen Austausch.

Dem schließt sich Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Thren, Präsident der HAWK, in seinem Grußwort an. Bevor er die handgeschriebene Urkunde überreicht, lobt Thren ausgiebig die wissenschaftlichen Leistungen: „Die besondere Befähigung zum wissenschaftlichen Arbeiten hat Dr. Albrecht nicht nur mit seiner Dissertation bewiesen, sondern auch mit einer beeindruckenden Fülle an Fachpublikationen.“ Denn Albrechts Spezialgebiet ist die Kunstgeschichte des Möbels im norddeutschen Raum. So hat er sich mit den Büchern „Truhen - Kisten - Laden vom Mittelalter bis zur Gegenwart am Beispiel der Lüneburger Heide“ (Petersberg 1997) und  „Schrank, Butze, Bett vom Mittelalter bis ins 20.Jahrhundert am Beispiel der Lüneburger Heide“ (Petersberg 2001)
einen Namen gemacht.

Mit all diesen Hintergründen ist die Klasse, mit der Dr. Albrecht seinen Vortrag füllt, eine Selbstverständlichkeit. Mit interessant recherchiertem Bildmaterial unterstützt er seine Worte. Die Geschichte des Bettes, sie beginnt in der Antike. Erste nachweisliche Hinweise, wie die Menschen ihre Betten einrichteten, stammen aus der Zeit um 800 nach Christus. Der berühmte Oseberg-Fund in Norwegen, entdeckt 1904 als der reichste und wichtigste Fund aus der Wikingerzeit bietet Einblicke und zeigt: Das Bett als solches hat sich vom Prinzip her bis ins 21. Jahrhundert hinein kaum verändert. Vier Pfosten, vier Seitenteile, ein Lattenrost.

Es sind die vielen kleinen Details, die den Vortrag besonders erhellend machen. Zum Beispiel zum Thema Himmelbett. Denn der so genannte Himmel war ursprünglich gleichzeitig Dekoration als auch Schutz – es rieselte im Mittelalter doch oft der Staub von den Decken, vor dem sich die Schlafenden schützen wollten. Die viel eingesetzten edlen Stoffe sowie überhaupt die Pracht der Himmel waren die Zeichen für den Wohlstand – genau wie die Tatsache, überhaupt ein Bett für sich alleine zu haben.

Erstaunliches berichtet Dr. Albrecht zum Thema Kissen. Hier galt bis ins späte 19. Jahrhundert das Motto: „Je mehr, desto wohlhabender.“ So stapelten die Menschen Reihen von Kissen am Kopfende. Das hatte seine Auswirkungen. Die Betten waren recht kurz im heutigen Vergleich. Einfach weil die Menschen fast aufrecht in ihren Schlafstätten saßen und nicht lagen.

Auch bei den Matratzen, gestopft mit Seegras oder Rosshaar, wurde nicht gespart. Hier stapelte man Bett über Bett – weich galt als gut. So waren viele Betten mit Seilen zum Himmel ausgestattet, die das Aufstehen erleichterten. Das Beste hat sich Dr. Albrecht natürlich für den Schluss aufgehoben. In „die Liebe und das Bett“ führt er ein in delikate Aspekte – und Probleme.

Studenten und Soldaten waren diejenigen, die die Eltern besonders ungern im Bett ihrer Tochter erwischt haben. Denn meist gab es nur eine Lösung: die Hochzeit. Im Mittelalter und bis in die Neuzeit hinein musste dann das Schlafgemach von einem Priester geweiht werden. Als vollzogen galt der Bund der Ehe erst, wenn beide Partner unter Zeugen ins Bett gestiegen waren. Ein rechtlich sehr wichtiger Akt – vor dem Akt. Auch für Geburt und Tod war das Bett ein wichtiger Ort. Mehrere Generationen ganzer Familien lebten oft in einem einzigen Raum.

Neben dem zahlreich erschienenen Kollegium, Vertretern der staatlichen und kirchlichen Denkmalpflege und der Museen, sind auch viele Studierende zu seiner Antrittsvorlesung gekommen. Hanno Alsen, Student im Studiengang Restaurierung und Konservierung in der Fachrichtung Möbel, gratuliert Dr. Albrecht direkt nach dem Vortrag zur Honorarprofessur: „Herr Dr. Albrecht ist sehr engagiert an unserer Hochschule. Er bietet uns Studierenden sehr viel Hilfe und eine sehr gute Betreuung bei den Abschlussarbeiten. Und: Seine Vorlesungen sind sehr unterhaltsam, wie wir es ja auch heute wieder erfahren haben“, begründet Eisen. Prof. Martin Thumm, Dekan der Fakultät Erhaltung von Kulturgut, bestätigt: „So mögen wir das. Immer an den Rand der Neugier treiben – um dann die Rezipienten alleine zu lassen und sie so zu eigenen Forschungen zu inspirieren.“

 

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