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Forstwirtschaft und Naturschutz - Verbündete oder Gegner?

Erste gemeinsame Vorlesungsreihe der HAWK und der Universität Göttingen startet am 9. November 2010

Etwa ein Drittel der Staatsfläche der Bundesrepublik Deutschland ist mit Wald bedeckt

Etwa ein Drittel der Staatsfläche der Bundesrepublik Deutschland ist mit Wald bedeckt: Dieser Wald ist nicht nur Rohstofflieferant, sondern zugleich wichtiger Lebensraum für eine Vielzahl heimischer Pflanzen und Tiere, Hort für gesunde Böden, frische Luft und sauberes Trinkwasser  und nicht zuletzt Erholungs- und Naturerfahrungsraum für die Bevölkerung. Diese Multifunktionalität prägt bis heute den deutschen Wald. Generationen von Försterinnen und Förstern haben ihren Beitrag zum Erhalt und zur Entwicklung dieses Ökosystems geleistet. Dennoch wäre es zu einfach und in der Verkürzung auch falsch, zu sagen, Forstwirtschaft sei automatisch angewandter Naturschutz. Auch heute kann in vielen Bereichen des Biotop- und Artenschutzes im Walde noch mehr getan werden.

Die Voraussetzung für ein abgestimmtes Handeln von Forstwirtschaft und Naturschutz sind gegenseitige Information und gegenseitiges Vertrauen. Zumindest mit dem Informations- und Ideenaustausch kann man bereits während des Studiums beginnen. Das dachten sich Dekan Prof. Dr. Christoph Kleinn von der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie der Universität Göttingen und Dekan Prof. Dr. Ulrich Harteisen von der Fakultät Ressourcenmanagement der HAWK und gaben den Anstoß zur Entwicklung der ersten gemeinsamen Vorlesungsreihe beider Hochschulen: „Forstwirtschaft und Naturschutz – Verbündete oder Gegner? Standpunkte und Sichtweisen für politisches Handeln in der Region“.

Die Vorlesungsreihe ist dabei nicht nur an die Studierenden der Forstwissenschaft und Forstwirtschaft und benachbarter Disziplinen gerichtet, herzlich eingeladen sind auch die Göttinger Bürger. Die Göttinger lieben ihren Wald, das Holz für den heimischen Ofen ist ihnen dabei genauso wichtig wie das Erlebnis einer Wanderung durch den herbstlich verfärbten Wald.

Forstwirtschaft und Naturschutz müssen sich diesen gesellschaftlichen Ansprüchen an den Wald gerade auch regional stellen. Die Vorstellungen der Waldentwicklung von Waldbesitzern und Waldnutzern auf der einen Seite und Naturschützern auf der anderen Seite gehen dabei jedoch häufig auseinander. Das wurde erst jüngst im Zuge der Diskussion um die Umsetzung der europäischen Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) im Wald im Bereich des Landkreises Göttingen wieder deutlich.

Die unterschiedliche Sicht auf den Wald und die daraus resultierende Wertschätzung nachvollziehen zu können, setzt die Fähigkeit des Perspektivwechsels voraus, betonen die beiden Dekane. Genau hier setzt die Ringvorlesung an und bietet mit Vorträgen zum Wirtschaftswald, zum Erholungswald oder auch zum Waldnaturschutz Informationen aus erster Hand von Akteuren aus den jeweiligen Berufsfeldern. „Wir möchten Studierende vieler Disziplinen auffordern, sich umfassend mit den naturwissenschaftlichen und gesellschaftlichen Grundlagen des Waldnaturschutzes auseinanderzusetzen“ betont Professor Kleinn. „Wir holen die Berufspraktiker in die Hochschule und wollen den inter- und transdisziplinären Dialog führen“, kündigt Professor Harteisen an.


Die Ringvorlesung startet am 9. November 2010. An diesem Abend wird unter anderem Silke Kleinhückelkotten vom ECOLOG-Institut Ergebnisse einer Studie über die Einstellungen der Bundesbürger zu Wald, Natur, Forstwirtschaft und Holz darstellen. Die Vorträge finden immer am Dienstag von 18.15 bis 20.00 Uhr im Seminarraum F03 der Fakultät für Forstwissenschaften und Waldökologie, Büsgenweg 3 statt.

Spannend dürfte dann sicher auch die abschließende Podiumsdiskussion werden, die am 8. Februar 2011 in der Paulinerkirche durchgeführt wird. 

 


Das Programm:

9.11. Einführung Waldfunktionen & Ecosystem Services
Renate Bürger-Arndt Universität Göttingen, FFW, Abt. Naturschutz
Der öffentliche Wald Einstellungen der Bundesbürger/innen
Silke Kleinhückelkotten ECOLOG-Institut

16.11. Der Landeswald Umsetzung von NATURA 2000
Christian Boele-Keimer Nds. Landesforsten
Waldnaturschutz Rahmenvorgaben und Gesamtkonzept
Olaf von Drachenfels Nds. Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz

23.11. Der wanderbare Wald Zur Bedeutung der Walderholung
Erik Neumeyer  Deutscher Wanderverband
Der Lehrwald Umweltbildung / BNE / Waldpädagogik
Burkhard Verch Regionales Umweltzentrum Reinhausen

30.11. Der geschützte Wald Regionale Naturschutzerfordernisse
Uwe Scheibler Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland
Der Wirtschaftswald Privatwirtschaftliche Interessen und Holzwirtschaft in der Region
Wolf-Georg Fehrensen Sägeindustrie

14.12. Der Wald in Lehre und Forschung Integrierte Konzepte für die Praxis
N.N. Universität Göttingen, FFW
N.N. HAWK, Fakultät Ressourcenmanagement

8.02. Öffentliche Podiumsdiskussion wird gesondert angekündigt
Paulinerkirche, Papendiek 14, Göttingen, 18:15 Uhr – 20:00 Uhr

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