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Mitbegründer der deutschen Sozialpädagogik forscht weiter

HAWK verabschiedet Prof. Dr. Friedhelm Vahsen nach 40 Jahren in den Ruhestand

Prof. Dr. Udo Wilken (rechts) überreicht Prof. Dr. Friedhelm Vahsen bei der Feierstunde ein eigens für Vahsen produziertes Abschiedsbuch.

Abschiedsfeier für Friedhelm Vahsen von HAWK Radio

Unzählige Fachpublikationen, der Aufbau einer Dokumentations- und Forschungsstelle an der HAWK, zahlreiche gelebte Auslandskontakte, die Betreuung von sage und schreibe 800 Diplomarbeiten – dies alles und mehr hat Prof. Dr. Friedhelm Vahsen in fast 40 Jahren Tätigkeit an der HAWK-Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit in die Tat umgesetzt. Auch wenn es für die Familie sowie die vielen Freunde und Bekannte, Studierende und Lehrende unvorstellbar ist: Jetzt wird Dr. Vahsen in der alten Bibliothek am Brühl feierlich in den Ruhestand verabschiedet.

Doch so traurig dieser Anlass auch ist, so humorvoll gehen die Beteiligten an ihn heran. „Ich hoffe, dass wir diesen Abend im Habitus der Heiterkeit verbringen“, wünscht Prof. Dr. Maria Busche-Baumann, Dekanin der HAWK-Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit, kurz bevor sie ihren Blumengruß überreicht. So sollte es dann auch kommen. HAWK-Präsident Prof. Dr. Dr. h.c. Martin Thren scherzt genüsslich: „Dieser Vahsen, sagte mir letztens unser Altkanzler Gerd Sutor, der sieht heute jünger und besser aus als vor zehn Jahren. Da können wir jetzt überlegen, wie der Trend denn nun weiter geht. Für uns hier ist es ein Verlust, dass Sie gehen, denn Sie haben in den 40 Jahren für die Fakultät, für die Hochschule und  für die Entwicklung Ihres Fachgebietes national viel bewegt.“

Friedhelm Vahsen war bereits in den 70er Jahren in seinem Fachgebiet „Soziologie und Sozialwissenschaft“ an der Theorieentwicklung der Sozialpädagogik in Deutschland maßgeblich beteiligt. In den 80er Jahren hatte er sich besonders für die Entwicklung der Freizeitwissenschaften engagiert und dazu grundlegende Beiträge veröffentlicht. Ein weiteres großes Schwerpunktthema war und ist die Interkulturelle Zusammenarbeit. Vahsen hat mit den Mitteln der empirischen Sozialforschung untersucht, wie es deutschen Auswanderern in Amerika ergangen ist. Oder wie sich Russlanddeutsche in Deutschland zurecht gefunden haben. Mit großer Leidenschaft hat er sich außerdem dem Thema Migration und Soziale Arbeit gewidmet und es stetig voran gebracht.

In seiner Rede betont Thren: „Einer Ihrer großen Verdienste als Professor war und ist, dass Sie sich immer mit neuen Themen beschäftigt haben, mit Themen, die in Ihrem Umfeld noch gar nicht erkannt worden waren. Sie waren dadurch Wegbereiter für neue Gesichtspunkte in den Sozialwissenschaften und in der Sozialpädagogik. Sie haben sich einen Ruf weit über unsere Hochschule hinaus erarbeitet.“

Als Vorsitzender des Fachbereichstages Soziale Arbeit hat Vahsen außerdem maßgeblich für den Raum Hildesheim geworben. Er war jahrelang aktiv am Aufbau des Fachbereichs, der heutigen Fakultät Soziale Arbeit beteiligt und war auch in der Hildesheimer Kommunalpolitik aktiv. Bei alledem hat Vahsen aber eines offensichtlich nie verloren: seinen Humor. So stellt er in seiner Rede skurrile Höhepunkte seines Schaffens vor. Die Krönung sind anonyme Auszüge aus Diplomarbeiten wie diese E-Mail bezüglich einer Studienleistung: „Sehr geehrter Herr Vahsen, letzte Woche haben wir im Seminar besprochen, dass ich nächste Woche aus dem Buch ‚Familiensoziologie’ das Kapital ‚Paarbeziehung’ präsentieren soll. Allerdings ist das Buch in allen Bibliotheken vergriffen. Hätten Sie das Buch da, so dass ich es mir leihen kann oder soll ich es einfach so schriftlich ausarbeiten?“ Aus einer Diplomarbeit über den demografischen Wandel und wie die soziale Arbeit darauf reagieren soll: „Ich denke, dass es aus ethischen Gründen nicht weniger medizinische Versorgung für alte Menschen geben wird. Allerdings bin ich schon der Meinung, dass hier etwas getan werden muss.“ Damit hatte er die Lacher sicher auf seiner Seite. Die Studierenden nehmen es ihm offensichtlich nicht übel. Teilnehmer der letzten Russland-Exkursion überreichen ebenfalls Abschiedsgeschenke.

Aber die große Frage lautet: Was macht Vahsen im Ruhestand? „Erstens gebe ich noch zwei Seminare. Darüber hinaus arbeiten wir an einem Forschungsprojekt, in dem es um die Perspektiven von Menschen geht, die nach Russland zurück wandern. Kurz: Ich forsche weiter.“ Für einen gelungenen musikalischen Rahmen sorgen Prof. Dr. Birgit Klosterkötter-Prisor mit Gesang, am Klavier begleitet von Prof. Dr. Udo Wilken.

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