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Eine rote Karte für jede Frau

HAWK-Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit entwickelt für das Frauenhaus Hildesheim Programme zur Gewaltprävention

(v.l.n.r.) Anna-Paula Keller, Franziska Bode, Christina Koch und Claudia Fischer erklären ihr Konzept zur Gewaltprävention namens „Zusammen sind wir stark“

Die rote Karte, die Franziska Bode gerade hoch hält, steht stellvertretend für 25 Prozent aller Frauen, denn so viele sind es, die in einer Partnerschaft Gewalt erleben. Diese Zahl betrifft also jede vierte Frau in Deutschland. Immer öfter wird auch das Hildesheimer Frauenhaus von Schulen nach Seminaren zur Gewaltprävention gefragt.


Es entstand die Idee, sich an die HAWK zu wenden. Dr. Susanna von Oertzen brachte in ihrer Funktion als Koordinatorin von Praxisforschung das Frauenhaus mit Verw.-Prof. Dr. Maria Huchthausen zusammen, die im Master-Studiengang Soziale Arbeit und Gesundheit in Hildesheim Themen zur Konzeptentwicklung und Didaktik anbietet.


29 Studierende dieses Master-Studiengangs Soziale Arbeit haben nun in den beiden Seminaren „Konzeptentwicklung zu Bildung und Lehre“ sowie „Didaktik, Kommunikation, Methoden“ unter Leitung von Prof. Dr. Huchthausen insgesamt sechs wirkungsvolle methodische und didaktische Konzepte entwickelt, die das Thema für Schulklassen aufarbeiten und das Frauenhaus als mögliche Anlaufstelle ins Bewusstsein bringen sollen. Der Fokus liegt auf dem Alter der 9. Klasse.


Die Master-Studentinnen Christina Koch, Claudia Fischer, Anna-Paula Keller und Franziska Bode haben ihr Konzept für Kurse mit Lehrerinnen und Lehrern entwickelt. Es heißt „Zusammen sind wir stark“. Wichtiger Bestandteil ist die rote Karte. Eine solche liegt beim Eintreffen der Lehrer auf jedem vierten Platz. Das Problem soll also im wahrsten Sinne des Wortes direkt „begriffen“ werden. Die rote Karte ist Teil einer Präsentation die die Studierenden für die jeweilige Seminarleiterin entwickelt haben.


Häusliche Gewalt mag zwar auf den ersten Blick wenig mit dem Schulalltag zu tun haben, aber beim zweiten Blick zeigen sich vielfältige Berührungspunkte: Gewalterfahrungen, die sich auf die Konzentrationsfähigkeit von Kindern auswirken, gewalttätige Handlungsmuster, die zu Hause erlebt und im Schulalltag erprobt werden, psychische Gewalt gegen Mitschüler und Mitschülerinnen, die den Spaß am Lernen verhindert und die Schule zu einem Ort des Gegen- und nicht Miteinanders werden lassen.


Christina Koch, Claudia Fischer, Anna-Paula Keller und Franziska Bode wollen den Blick der Lehrerinnen und Lehrer stärker auf ihr eigenes Umfeld lenken: „Häusliche Gewalt – das betrifft unsere Schule?“ ist eine Schlagzeile, die die Studentinnen mit Fakten allgemeiner Art unterfüttern: 45.000 Frauen suchen jährlich ein Frauenhaus auf, Gewalt setzt sich generationsübergreifend fort, gewalttätiges Verhalten findet an Schulen vor allem in der achten und neunten Klasse statt.


„Die Lehrkräfte sollen sich ihrer Verantwortung bewusst werden und genau hinsehen. Denn sie „nehmen Veränderungen wahr, sind Vertrauenspersonen und Ansprechpartner, agieren als Vermittler und sind täglich mit den Schülerinnen und Schülern zusammen“, erläutern die Studentinnen.


Zum Ende der Präsentation folgt das Angebot, mit dem Frauenhaus Kontakt aufzunehmen. Dazu Franziska Bode: „Uns ging es in erster Linie darum, Gewalt besser erkennbar zu machen. Damit die Lehrkräfte den Betroffenen unkompliziert Hilfsangebote vermitteln – in diesem Fall also den Kontakt zur Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt (BISS).“ „Die Kompetenz der Lehrkräfte soll also mit der Kompetenz des Frauenhauses verbunden werden“, fügt Anna-Paula Keller hinzu.


Christa von Cyssewski, Mitarbeiterin im Frauenhaus, ist von diesem und allen anderen Konzepten begeistert. Vor allem, weil bei allen Konzepten die Schülerinnen und Schüler direkt einbezogen werden. Es wird ihnen nichts vorgesetzt und einfach nur erzählt. Die Erkenntnisse über häusliche Gewalt werden in angeleiteten Kleingruppen selbst erarbeitet. Häusliche Gewalt als solche soll erkannt werden – vor allem als Straftat. Es gilt, sich in die Situation von Betroffenen hinein zu versetzen – auch, um sich gegenseitig helfen zu können.


 Dafür haben die Studierenden Videos gedreht, Logos, Plakate und Flyer mit passenden Motiven entworfen oder ein gezieltes Brainstorming entwickelt. „Es sind allesamt tolle und vielfältige Methoden, die sehr ideenreich ausgearbeitet worden sind. Im nächsten Jahr wollen wir unseren Schwerpunkt genau auf dieses Thema setzen und damit in die Schulen gehen. Ich bin mir sicher, dass große Teile der Ergebnisse in der Praxis umgesetzt werden“, verspricht von Cyssewski.

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