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Ein starker Wille ist Pflicht

HAWK-Technologietransferstelle informiert über Promotion nach Hochschulabschluss

Dr. Cordula Borbe ist HAWK-Absolventin und hat im Anschluss promoviert.

Er sieht gut aus und klingt entsprechend: der Doktortitel. Im deutschen Hochschulsystem haben einzig klassische Universitäten das Promotionsrecht. Doch auch an einer Hochschule – bis vor kurzem in Niedersachsen noch Fachhochschule genannt – ist eine Promotion kein Problem. Wobei noch ein paar Besonderheiten beachtet werden müssen. Genau deshalb zeigt die HAWK-Informationsveranstaltung „Werden Sie Doktor“ Wege auf, wie an einer Hochschule promoviert werden kann.

 


„Mich haben die Studierenden veranlasst, dieses Thema aufzugreifen. Denn ich bin öfter angesprochen worden zur Promotion“, erklärt Dipl.-Ing. Karl-Otto Mörsch vom HAWK-Technologietransfer. Entsprechend groß ist die Nachfrage – rund 60 Studierende hatten sich bereits vorab für „Werden Sie Doktor“ angemeldet. Die Promotion ist sowohl für die Studierenden als auch für die HAWK selbst ein wichtiges Thema. „Wir möchten frühzeitig wissenschaftlichen Nachwuchs akquirieren, um ihn im Master-Studiengang direkt in die Forschung mit einzubinden, damit anschließend ein nahtloser Übergang zur Promotion möglich ist“, erläutert Mörsch.
Weitere Hintergründe erklärt Prof. Dr. Wolfgang Müller, HAWK-Vizepräsident für Forschung, Wissens- und Technologietransfer: „Bisher war die Promotion nicht besonders üblich an den deutschen Fachhochschulen. Mit den internationalen Abschlüssen Bachelor und Master haben wir aber eine deutliche Veränderung in der Hochschul-Landschaft. Wir bauen also darauf, dass die Promotion, zumindest in Kooperation mit Universitäten, immer mehr an Bedeutung gewinnt.“

 


Dass eine Promotion an einer Hochschule heute tatsächlich Exotenstatus genießt, bestätigt Referent Ansgar Keller, Autor des Ratgeber-Buches "Promotionsmöglichkeiten von Fachhochschulabsolventen an Universitäten". Denn von 2006 bis 2008 gab es deutschlandweit rund 72.500 Promotionen. Davon waren gerade mal 570, also verschwindend geringe 0,78 Prozent, Absolventinnen und Absolventen einer Hochschule. Keller stellt unter anderem drei gängige Möglichkeiten vor: Die erste ist, nach einer ersten Berufsphase in Verbindung mit anschließendem Master den Doktorgrad zu erreichen. Die zweite, besonders empfohlene Variante: Direkt nach dem Master mit der Forschung starten. Beide Varianten funktionieren auch mit einem Diplom. Die dritte Variante betitelt Keller „als besonders schwierig“: direkt nach dem Bachelor mittels einer Eignungsfeststellungsprüfung. Schwierig ist das, weil dieser Weg bisher nur in sehr wenigen Prüfungsordnungen (PO) vorgesehen ist. Überhaupt haben es die PO im allgemeinen in sich – denn die sind von Universität zu Universität unterschiedlich.

 


Dass es aber alles andere als unmöglich ist, beweisen Referentin Dr. phil. Cordula Borbe sowie Dr. rer. nat. Dipl.-Phys. Dipl.-Ing. Stephan Wieneke. Beide haben an der HAWK ihren Abschluss gemacht und dann auf unterschiedlichen Wegen promoviert. Dr. Borbe hat an der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit ihren ersten akademischen Grad absolviert – heute ist sie Referentin für wissenschaftliche Weiterbildung am HAWK-Institut für Interdisziplinäre Wissenschaften. Sie spricht zunächst über ihre eigene Motivation und zählt die Beweggründe auf: „Start einer wissenschaftlichen Karriere, Verbesserung der Karrierechancen, Aufbau von spezialisiertem Wissen, Reisetätigkeit, Netzwerkarbeit, Teilnahme an interessanten Projekten, Lust am Schreiben und natürlich der akademische Titel an sich.“ Sie gibt wertvolle Tipps zur Themenfindung:„Prüfen Sie genau, ob sich ihr Thema auch über die vielen Jahre trägt“. Denn die mitunter größte Herausforderung ist laut Dr. Borbe die lange Zeitspanne. „Ich habe mit einer Elternzeit insgesamt sechs Jahre an meinem Doktor gearbeitet. Zwei Jahre musste ich erst noch mal Scheine an der Universität nachholen, die nächsten vier Jahre habe ich am eigentlichen Projekt geforscht.“

 


Auf einen langen Weg kann auch Dr. Wieneke zurück blicken. Vom Realschulabschluss bis zur Promotion geht die eindrucksvolle Laufbahn, die auch über den Abschluss an der Fakultät Naturwissenschaften und Technik führte. Während seiner Promotion arbeitete er zwei Tage die Woche als wissenschaftliche Hilfskraft an der Fakultät N, drei Tage studierte er, um alle erforderlichen Scheine zu erreichen. Insgesamt alles andere als ein „nine to five-job“, schließlich muss man sich ja auch immer auf die nächsten Tage vorbereiten. Und der Stoff will ja auch gelernt werden.

 


Jetzt erfahren die Studierenden viel über die eigentliche Masse der Arbeit – nicht nur bei der Promotion selbst, sondern auch über das, was zusätzlich erledigt werden muss. Die Einbindung in die Lehre „sei erwünscht“, die Teilnahme an inter- und nationalen Tagungen, Betreuung von Studierenden sowie ihrer Bachelor- und Master-Arbeiten, ehrenamtliche Mitgliedschaft in einer Forschungskommission, Forschungsanträge sowie allgemeine Verwaltungsaufgaben prägen den Alltag während der Dissertation wie auch den danach.

 


Fazit: Ein starker Wille ist Pflicht. Der Weg zum Doktor ist meist ein steiniger Trampelpfad mit vielen Hürden und Hindernissen. Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen müssen oft noch Scheine an einer Universität nachholen sowie räumlich flexibel sein, da sie zwischen verschiedenen Bildungsträgern pendeln müssen. „Man hat halt einen Betreuer an der Hochschule und einen an der Universität. Da muss man eine echt gute Verbindung schaffen“, erklärt Dr. Borbe. Und wenn man sie so anschaut, wie sie fröhlich lächelnd den interessierten Studierenden Tipps gibt, ist man sich sicher: Der lange Weg hat sich gelohnt.

 

Weitere Informationen bekommen Sie bei der Technologietransferstelle der HAWK

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