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Mit Gruppenzwang gegen den inneren Schweinehund gewonnen

Erste "Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten" an der HAWK-Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit
lange Nacht

Oster

Die Kaffeemaschine läuft auf Hochtouren. Genau wie die rund zwanzig Studierenden, die mitten in der Nacht vor ihren Rechnern brüten. Für sie ist es nicht irgendeine Nacht. Nein, es ist „die lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“. Hinter dieser Überschrift verbirgt sich die Lösung für ein unter Studierenden gefürchtetes Problem: die Überwindung des inneren Schweinehundes. Es geht um das wissenschaftliche Schreiben. Beim Schweinehund setzt die ungewöhnliche Veranstaltung in der alten Bibliothek der HAWK-Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit an. 

 


Getreu dem Motto „Geteiltes Leid ist halbes Leid“ haben Mentoring- Referentin Martina Oster, Mentoring-Dozentin Susanna von Oertzen und Tutorinnen zum kollektiven Schreibereignis eingeladen. Hier gibt es für die Studierenden keine Ausreden mehr. Der häusliche Abwasch muss warten. Der Fernseher bleibt aus. Allgemein gilt an der Fakultät: Am 1. März müssen die wissenschaftlichen Hausarbeiten abgegeben werden. 

 

Markus Metzing, Student im dritten Semester des Studiengangs Bildung und Erziehung im Kindesalter, will die Chance nutzen, jetzt endlich mal den Kopf frei zu bekommen. „Ich zwinge mich hier selber in eine Situation, in der ich handeln muss. Zu Hause lauert überall die Ablenkung. Da muss man noch etwas im Internet gucken oder ein leckeres Essen kochen. Hier kann ich gar nichts anderes machen, als mich an meine Arbeit zu setzen.“

 


Anders, aber trotzdem ähnlich argumentiert seine Kommilitonin Maria Schulz: „Im Semester selbst hätte ich fleißiger sein können, das gebe ich zu. Aber ich habe immer ein bisschen erledigt und bin schon zur Hälfte fertig. Ich habe mich für die Veranstaltung angemeldet, weil ich überzeugt bin, dass ich an einem Freitagabend sonst weitaus weniger geschafft hätte, wenn ich alleine zu Hause geblieben wäre.“

 

Die Studierenden nutzen also eine Art von Gruppenzwang. „Es entsteht eine gewisse Dynamik. Man ist nicht alleine und dazu in einer ungewöhnlichen Situation“, erklärt Oster, die gerade eben noch eine mitternächtliche Runde QiGong als Ausgleich zur Arbeit angeleitet hat. „Das lockert die Muskeln und schützt vor Verspannungen, weil man sonst regelrecht versteift, wenn man lange am Rechner sitzt“, erklärt Oster.

 

Aber warum muss der Termin eigentlich in der Nacht sein? „Also, da hat man einfach seine Ruhe. Da ruft keiner mehr an, da klingelt niemand an der Tür. Während meines eigenen Studiums habe ich auch viel und gut in der Nacht gearbeitet – das deckt sich mit den Arbeitszeiten der Studierenden ganz gut“, weiß Oster.
Außerdem weiß sie auch genau, was beim wissenschaftlichen Schreiben zum Erfolg führt. „Man muss seine Ziele möglichst genau definieren. Dafür haben wir zu Beginn eine große Zielscheibe gemalt, auf der alle ihre Vorgaben für heute mit kleinen Kärtchen angebracht haben. Je näher diese jetzt Richtung Mitte wandern, desto näher ist das Gesamtziel und umso einfacher ist es, sich neu zu motivieren. Sonst sitzt man da und weiß nicht so recht, wo man anfangen soll.“


An der Idee und Konzeption mitgewirkt hat auch Tutorin Kathrin Wiedemeier. „Das schöne Phänomen, gegen das wir hier gemeinsam kämpfen, hat sogar einen Namen. Nämlich Prokrastination ist die typisch menschliche Angewohnheit, Unangenehmes nach hinten oder einfach auf morgen zu verschieben. Daraus resultiert dann meist der Irrglaube, man könne unter Druck einfach besser arbeiten – was nur bei den wenigsten wahrhaftig der Fall ist.“

 

Wiedemeier selbst schreibt auch an einer eigenen Arbeit. Nebenbei beantwortet sie Fragen, gibt Tipps, wenn die Einleitung nicht gelingen will oder erklärt, wie richtig zitiert wird. Auf eine Sache legen hier aber alle einen sehr großen Wert. Es darf nirgends abgeschrieben werden. Jeder arbeitet für sich selbst. Unterstützt wird nur methodisch, keinesfalls inhaltlich.

 

Aber funktioniert das alles denn überhaupt? Markus Metzing zeigt auf seine Kärtchen von der Zielscheibe, die von weit außen ein großes Stück nach innen gewandert sind. Besonders geschickt war aber Heide Reininghaus, die fröhlich strahlend vor ihrem Bildschirm sitzt. „Ich habe einen ganz besonderen Trick angewendet – ich habe mir einfach nicht zu viel vorgenommen. Darum bin ich jetzt schon viel weiter als ich mir erhofft hatte und kann sogar noch mehr schaffen“, lacht sie. Oster ist sich sicher: „Das werden wir jetzt zur regelmäßigen Veranstaltung machen.“

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