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Einmalige innovative Reinigungstechnik rettet Schätze der Archive und Bibliotheken

Faktultät Erhaltung von Kulturgut: Präsentation der Anlage zur Reinigung von Karten und Schriftgut durch elektrostatische Aufladung
Einmalige Reinigungsanlage

Tappenstraße

Mit Hilfe ihrer deutschlandweit einzigartigen Anlage zur Reinigung von Karten und Schriftgut  wird die HAWK-Fakultät Erhaltung von Kulturgut einen Beitrag zur  Rettung von zehntausenden mit Staub kontaminierten Dokumenten der Archive und Bibliotheken leisten können, darunter für Bestände des  Niedersächsischen Landesarchivs und des 2009 eingestürzten Historischen Stadtarchivs der Stadt Köln. Die Anlage soll langfristig aber auch die Archive und Bibliotheken im Kampf gegen große Mengen Schimmelschäden an ihrem Schriftgut unterstützen.

 

 

Die Reinigungsanlage

Die einmalige, acht Meter lange und zwei Meter breite Anlage wurde seit 2005 mit Unterstützung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) an der Universitäts- und Forschungsbibliothek  Erfurt/ Gotha entwickelt. Innerhalb von zwei Jahren konnten 185.000 wertvolle und fragile Karten des berühmten Perthes Geographischen Verlags von gesundheitsschädlichen und Material schädigenden Feinstäuben gereinigt werden.

Die HAWK Hildesheim konnte diese Anlage im Januar 2011 von der Universität Erfurt übernehmen, nachdem die Arbeiten an der Perthes-Sammlung abgeschlossen waren. Die Anlage besitzt ein großes Entwicklungspotenzial und soll an der Fakultät für Erhaltung von Kulturgut in Kooperation mit dem Niedersächsischen Landesarchiv, dem Historischen Archiv der Stadt Köln sowie der Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/ Gotha weiter entwickelt werden.

Im der Veranstaltung unterzeichneten die Kooperationspartner einen Letter of intent zur weiteren Zusammenarbeit:

• die Universitäts- und Forschungsbibliothek  Erfurt/ Gotha
• das Niedersächsische Landesarchiv
• das Historische Archiv der Stadt Köln.


 

Das Reinigungsprinzip und die weitere Forschung

Das Reinigungsprinzip beruht auf elektrostatischen Effekten. Mit dieser innovativen Technik können erstmals auch empfindliche und beschädigte Objekte ohne Gefährdung ihrer Substanz behandelt werden. Die Entwicklungsarbeit und das Ergebnis sind bisher beispielhaft. Sie beruhen auf der erfolgreichen Zusammenarbeit von Bibliothekaren, Restauratoren, Naturwissenschaftlern und Verfahrenstechnikern.

Im Mittelpunkt der weiteren Forschung an der HAWK stehen die Abnahme von feinen und schädigenden Baustäuben sowie von mikrobiologischen Belägen. Diese  Ablagerungen beschleunigen die Alterung und die Zerfallsprozesse organischer Materialien. Die gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die durch sie bestehen, machen diese Bestände zudem unbenutzbar. Die Anlage steht in den Räumen der Fakultät Erhaltung von Kulturgut am Bismarckplatz 10 in Hildesheim.

 

Präsentiert wurden auch die neuen Räume der Studienrichtung Schriftgut, Buch und Graphik in der Tappenstraße:

 

Junge Menschen für Erhaltung von Kulturgut begeistern


Unter der Leitung von Prof. Ulrike Hähner ist in den vergangenen zwei Jahren mit Unterstützung der Fakultät Erhaltung von Kulturgut und des Präsidiums der HAWK ein zukunftsweisendes Lehrkonzept für die Fachrichtung Schriftgut, Buch und Graphik an der Fakultät Erhaltung von Kulturgut entwickelt worden. Dazu gehört auch die Einrichtung von verbesserten Lehrbedingungen in der Tappenstraße 55.

 

Eckdaten Tappenstraße 55, 2. Etage:

 

• Quadratmeter gesamt: 400
• Räume zur Untersuchung, Dokumentation, Vorlesungsvorbereitung;
• Werkstätten für Bachlor- und Master-Studiengang (getrennt)
• Labor für mikrochemische Tests, Herstellung von Behandlungslösungen unter definierten Bedingungen und zur Durchführung von Stabilisierungstechniken
•  Büros für Werkstatt- und Fachrichtungsleitung
• Seminarräume


 

Konservierungstechnik und Konservierungswissenschaft

 

Die Veränderungen der Lehrinhalte stehen in einem engen Zusammenhang mit den Mengenschäden in Archiven, Bibliotheken und Museen. Die Themen der Restaurierungstechnik sowie der Arbeitsorganisation und der Betriebswirtschaft werden stärker als bisher in den Studienablauf eingebunden. Auf diese Weise soll auch die inhaltliche Entwicklung der jungen Disziplin der Konservierungswissenschaft gefördert werden.

 

Neue Denomination der Fachrichtung

Um die neue und breite Ausrichtung zu dokumentieren,  änderte die Hochschule mit Zustimmung des Niedersächsischen Wissenschaftsministeriums im November 2010 die Denomination der Fachrichtung in „Schriftgut, Buch und Graphik“ (früher Fachrichtung Buch und Papier). 

 

Struktur und Inhalte der Fachrichtung Schriftgut, Buch und Graphik

 

In den Werkstätten und Seminarräumen werden innerhalb des Bachelor-Studiengangs die Grundlagen der Papier-, Pergament- und Buchrestaurierung vermittelt. Ergänzend zur Theorie lernen Studierende auch den Aufbau und die Materialität verschiedener Objekte in Rekonstruktionsübungen kennen. Das Ziel dieser Übungen ist es, die Auswirkungen von Schäden besser einzuschätzen. Diese Fähigkeit benötigen die Studierenden für die Auswahl der geeigneten Behandlungsmethode. In fachübergreifenden, wissenschaftlichen Forschungsreihen werden Konservierungs- und Restaurierungsmethoden auch untersucht, um ihre Wirksamkeit, aber auch ihre Auswirkungen auf die originale Materialqualität darzustellen.

Die theoretischen und praktischen Arbeiten der Master-Studierenden bauen auf den im Bachelor-Studium erarbeiteten Grundlagen auf. Sie sollen die Möglichkeiten erhalten, eigene Schwerpunkte zu setzen und diese wissenschaftlich zu vertiefen. Die Studierenden werden dafür in laufende Forschungsprojekte und/oder in Projekte in Kooperation mit Archiven, Bibliotheken und Museen eingebunden.

Das Ziel der Werkstattarbeit ist es, durch breite Angebote die theoretische Lehre und die Forschung zu unterstützen. Die Studierenden sollen gute Möglichkeiten erhalten, eigene Erfahrungen und Fähigkeiten in der Konservierung und Restaurierung zu machen und zu entwickeln, z.B. der Material- und Schadenserkennung, der Schadensanalyse und Zustandserfassung sowie der jeweiligen Erhaltungsmaßnahmen und Arbeitstechniken.

 

Prof. Dipl.-Ing. Dipl.-Rest. Ulrike Hähner – Leiterin der Fachrichtung

 

• 1980 bis 1982 buchbinderische Ausbildung
• 1985 bis 1989 Studium Restaurierung von Büchern und Kulturgut aus Papier am Museum für Deutsche Geschichte Berlin und an der Deutschen Bücherei Leipzig. Die Gleichstellung mit einem Fachhochschul-Abschluss als Diplom-Ingenieurin erfolgte 1994 durch die Senatsverwaltung für Wissenschaft und Forschung Berlin
• 2003 bis 2005 Hochschulstudium an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, Studiengang Restaurierung und Konservierung von Graphik, Archiv- und Bibliotheksgut, Abschluss mit Diplomprüfung. 2006 Publikation der Diplomarbeit als Fachbuch Schadensprävention im Bibliotheksalltag in der Reihe Bibliothekspraxis des Saur-Verlags München
• Berufliche Tätigkeit seit 1982: zuerst in den Werkstätten der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten der Klassischen Deutschen Literatur (heute: Klassik Stiftung Weimar) bis  1986, danach in der Wissenschaftlichen Allgemeinbibliothek Erfurt für die mittelalterliche Bibliothek des Amplonius Rating de Bercka  bis 1989 und zuletzt, seit 1990 in der  Universitätsbibliothek Marburg. Dort Leitung der Restaurierungswerkstatt und von 2005 bis 2009 der Stabsstelle Zentraler Dienst Bestandserhaltungsmanagement
• Tätigkeit in der Aus- und Fortbildung zusätzlich seit 1992 an Archivschule Marburg – Fachhochschule für Archivwesen und von  2004 bis 2009 für die Referendariatsausbildung der Hessischen Wissenschaftlichen Bibliotheken. Lehrauftrag für Bestandserhaltung im Bibliothekswesen an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart seit 2005

 

Weitere Informationen:

 

Fakultät Erhaltung von Kulturgut
Fachrichtung Schriftgut, Buch und Graphik

http://www.hawk-hhg.de/kulturgut/150001.php

Interessierte für ein Studium an der Fachrichtung Schriftgut, Buch und Graphik können sich an das Sekretariat der Fakultät Erhaltung von Kulturgut wenden oder direkt an die  Fachrichtung. Tel. 05121 881-385 (Sekretariat) oder 05121/ 881-444 oder 881-445 (Fachrichtung).

Es sind jederzeit Besichtungen der Räumlichkeiten sowie Gespräche zu den Inhalten des Studiums nach Vereinbarung möglich. 

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