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"Schokolade mit Chili"

HAWK-Projekt "Schokolade in Acryl?" setzt "neue Maßstäbe in Sachen Projektarbeit"
Hornemann Institut

Hornemann Institut

Das Projekt „Schokolade in Acryl?“ sollte Jugendliche für zeitgenössische Kunst begeistern. Dass dieses Vorhaben gelungen ist, beweist die Abschlusspräsentation. Rund 20 Schülerinnen der Gymnasien Andreanum und Himmelsthür zeigen, was sie in Kooperation mit der HAWK-Fakultät Erhaltung von Kulturgut und dem Hornemann-Institut im Rahmen des Hildesheimer Themenjahres „leben lernen lernen leben“ gelernt und geleistet haben. Neben dem Blick auf die Werke sind es die strahlenden Blicke und Worte der Schülerinnen, die davon zeugen, dass sie eine ganz besondere und einzigartige Erfahrung gemacht haben.

 

Nach inhaltlichen Einführungen an der HAWK und in den Schulen haben die Schülerinnen im zweiten Schulhalbjahr  Künstler aus der Region Hildesheim in ihren Ateliers und Werkstätten besucht. Um zu sehen, wie sie leben und mehr über ihre Herangehensweise und Ansichten über Kunst zu erfahren. „Kunst ist mehr als Malerei“, erklären die Mädchen der neunten Klasse vom Gymnasium Himmelsthür. Unter der Leitung von Lehrerin Heide Junker haben sie mit Fotografie im HAWK-Fotolabor experimentiert, ein Interview-Training absolviert, selber Kunst hergestellt und natürlich auch Künstler besucht.

 

Einer davon ist der Bildhauer und Metallgestalter Jan Obornik. Er berichtet: „Ich bin positiv überrascht. Die Schülerinnen haben mich in meinem Atelier besucht und waren hervorragend vorbereitet. Das Interview hat durch kesse, gut recherchierte und durchdachte Fragen überzeugt. Ein reichhaltiges Wissen über Kunst hat das Fundament dafür gebildet. Der daraus entstandene Film ist toll geworden. Von daher kann ich nur betonen, wie gerne ich Teil dieses Projekts gewesen bin.“

 

Auch Bildhauer und Aktionskünstler Hans-Werner Kalkmann zeigt sich begeistert: „Ich fand diese Idee der Vermittlung zeitgenössischer Kunst von Anfang an gut, darum hatte ich auch sofort ‚ja’ gesagt. Vor 40 Jahren haben wir als Künstler damit begonnen, auf die Straße zu gehen, um den Menschen zu zeigen, was zeitgenössische Kunst ist. Wir machen das heute noch. Das Projekt ‚Schokolade in Acryl?’ hat dafür neue Formen gefunden. Ich wünsche mir mehr davon – die Menschen müssen doch alle mit den neuen Dingen in unserer Welt zurechtkommen.“

 


Kalkmann wurde von der elften Klasse des Andreanums besucht. Hier herrscht ein wenig mehr Druck. Hier gibt es Noten auf die Arbeiten der Schülerinnen. Auch sie haben Künstler besucht. Daraus sind ihre Facharbeiten entstanden sowie Poster, auf denen sie ihre Ergebnisse kurz, informativ und plakativ mit Texten und Fotos vorstellen. Ihr Kunstlehrer Siegfried Musiol resümiert: „Das Projekt ist wie ein Mosaik, und jeder hat einen eigenen Teil dazu beigesteuert. Bis ein vollständiges Bild entstanden ist.“ Die Schülerinnen berichten: „Die meisten unserer Mitschüler konnten sich überhaupt nichts unter dem Titel „Schokolade in Acryl?“ vorstellen. Die dachten alle, wir würden mit Schokolade malen. Anfangs fehlte uns auch jegliche Vorstellung. Doch jetzt sind wir froh, dabei gewesen zu sein.“

 

An der Präsentation der Ergebnisse nehmen auch die Projektkoordinatorinnen Dr. Angela Weyer und Prof. Dr. Ursula Schädler-Saub teil. Während Weyer die Veranstaltung moderiert, erklärt Schädler-Saub in einem kurzweiligen Exkurs, wie überhaupt der Projekttitel „Schokolade in Acryl?“ entstanden ist. Dafür zeigt sie die Arbeiten aus Schokolade von Dieter Roth. Denn hier zeigen sich echte Herausforderungen für die Erhaltung zeitgenössischer Kunst. Gerade bei Lebensmitteln als Material stünde die Restaurierung immer wieder vor der Frage: „Austauschen? Oder erhalten – aber wie?“

 

Sehr lebendige Worte zum Projekt findet Astrid Bödecker, Mitglied der Schulleitung des Gymnasiums Himmelsthür: „Wenn Kunstunterricht in der Schule Vollmilchschokolade ist, dann ist dieses Projekt mit seinen außerschulischen Lernerfahrungen Schokolade mit Chili.“ Ähnlich äußert sich auch Heinz-Friedrich Bringewatt, stellvertretender Schulleiter des Andreanums: „Dieses außergewöhnliche Projekt zwischen zwei Gymnasien, der HAWK und dem Hornemann Institut setzt mit seinem großen Handlungsspielraum und den direkten Kontakten neue Maßstäbe in Sachen Projektarbeit.“

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