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Mitfühlen, wie schwer das Bücken fällt

Erste Pflege-Börse der HAWK: Mehr als 200 Interessierte hörten Vorträge oder informierten sich an Ständen

„Wie fühlt es sich an, wenn man alt ist“, fragt die HAWK und richtet die erste Pflegebörse Hildesheims aus. „Verantwortung gemeinsam tragen – Pflege von Angehörigen“ lautet der Titel, unter dem sich zahlreiche Organisationen und Institutionen im HAWK-Foyer am Goschentor gemeinsam präsentieren.

 

Warum die HAWK das Thema Pflege verstärkt in den Vordergrund rückt, erklärt HAWK-Präsidentin Prof. Dr. Christiane Dienel: „Die HAWK hat sich als familiengerechte Hochschule positioniert. Und mit Blick auf den demografischen Wandel heißt das, dass wir uns genauso um kleine Kinder kümmern wie auch um ältere wie pflegebedürftige Angehörige.“

 

An den zahlreichen Informationsständen werden vielfältige Informationen geboten. Christine Fahlbusch von „Der Paritätische Hildesheim-Alfeld“ beispielsweise erklärt, auf welche Fragen sie sehr oft antworten muss: „Meistens geht es um Demenz-Erkrankungen oder auch, wo man Kurse absolvieren kann, wenn Angehörige pflegebedürftig geworden sind.“ Marie Abel vom Mehrgenerationenhaus Hildesheim hingegen informiert hauptsächlich über spezielle Kurs-Angebote von der Volkshochschule Hildesheim, die für alte Menschen konzipiert sind.“

 

Ingrid Haasper, Zentrale Gleichstellungsbeauftragte der HAWK, hat die Veranstaltung gemeinsam mit Jessica Inhestern und ihrem Team organisiert. Sie ist mit dem großen Andrang hoch zufrieden. Vor allem ist sie erstaunt über die Zusammensetzung des Publikums: „Es kommen Hildesheimer Bürgerinnen und Bürgern jeden Alters, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie auch Studierende der HAWK. Aber auch viele Schülerinnen und Schüler von der Hermann-Nohl-Schule, die sich hier weiterbilden und informieren wollen. Das gilt sowohl für die Vorträge und Workshops wie auch die Besuche an den Informationsständen.“ Über den Tag verteilt haben mehr als 200 Interessierte die Börse besucht.

 

Als echte Publikumsmagneten beweisen sich die 2008 auf den Markt gekommenen Alterssimulationsanzüge, die Anna Grohmann und Hester Hansen, beide Mitarbeiterinnen bei der Wolfsburg AG, zeigen. Rund 20 Kilogramm schwerer machen sie den Körper. Sie schränken außerdem die Bewegungsfreiheit der Gelenke ein. Hinzu kommt ein Kopfhörer, der den Hörsinn um rund 60 Prozent vermindert. Durch eine spezielle Brille sind Farben schwer voneinander zu unterscheiden, der Radius sowie die Schärfe der Augen werden eingeschränkt. Die beiden HAWK-Logopädie-Studentinnen Andrea Runge und Sonja Görlich sind erschrocken über die Auswirkungen, nachdem sie in dem Anzug alltägliche Aufgaben wie Treppen steigen, Geld aus einer Geldbörse heraus zählen oder aus dem Bett aufstehen bewältigt haben: „Man fühlt sich total schwer und niedergedrückt. Wer hätte denn gedacht, dass man sich nicht mal mehr zu den Knien bücken kann? Besonders das verminderte Hören und Sehen war eine ganz schlimme Einschränkung, wie man sie sich gar nicht vorstellen kann.“

 

HAWK-Radioreporter Andreas Kreichelt schlüpft in den Anzug.

 

Für die Bedürfnisse und Probleme im Alter wollten denn auch die Organisatorinnen von der HAWK sensibilisieren und damit ein Thema in den Vordergrund rücken, das es verdient. Das Thema „Pflege“ wird immer wichtiger – für jeden Einzelnen und angesichts der Bevölkerungsentwicklung auch für die Gesellschaft. Vorträge und Workshops rund um das Thema ergänzten das Beratungsangebot an Infoständen. Es ging beispielsweise um das Thema Betreuungsangebote für Demenzkranke, um Möglichkeiten der Hospizversorgung, um Wissenswertes über die Leistungen der Pflegekasse, um Betreuungs- und Patientenverfügungen oder um neue Wohnformen für Seniorinnen und Senioren.

 

Besonderes Ziel der HAWK ist der Aufbau einer Online-Beratungsplattform rund um das Thema Pflege. So eine Plattform gibt es bisher bundesweit noch nicht. Deshalb werden Pflegebörse und die geplante Plattform im Rahmen des Programms „Familie in der Hochschule“ gefördert. Familie in der Hochschule ist ein Programm des Bundesinnenministeriums und der Robert Bosch Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Centrum für Hochschulentwicklung CHE.

 

Mitwirkende der Pflegebörse:

 

Referentinnen/Referenten und Vorträge:

  • Dagmar Beck-Bever, Rechtsanwältin und Notarin, Fachanwältin für Medizinrecht – „Vorsorgevollmacht, Betreuungs- und Patientenverfügung“
  • Günter Bernhardt/Lutz Hoffmann, DAK Hildesheim – „Leistungen der Pflegekasse – Antragstellung, Widerspruchsverfahren, Anpassungsverfahren“
  • Matthias Fricke/Karin Timm, BARMER GEK Hildesheim – „Zuhause pflegen – Leistungen für die Pflege im häuslichen Bereich“
  • Ulrich Geßler, Wohnberater, Seniorenservicebüro für Stadt und Landkreis Hildesheim – „Bequem und sicher wohnen im Alter“
  • Sonja Gottschling, Seniorenberatung der Stadt Hildesheim – „Finanzierungshilfen zur ambulanten und stationären Pflege“
  • Ortrud Handke, Pflegestützpunkt für Stadt und Landkreis Hildesheim – „Pflegefall – Was nun?“
  • Rosemarie Kurz-Krott/Christina Hamelmann, Caritas-St.Bernward ambulante Pflege gGmbH Hildesheim – „Entlastungsangebote für pflegende Angehörige“
  • Kerstin Müller-Gudowski, Lehrerin für Pflege – „Praktische Tipps zur häuslichen Pflege“
  • Carsten Rumbke, Pflegepädagoge, HAWK – „Hilfe, Papa stirbt! – Möglichkeiten der Hospiz- und Palliativversorgung“
  • Elisabeth Schmidt, MSc. Physiotherapie mit Schwerpunkt Gesundheitsförderung und Prävention – „Umgang mit dem Pflegestress – Übungen und Tipps“
  • Hildegard Schooß, Initiatorin Konzept Mehrgenerationenhaus – „Dienstleistungen für Alt und Jung unter einem Dach – SOS-Mütterzentrum Mehrgenerationenhaus Salzgitter“
  • Cordula Schrader, Yoga-Lehrerin – „Stress abbauen: Gesundheit erhalten – Krankheiten vermeiden“
  • Manuel Stender, Strukturplanung Senioren, Landkreis Hildesheim – „Aktives Altern – Chancen und Angebote für ältere Menschen“
  • Marina Stoffregen, Kontaktstelle im Selbsthilfebereich, KIBIS des Paritätischen Hildesheim-Alfeld/Helga Kassebom, Angehörigenkreis Demenz- und Alzheimererkrankter – „Hilfe beim Helfen – Selbsthilfe für Angehörige“
  • Bettina Wietzorrek, DRK Hildesheim Soziale Dienste gGmbH – „Betreuungsangebote für Demenzkranke“
  • Dipl.-Ing. Petra Willke-Fischer, Architektin, Serviceagentur Neues Wohnen in Hildesheim –„Gemeinsam besser wohnen – Neue Wohnformen in Hildesheim“

 

Ausstellende:

  • Arbeiter-Samariter-Bund Kreisverband Hildesheim/Hameln-Pyrmont
  • BARMER GEK Hildesheim
  • Caritas-St.Bernward ambulante Pflege gGmbH
  • DAK Geschäftsstelle Hildesheim
  • DRK Hildesheim Soziale Dienste gGmbH
  • KIBIS des Paritätischen Hildesheim-Alfeld
  • Mehrgenerationenhaus Hildesheim
  • Pflegestützpunkt für Stadt und Landkreis Hildesheim
  • Sanitätshaus Meyer Hildesheim, Orthopädieschuhtechnik & Sanitätshaus
  • Seniorenservicebüro für Stadt und Landkreis Hildesheim
  • SOS-Mütterzentrum Mehrgenerationenhaus Salzgitter
  • Wolfsburg AG (Alterssimulationsanzüge)

Erscheinungsdatum: 12.10.2011 

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