English Version | Intranet | Schnellzugriff

HAWK-Forscherinnen sagen Schimmelsporen in Archivgut den Kampf an

Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert Entwicklung neuer Reinigungstechnologie

Schimmel auf großen Mengen historischer Papiere, das ist  bisher ein großes Problem für Archive und Bibliotheken. Zehn Regalkilometer mikrobiologisch verseuchter Akten stehen allein im Niedersächsischen Landesarchiv, dem Kooperationspartner der HAWK. Ein Forschungsprojekt der Studienrichtung Schriftgut, Buch und Graphik und des Mikrobiologielabors an der Fakultät Erhaltung von Kulturgut soll jetzt eine Lösung bringen: Die einzigartige Papierreinigungsanlage der HAWK soll mit rund 125.000 Euro Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) weiterentwickelt werden und Papier von mikrobiellen Schadstoffen befreien.

 

Ein Team unter der Leitung von Prof. Ulrike Hähner und Prof. Dr. Karin Petersen will gemeinsam mit dem Konstrukteur der Papierreinigungsanlage, Dipl.-Ing. Ernst Becker und dem Niedersächsischen Landesarchiv, neue, integrierbare Reinigungsmodule entwickeln. Diese sollen  in eine ebenfalls zu entwickelnde kleinere und mobile Modellanlage integriert werden, die nach dem technischen Grundprinzip der acht Meter langen und zwei Meter breiten Reinigungsanlage der HAWK arbeitet.  Die große Reinigungsanlage wird zur Beseitigung von Staubablagerungen seit Dezember 2011 an der HAWK in Hildesheim betrieben.

 

Entwickelt wurde die Reinigungsanlage ursprünglich für die Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha, eigens zur Restaurierung einer Sammlung zum Teil sehr großformatiger historischer Landkarten des berühmten Perthes-Verlages. Das Problem damals: Unsichtbare und gesundheitsschädliche Feinstäube bedeckten die Karten. 185.000 Karten galt es zu reinigen. Dafür wurde die  Reinigungsmaschine von Stuttgarter Wissenschaftlern und der Firma Becker Systems entwickelt: Innerhalb von nur zwei Jahren reinigte sie erfolgreich den umfangreichen Perthes-Bestand.

 

Professorin Hähner war Mitglied des begleitenden Expertenbeirats und beschreibt die damalige Entwicklungsarbeit: „Die Anforderungen waren hoch. Es durften keine  Nebenwirkungen auftreten; die teilweise sehr empfindlichen Papieroberflächen, Tinten-, Zeichen- bzw. Farbschichten durften nicht verändert werden.“ Entwickelt wurde schließlich die maschinelle Anlage zur beidseitigen Reinigung großformatiger Karten. Das Wirkprinzip: Eine spezielle elektrostatisch negativ aufgeladene Folie nimmt den anorganischen Staub sehr gleichmäßig ab, während die Karten sorgfältig fixiert auf einem Transportband die Anlage langsam - mit zwei bis vier Metern in der Minute - durchlaufen. Gereinigt werden können laut Hähner auf diese Material schonende Weise innerhalb einer Stunde rund 120 Papierdokumente im DIN-A-1-Format. Es können Karten aber auch Graphiken und Schriftgut behandelt werden.

 

„Schimmel besitzt andere Ladungsverhältnisse als der Staub auf den Landkarten des Perthes-Bestandes und die Einzelblätter sind teilweise mechanisch bereits sehr geschädigt“, erläutern Hähner und Petersen. Das Schriftgut soll von den nicht im Material verankerten Besiedlungsanteilen, den Konidien und Sporen abgereinigt werden. Diese mikrobiologischen Ablagerungen können sich leicht in der Umgebung verteilen und die Arbeitsflächen kontaminieren. Es werden daher neue hohe Anforderungen an den Gesundheitsschutz und an die Arbeitstechnik gestellt. Zudem soll untersucht werden, ob die schonende Reinigungstechnik auch bei Textilien angewendet werden kann. Die Textilrestaurierungswerkstatt der Von Veltheim Stiftung, Kloster St. Marienberg Helmstedt, ist in die Forschungsarbeiten einbezogen.


Das interdisziplinäre Forscherteam hofft, erste Ergebnisse im Sommer 2012 präsentieren zu können.

Erscheinungsdatum: 27.01.2012