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Wie viel "Heimat" verträgt die Stadtentwicklung?

Verw.-Prof. Dr. Andreas Thiesen forscht zu sozialräumlicher Identität im Spiegel urbaner Interventionen. Aktueller Essay von Thiesen in der "ZEIT"

Die Image-Aufwertung sozial benachteiligter Stadteile und die Stärkung einer „positiven“ sozialräumlichen Identität gehören zu den klassischen Konzepten der sozialen Stadtentwicklung. Doch inwiefern bietet das, was alten und neuen Bewohnern unterschiedlicher sozialer und kultureller Herkunft als „Identität“ angeboten wird, in einer globalisierten und beschleunigten Welt überhaupt noch einen schlüssigen Bezug? Inwieweit entsprechen Stadtteilgeschichte(n) und -image(s) überhaupt der Alltagspraxis der Stadtteilakteure? Welche kulturellen Zuschreibungen, Stereotype und Ressentiments können in einem Stadtteil zur Disposition stehen, und wie sind sie in der Akteurskonstellation gewichtet? Wie gestalten sich Wertedifferenz, Mentalitäten und Lebensstile innerhalb der Wohnbevölkerung?

 

Mit Hilfe performativer Praktiken urbaner Interventionen geht Thiesen der Frage nach einer ambivalenten Konzeption von Stadtteilidentität nach. Hierzu sollen ab dem Sommersemester die materiellen und konzeptionellen Weichen für ein mittelfristig angelegtes Forschungsprojekt gestellt werden. Thiesen lehrt im Bereich "Planung und Entwicklung Sozialer Arbeit" an der Fakultät Management, Soziale Arbeit, Bauen am HAWK-Standort Holzminden.


 
Die kritische Dekonstruktion gesellschaftlicher Normativität, die durch die Arbeiten der Diversity Studies ermöglicht wurde, soll auf das Feld der Identitätspolitiken in der sozialen Stadtentwicklung übertragen werden. Bei der Analyse sozialer und kultureller Vielfalt im Sozialraum geht es dabei insbesondere um die Identifikation anschlussfähiger Differenzen (Breckner). Zugleich werden in Theorie und Praxis der Stadterneuerung als unstrittig gehandelte Konzepte – zu einem späteren Zeitpunkt – in einem Modellstadtteil durch urbane Interventionen hinterfragt. Die interdisziplinäre Analyse sozialräumlicher Identitätspolitiken, insbesondere mit Hilfe kulturwissenschaftlicher Differenztheorien, bildet auf dem Gebiet der sozialen Stadtentwicklung ein Novum.

 

Eine erste Positionierung von Thiesen wurde am Beispiel der Debatte um „Gentrifizierung“ in der „ZEIT“ veröffentlicht: http://www.zeit.de/2012/05/Gentrifizierung

 

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Erscheinungsdatum: 08.02.2012 

Thiesen

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