English Version | Intranet | Schnellzugriff

Man darf auch sich selbst nicht vergessen

Helga Kassebom vom Angehörigenkreis Demenz- und Alzheimererkrankter Hildesheim informiert in der HAWK-Mittagsinfo

30 Minuten dauert sie, und damit kaum länger als eine durchschnittliche Mittagspause. Alles Absicht – schließlich möchte die Mittgasinfo des  HAWK-Gleichstellungsbüros neue Wege gehen, um schnell und quasi im Vorbeigehen zu informieren. Dieses Jahr steht das Thema Pflege im Vordergrund der regelmäßigen Treffen. Bei der heutigen Veranstaltung in der Lounge der Fakultät Bauwesen am Hohnsen in Hildesheim informiert Helga Kassebom vom Angehörigenkreis Demenz- und Alzheimererkrankter Hildesheim.

 

Das übergreifende Thema Pflege liegt aus mehreren Gründen auf der Hand. Die Idee, Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen einzuladen, entwickelte sich aus der ersten HAWK-Pflegebörse heraus. „Das Thema wird immer brisanter. Gerade mit Blick auf die demografische Entwicklung wird immer deutlicher, dass es uns alle angeht. Unsere Gesellschaft wird immer älter – entsprechend müssen wir uns natürlich auch alle frühzeitig informieren“, erklärt Ingrid Haasper, Leiterin des HAWK-Gleichstellungsbüros. Das betreffe natürlich auch Studierende – vor allem solche, die direkt betroffen sind, weil beispielsweise die Großeltern nicht mehr alleine versorgen können, fügt Haasper hinzu.

 

Entsprechend breit gefächert ist die Auswahl der Themen, die in Hildesheim und Holzminden behandelt werden. Es geht um gemeinsame Wohnformen, Entlastungsangebote für pflegende Angehörige und über Fragen zur Vorsorgevollmacht sowie der Betreuungs- und Patientenverfügung.

 

Bei Kassebom dreht sich das Gespräch zunächst um die Angebote ihres Vereins. „In den Selbsthilfegruppen treffen wir uns regelmäßig zu Gesprächen und zum Gedankenaustausch, um bei Fragen und Problemen zu beraten, aber auch um Informationen weiter zu geben“, erklärt sie und fügt hinzu.  „Viele interessieren sich für Entlastungsmöglichkeiten – denn wer sich den ganzen und jeden Tag um einen Angehörigen kümmern muss, gerät schnell in Gefahr, sich selbst dabei zu vergessen.“

 

„Woran merkt man eigentlich, dass jemand Hilfe braucht – wo fängt die Demenz an“, möchte Haasper wissen. „Grundsätzlich gefährlich ist soziale Isolation. Gerade in der Gemeinschaft und durch Gespräche bleibt das Gehirn besser fit. Mit steigender Demenz werden komplexe Tätigkeiten schwierig. Wenn beispielsweise die Abläufe beim Kaffee kochen nicht mehr abgerufen werden können. Bedenklich ist, wenn der so genannte Uhrentest nicht mehr bestanden wird. Das ist der Fall, wenn Betroffene in einem Kreis nicht mehr die Anordnung eines Ziffernblatts einzeichnen können“, meint Kassebom.

 

Wobei viele der heutigen alten Menschen die Diagnose meistens nicht wahr haben wollen, genauso wie der Gang zum Neurologen extrem schwer fällt. „Ich muss doch nicht zum Beklopptendoktor, heißt es dann oft“, erzählt Kassebom. „Aber kann man der Demenz in irgendeiner Form vorbeugen?“, heißt es dann aus dem Publikum. Es gäbe zwar Antidementia, die den Verfall im Gehirn zumindest aufhalten und damit den Verlauf der Krankheit Alzheimer verzögern. Doch ansonsten läge es stark am Genpool –treffen könne es grundsätzlich jeden. Kassebom empfiehlt: „Vorbeugend sind mit Sicherheit eine gesunde Ernährung sowie Körper und Geist regelmäßig in Bewegung zu halten.“

 

„Im Winter werden wir die Reihe fortsetzen“, freut sich Haasper. Allerdings soll die Auswahl der Themen dann noch vergrößert werden: „Wir planen im kommenden Wintersemester, die Vielfalt der Themengebiete zu erweitern. Dann geht es neben der Pflege von Angehörigen um Fragen rund um die familiengerechte Hochschule, zur Gleichstellung und auch um Stressbewältigung.“

 

Erscheinungsdatum: 06.07.2012