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Transatlantische Projekte

30. Novemberausstellung der HAWK-Fakultät Gestaltung ohne Kompetenzgrenzen

Wie sehen eigentlich Schmerzen aus? Wann kommt eine App, die öffentliche Toiletten anzeigt? Sind Farben in Peru bunter? Und muss man sich zum gemeinsamen Arbeiten eigentlich persönlich begegnen? Zu all diesen Fragen liefert die nunmehr 30.  Jahresausstellung der HAWK-Fakultät Gestaltung Antworten –  und verpackt sie auch noch hübsch. Rund 620 Studierende der Fakultät haben an dieser Ausstellung mitgewirkt –  entsprechend viel gibt es zu entdecken. Ein paar wenige Auszüge sollen hier vorgestellt werden.

 

HAWK Radio berichtet direkt von der Ausstellung

Ein Rückblick von Dekan Prof. Werner Sauer

Ein aufregender Schaffensprozess dürfte wohl eine gute Inspiration sein, um entsprechende Ergebnisse zu erhalten. So geschehen ist das bei der transatlantischen Auseinandersetzung mit Typografie im Kontext zur Architektur zwischen Studierenden der Stadt Boise in den USA und aus der HAWK in Hildesheim. Wirklich persönlich begegnet sind sich die kreativen Köpfe bei dieser interdisziplinären und interkulturellen Studie nicht. Aber im Internet. „Wir haben per Skype kommuniziert und nach und nach die Ergebnisse in unserer Dropbox gesammelt“, erklärt Prof. Ursula Knecht, die gemeinsam mit Christoph Lemmer, Prof. Hertwig Gerbrecht und Prof. Hans Lamb das Projekt betreut hat. Das Ergebnis sind in erster Linie Typografien, die die Studierenden, die aus den Bereichen Metall-, Licht-, Grafikdesign und Skulptur stammen,  für Gebäude des jeweils anderen Kontinents entwickelt haben.

Ebenfalls als interdisziplinäre Leistung beeindruckt die Ausstellung im Bereich Farbdesign zur Expedition nach Peru. Die von Sabine Hirsch entwickelte und kuratierte Ausstellung namens „Welcome to Perudise“ zeigt einen fantastischen Einblick in die prächtige Farbenwelt der peruanischen Kultur. 13 Studierende setzten sich vor Ort mit Themen wie der epochalen Betrachtung, Scouting und Monitoring von Gestaltungskonzepten und Zeichensystemen in Gesellschaft, Architektur und Städtebau in Peru auseinander. Die mitgebrachten Eindrücke und Erfahrungen finden sich in der Ausstellung wieder.

Von ihren Erfahrungen profitieren konnten auch die Lighting Design-Studierenden, die die interaktive Lichtskulptur „Light & Play“ aufgebaut haben. Erstmals hatten sie diese begehbare Installation beim Light-Night-Shopping in Hildesheim vorgestellt. Einer von ihnen ist Jasper Kühn – gerade testet er noch die Sensorplatten, die, wenn man sie betritt, sowohl das Licht im Raum als auch den Anschlag an die Samples steuern. Das ist imposant für die Ohren und wohltuend für die Augen.

Mit einem Thema, das ganz und gar nicht als wohltuend gilt, hat sich Master-Studentin Angelika Schaefer auseinander gesetzt –  nämlich Schmerz. Auf winzigem Raum stellt sie täglich einen neuen Schmerz vor. Scharf wie Chili ist der, deswegen sind Chilis im Angebot. Und irgendwie fühlt er sich an wie Knete. Darum liegt dort Knete auf dem Teller. Im Hintergrund knarzen stichelnde Synthesizer-Sounds. So erfrischend wurde Schmerz wahrscheinlich noch nie erlebt – da möchte man gerne noch mal rein.

Für eine stilvolle Auszeit bieten sich die öffentlichen Sitzmöbel von Cesar Lugo an. Schwungvolle Linien aus Holz entwickeln eine faszinierende Dynamik, die für neue Blickfänge rund um Spielplatz, Parkanlage oder auf öffentlichen Plätzen in Städten sorgen.  Nur ein paar Türen weiter ist die Grundlage dafür zu erkennen. Da stellen die Studierenden ihre Ergebnisse aus dem Fach „Plastisches Gestalten“ aus zwei Semestern vor. Dafür wurde mehr oder weniger mit Draht gezeichnet –  die Skulpturen schweben in der Ausstellung im Raum. Verblüffend einfach, extrem effektiv.

Im Bereich Advertising Design „muss“ man einfach mal bei der „Mein Örtchen“-App stehen bleiben. So heißt die Arbeit von Philipp Engelhardt. Bei dieser App sind alle öffentlichen Toiletten im urbanen Bereich eingezeichnet. Inklusive einer Kommentarfunktion zur Bewertung. Die dreckigste öffentliche Toilette wird einmal pro Monat von den Usern gekürt – dann kommt ein Putzteam von der Firma mit dem penibel-reinen Saubermann mit dem Kahlkopf. Gerade Reisende werden hier sicher zustimmen: Diese App hat die Welt gebraucht. Eine glänzende Idee – auch ohne Putzteam.

Im mittlerweile traditionellem Grafik-Kiosk gibt es neben filigranen Lithografien und imposanten Linolstichen – übrigens allesamt käuflich erhältlich –  ein ganz besonderes Schmankerl: den diesjährigen Stand der HAWK von der Leipziger Buchmesse, der einfach mal ausschließlich aus alten Bierzeltgarnituren gebaut wurde. In seiner Wirkung ist dieser Stand nahezu unbeschreiblich, so viel gibt es an ihm zu entdecken –  vor allem, wenn auch noch alle Fächer mit Kunstdrucken gefüllt sind.

Die Ausstellung ist noch bis zum 22. November zu sehen. Weitere Informationen auch zur begleitenden Vortragsreihe finden Sie hier.

 

 

Erscheinungsdatum: 21.11.2012