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"Burnout - eine Modekrankheit?"

28 Studierende der HAWK suchen Antworten zu Ursachen, Folgen, Prophylaxe und Heilungschancen

Sozialpädagogen stehen auf Platz 2 der gefährdeten Berufe –  was das Thema Burnout angeht, direkt hinter der Krankenpflege, zeigt eine Statistik bei der Abschlusspräsentation des Projektes „Brennen ohne Burnout – Verantwortung übernehmen, Organisation gestalten, Gesundheit fördern“ der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit an der HAWK unter der Leitung von Prof. Dr. Andrea Friedrich. Stimmt das nachdenklich, ob die Berufswahl so eine gute Wahl ist? Daniel Große (26) und Timo Riechel (25) machen sich keine Sorgen: „Wir kennen jetzt die Warnsignale“.

 

Ein Jahr lang haben sie gemeinsam mit Studienkollege Björn Steinhoff (32) an ihrer Handreichung für Unternehmen „Akku leer?“ zum Thema Burnout gearbeitet und einen Methodenkoffer erstellt. Als Orientierung führen sie dort das Zwölf-Phasenmodell von Herbert Freudenberger und Gail North an ein, um eine Burnout-Gefahr frühzeitig zu erkennen. Es beginnt mit dem Zwang, sich etwas beweisen zu müssen und endet mit der totalen Handlungsunfähigkeit. Interviews führte das Forschungstrio unter anderem mit der Ambulante Soziale Dienste Hannover GmbH (ASD), mit der Wiedereingliederungshilfe der AMEOS-Klinik und dem Wirtschaftsunternehmen Smurfit. 

 

„Ein persönliches Gespräch mit dem Betroffenen wäre zum Beispiel ein guter Schritt“, so Timo Riechel. Bei der Recherche fand sein Team heraus, dass Betroffene mit chronischen Krankheiten oft nur per E-Mail kontaktiert würden. Während ihrer Forschung erfuhren sie die klassischen Vorurteile: Das sei nur eine Modekrankheit, bei uns gibt es so etwas nicht, oder da hat sich jemand wohl zu viel zugemutet.

 

Die Frage, wie genau Burnout definiert sei, sei gleichermaßen schwierig wie spannend, sagt die Leiterin des Projektes, Prof. Dr.  Andrea Friedrich: „Es gibt derzeit noch keine wissenschaftlich ausreichend standardisierten Diagnosekriterien für die Diagnosestellung des Burnout-Syndroms. Noch immer wird kontrovers diskutiert, ob es sich beim Burnout beziehungsweise dem so genannten Burnout-Syndrom um ein eigenständiges Krankheitsbild handelt, oder ob das Burnout eher als ein Prozess aufgefasst werden sollte, der schließlich zur Entstehung von klinisch relevanten Krankheitsbildern wie zum Beispiel depressiven Episoden oder Angststörungen führen kann.

 

„Unser Berufszweig ist häufig gefährdet durch schlechte Bezahlung, hohen persönlichen Einsatz, Überstunden und einen schlechten Personalschlüssel“, weiß Sozialpädagogin Caroline Pietzonka, die das Projekt von der Praxis aus begleitet hat, und Einrichtungsleiterin eines Kinderheimes in Stadthagen ist.  28 Studierende konnten sich selbstorganisiert in Arbeitsgruppen dem Thema nähern. Dabei waren die Ansätze sehr vielseitig: von den Ursachen, der Früherkennung und der Prophylaxe bis hin zu den Heilungschancen war alles vertreten.

 

Martina Katzenstein (53), Anna-Lena Jatho (25) und Marc Brzezinski (27) haben sich z.B. mit dem Thema Organisationskultur in Unternehmen auseinander gesetzt. „Während der Teamleiter das Team im Interview als harmonisch bezeichnete, sprachen die Teammitglieder vom genauen Gegenteil“, erzählt Brzezinski von seinem auffälligsten Forschungsergebnis. „Durch den Selbstmord von Robert Enke steigt die öffentliche Akzeptanz, sich mit Burnout oder Depression zu outen“, so Katzenstein. Es hebe die Tabuisierung dieses Themas auf. Ein Jahr voller Ergebnisse und Eindrücke soll vor allem eins sein, nachhaltig. Zum einen sensibilisiert es die Studierenden dafür, dass die persönliche Work-Life-Balance in ihrem Arbeitsalltag stimmen muss, aber auch für Auffälligkeiten in ihrem Mitarbeiterkreis oder bei zukünftig unterstellten Personen, denn das Team trägt letztendlich den Ausfall mit.


Die Forschungsergebnisse werden persönlich an die nächsten Studierenden übergeben, die das Projekt-Seminar belegen,  um an der HAWK tiefer in dieses komplexe Thema eindringen zu können.

Erscheinungsdatum: 30.01.2013