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Historische Wandmalerei entdeckt

Ehemaliger Aussegnungsraum der alten Pathologie am neuen HAWK-Campus Weinberg wird restauriert und in einen Andachtsraum umgestaltet

HAWK Radiobeitrag

Das Projekt „Raum der Stille“ in der der ehemaligen Trauerhalle der alten Pathologie am neuen HAWK-Campus Weinberg nimmt langsam Formen an. Bei einer ersten Ortsbegehung wurde HAWK-Präsidentin Prof. Dr. Christiane Dienel über die neueste Entwicklung informiert.

 

“Die Restaurierung und Umgestaltung dieser Halle in einen interreligiösen Andachtsraum ist eines meiner Lieblingsprojekte.“, sagte sie. „ Ich denke, dass es hier sehr gute Chancen für viele Studierende gibt, in der Praxis und in einem konkreten Projekt zu erleben, wie man etwas gestalten kann.“ Der Ortstermin fand zusammen mit Professor/inn/en, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden der Fakultäten „Bauen und Erhalten“ und „Gestaltung“, Vertretern des planenden Architekturbüros Vahle FHH, der städtischen Denkmalpflegerin und HAWK-Lehrbeauftragten Dr.-Ing. Maike Kozok sowie Vertreter/inne/n der AWO statt.

 

Die HAWK-Präsidentin erhofft sich mit der Halle einen besonderen Ort: „Ganz nah am Campus, mitten im studentischen Leben, der außerdem ein Zeichen setzt, wie Religionen miteinander umgehen, wie das Religiöse und Spirituelle auch hineingreift in den Alltag der Studierenden und wie es hier einen aktiven Dialog zwischen der Stadt und der Hochschule und zwischen unseren unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen gibt.“

 

Die historische Halle in dem Gebäude, das Gustav Schwartz, der Stadtbaumeister von Hildesheim, errichtet hat, soll nun hochschulintern und interdisziplinär umgestaltet werden.


Erste Ideen aus der Fakultät Gestaltung wurden bereits während der Ortsbegehung von den Professor/inn/en Dipl.-Ing. Günter Lois Weber und Dipl.-Ing. Almut Weinecke-Ludwig (beide Interior Architecture/Interior Design) sowie Studierenden vorgestellt. Diese Konzepte zur Innengestaltung sollen aber auch später im Verlauf des Sommersemesters 2013 an der HAWK präsentiert werden, sagte Prof. Weber zu den Plänen.

 

Um die historische Bausubstanz fachgerecht in die Modernisierungspläne zu integrieren, wurde zuvor eine restauratorische Befundsicherung durchgeführt, mit einem geradezu spektakulären Ergebnis. Prof. Dr. Dipl.-Rest. Nicole Riedl, Leiterin der Maßnahme und zuständig für die Studienrichtungen „Wandmalerei / Architekturoberfläche“ sowie kommissarisch „Stein / Keramik“, die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Dipl.-Rest. Anneli Ellesat M.A. und Dipl.-Rest. Heike Leuckfeld und weitere Studierende erklärten den Anwesenden die restauratorischen Befunde und ordneten sie historisch ein.

 

„Im Vorfeld waren die Beteiligten sehr skeptisch, ob man hier überhaupt Farbfassungen vorfinden würde. Wir haben sehr erstaunt festgestellt, dass hier das gesamte mehrfarbige Konzept erhalten ist. Von der Decke bis zu dem originalen Boden kam das gesamte Dekorationssystem zum Vorschein, mit einer sehr qualitätvollen, mehrfarbigen Gestaltung der Wände“, kommentierte Prof. Riedl die Sicherungsergebnisse.

 

In dem kleinen Raum ist außerdem ein flaches Podest am Boden vorhanden. Die Blendbögen, die spitzbogigen Fenster mit den verschiedenfarbigen Bändern und die intensiv rotleuchtenden Ziegel-Kragsteine seien typisch für die Zeit des 19. Jahrhunderts und gut erhalten geblieben. Das habe den Raum schon in seiner Zeit ganz besonders gemacht, so Riedl weiter. „Für uns als Konservatoren ist es wichtig, dass das ganze Raumkonzept erfahrbar wird und dass es erhalten bleibt. Wir streben an, dass Historisches erhalten bleibt und dass man trotzdem eine neue Nutzung realisieren kann.“

 

Eine weitere Besonderheit biete der Fußboden. Der besteht aus einem historischen Terrazzoboden, mit Kunststein und Mosaikelementen gestaltet. Entsprechend der Funktion, die Halle wurde zur Aufbahrung genutzt, ist in der Mitte ein zweistufiges Podest eingebaut. Eine Möglichkeit, den originalen Boden zu erhalten sehe man darin, einen Holzfußboden einzubauen. Dieser solle aus einem angenehmen Material bestehen, worauf man später auch sitzen oder knien kann. Eine Holzkonstruktion könne gleichzeitig die notwendige neue Installation, wie Elektrik und Heizung, integrieren.

 

Nun gilt es, ein gemeinsames Konzept zu entwickeln, in dem die ehemalige Ausstattung mit der sehr qualitätvollen Malerei erhalten bleibt und gleichzeitig eine neue, moderne Nutzung in dem Raum installiert werden könne.


„Da werden wir mit den Gestaltern noch intensiv diskutieren. Ich bin aber positiv gestimmt, dass wir eine gemeinsame Lösung finden.“, so Prof. Riedl. Präsidentin Dienel betont: „Es wäre wunderschön, wenn es gelingen könnte, möglichst viel der historischen Substanz in eine moderne Nutzung und Gestaltung zu integrieren. Das ist natürlich immer auch eine Kostenfrage und hängt davon ab, Sponsoren für dieses Projekt zu gewinnen, insbesondere wenn wir die gesamte Wandmalerei wieder sichtbar machen wollen. Ich bin jedenfalls schon gespannt auf die kreativen Konzepte unserer Designer für die Integration von Alt und Neu.“

Erscheinungsdatum: 12.02.2013